Alle Verträge mit Kunden gekündigt

Kräftemangel: Pflegedienst Awo Ambulant gibt auf

In der Pflege spitzt sich der Fachkräftemangel zu. Zentrale Stellen konnte der Awo-Dienst nicht mehr besetzen.
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In der Pflege spitzt sich der Fachkräftemangel zu. Zentrale Stellen konnte der Awo-Dienst nicht mehr besetzen.

Landkreis – Der Pflegedienst Awo Ambulant stellt seinen Betrieb ein. „Zum 9. Januar haben wir alle 150 Pflegeverträge gekündigt“, bestätigte Pressereferentin Sabine Schmitz. Die Liquidierung des Dienstes macht ein Problem deutlich, das seit Jahren wächst: der Mangel an ausgebildeten Mitarbeitern, erklärt die Sprecherin des Awo-Bezirksverbandes Hannover.

Annette Baumert musste der Belegschaft der gemeinnützigen GmbH die schlechte Nachricht überbringen. „Der Fachkräftemangel in der Pflege hinterlässt hier seine Spuren“, erklärte die Geschäftsführerin. Nach monatelanger erfolgloser Mitarbeitersuche habe es keine Alternative zu der Entscheidung gegeben.

Die Kunden hatte die Nachricht am Sonnabend mit der Post erreicht. Und für manchen, der auf die Unterstützung angewiesen ist, entsteht ein Problem. Für Ingo Kijek etwa, der jetzt zum Jahreswechsel erfährt, dass die Pflege seiner Mutter nach dem 9. Januar nicht geregelt ist. „Haben wir nicht alle in dieser Zeit schon genug Probleme, unser Leben in der Corona-Zeit auf die Reihe zu bekommen? Leider scheint es in dieser schlimmen Zeit immer noch eine Steigerung zu geben, wie meine Mutter unsere Familie und hundert andere Patienten und Mitarbeiter der Awo in Verden und Umgebung per Post am Samstag erfahren sollten“, klagt der Achimer.

Der Pflegenotstand lauert indes schon seit langem bedrohlich nahe. Der Mangel an Fachkräften ist seit Jahren Realität in Pflegeeinrichtungen ebenso wie bei den ambulanten Diensten. Nicht umsonst wird auch in den Senioreneinrichtungen des Landkreises notgedrungen über Einschränkungen der Angebotspalette nachgedacht. Leiterin Elke Lindhof hatte bei den Haushaltsberatungen im Sozialausschuss des Kreistags angedeutet, dass sie dazu gezwungen sein könnte.

„Wir haben monatelang nach einer Pflegeleitung gesucht“, berichtete Sabine Schmitz. „Ohne diese Leitung kann der  Dienst jedoch nicht weiter betrieben werden“, erklärte Annette Baumert den Entschluss. Die Suche sei ebenso erfolglos geblieben, wie die Versuche, Pflegefachkräfte für weitere freie Stellen zu finden.

150 Pflegeverträge seien betroffen, berichtete Sabine Schmitz. Jetzt werde versucht, die Kunden bei anderen Diensten unterzubringen. Der überwiegende Teil betreffe hauswirtschaftliche Hilfen. Für die werde es leichter sein, andere Anbieter zu finden. Schwieriger werde es sicher bei den 47 reinen Pflegeverträgen. Der Fachkräftemangel betreffe schließlich auch andere Dienste und Corona habe die Arbeitsbelastung nicht verringert.

Angesichts des Mangels seien die Arbeitsverträge der Mitarbeiter auch nicht gekündigt worden, berichtete Schmitz. Die Pressesprecherin erwartet, dass hier schnell und unkompliziert für jede Kraft eine Lösung gefunden werden könne.

Den Verdener Pflegedienst hatte der Bezirksverband vor Jahren von der Kreis-Awo übernommen. Andere Dienste dieser Art betreibt die Arbeiterwohlfahrt im Bezirk Hannover nicht. „Wir haben nur noch einen sozial-psychiatrischen Dienst im Heidekreis und eine Kindertagesstätte in Cuxhaven“, listet die Sprecherin auf. Die Situation sei in den zurückliegenden Jahren immer schwieriger geworden. „Pflegehelferinnen findet man hier und da nochmal, aber ausgebildete Kräfte gar nicht mehr“, erklärt Sabine Schmitz.

Die generalistische Pflegeausbildung sollte dem Beruf mehr Attraktivität verleihen und vielleicht auch mehr junge Leute dafür gewinnen. Für einen Effekt der reformierten Ausbildung sei es noch zu früh. Es gibt sie erst seit dem Jahresbeginn. „Aber das beobachten wir sowieso mit Skepsis“, berichtete Schmitz. „Warum sollte sich eine Pflegekraft am Ende der Ausbildung für die Altenpflege entscheiden, wenn sie im Krankenhaus oder in der psychiatrischen Pflege 500 oder 600 Euro mehr verdient?“

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