Zustimmung zu Plänen für Standort an den BBS

Konzept für Verdener Waggon

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In diesem Zustand war der Waggon vor 15 Jahren in Verden angekommen. Auch am neuen Standort sollte er eine wechselvolle Geschichte haben.

Verden - Nun soll sie endgültig zum „Verdener Waggon“ werden, die Ruine des Reichsbahn-Anhängers auf dem Gelände der BBS. Eingebettet in die Erinnerungskultur im Landkreis, teilsaniert und versehen mit einem pädagogischen Konzept soll das einstige Symbol für Verbrechen des Nationalsozialismus zum festen Ort des Gedenk-Netzwerks werden. Auf der Grundlage einer umfangreichen Vorbereitung der Arbeitsgruppe „Reichsbahnwaggon“ stellte der Kulturausschuss des Kreistags die Weichen dafür.

Als Symbol der Verschleppung von Zwangsarbeitern, der Deportation von Menschen in Lager und der Flucht war der Reichsbahn-Waggon nach Verden gekommen. Nachdem der Verein für Regionalgeschichte mehrere Begegnungen mit ehemaligen Zwangsarbeitern in Verden in die Wege geleitet hatte, war das Mahnmal vor 15 Jahren errichtet worden. Es wurde so zugleich auch zu einem Symbol der Auseinandersetzung mit der örtlichen und regionalen Geschichte und der Versöhnung mit den Opfern.

Spätestens als das Mahnmal 2007 bei einem Brandanschlag zerstört worden war, wurde mehr daraus, als ein Gedenkort an Gräuel und Folgen der NS-Zeit. Obwohl nie aufgeklärt worden ist, wer hinter dem Anschlag steckte, wurde er von einigen im Zusammenhang mit Neonazi-Aktivitäten gesehen.

Diese neue Rolle machte den Waggon schließlich zum Auslöser der kreisweiten Erinnerungskultur. Der Kreistag stieß das Netzwerk an, das Engagement für die Aufarbeitung der Geschichte des 20. Jahrhunderts bündelt und koordiniert.

Der Waggon ist so erneut zu einem Symbol geworden: „als Hinweis auf die Abwehrhaltung einiger gesellschaftlicher Gruppen gegen die lebendige Aufarbeitung der Strukturen der NS-Zeit in Deutschland“. So formuliert es die Arbeitsgruppe, die seit drei Jahren unter der Leitung von Superintendentin Elke Schölper an der Konzeption gearbeitet hat. Sie schlägt deshalb auch den neuen Namen „Verdener Waggon“ vor, berichtete AG-Mitarbeiter Pastor Wilhelm Timme dem Kulturausschuss.

Für 35 000 Euro soll die Ruine teilweise saniert und mit einer passenden Umgebung an seinem Standort bei den Berufsbildenden Schulen versehen werden. Zustimmung für die Platzierung gab es von Frank-Peter Seemann (Grüne). Damit werde dem Anschlag an dieser Stelle mit einer neuen Konzeption begegnet.

Nicht nur bauliche Vorstellungen, sondern auch das pädagogische Konzept, das der Kreistag sich gewünscht hatte, lieferte die Arbeitsgemeinschaft gleich mit. Eine Satzung für den Verein, der die Erinnerungsarbeit am Leben erhalten soll, gehörte ebenfalls zum Gesamtpaket, das Timme bei der Kreisverwaltung ablieferte. „Verdener Waggon im Netzwerk Erinnerungskultur“ soll er heißen. Aus dem Ausschuss kam breite Zustimmung und Dank für die umfangreiche Vorbereitung. Heinz Möller (SPD) freute sich, dass nach der aufregenden Entwicklung, das ganze in entspannter Atmosphäre zum Ziel geführt werden kann. Das Gremium stimmte einmütig, bei einer Enthaltung des AfD-Vertreters Frank Müller für das Vorhaben. Der Kreisausschuss wird im April endgültig darüber entscheiden.

kle

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