Neuer Verdener Rat nimmt seine Arbeit auf

Konstituierung im Schnelldurchgang

Zwei Männer mittleren Alters, der eine überreicht dem anderen Blumenstrauß, Urkunde und Medaille.
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Seit 20 Jahren gehört Jürgen Weidemann (l.) dem Stadtrat an. Dafür zeichnete ihn Lutz Brockmann mit der städtischen Verdienstmedaille aus.

Schlag auf Schlag, 25 Tagesordnungspunkte in etwas mehr als einer Stunde: Im Schnelldurchlauf absolvierte der neue Verdener Stadtrat seine konstituierende Sitzung.

Verden - Die konstituierende Sitzung des neuen Verdener Stadtrates am Dienstagabend diente vor allem dazu, den Grundstein zu legen für die Arbeit in den kommenden fünf Jahren.Ausschüsse wurden besetzt, Vorsitze und Stellvertretungen bestimmt. Delegierte für Gremien auf Kreisebene, für kommunale Spitzenverbände, für Aufsichtsräte von Einrichtungen und Institutionen wie der Aller-Weser-Klinik und die Stadtwerke gewählt.

Auch einen neuen Vorsitz benötigte der Rat. Wie erwartet, wählten die 37 Damen und Herren Wolf Hertz-Kleptow (CDU) einstimmig in dieses Amt. Ohne Gegenstimme erfolgte auch die Wahl der stellvertretenden Bürgermeisterinnen. Anja König (CDU), Claudia Wehrstedt (SPD) und Johanna König (Grüne) können künftig bei repräsentativen Anlässen für Lutz Brockmann einspringen.

Ausschüsse neu strukturiert

Mit der Besetzung der Ausschüsse stimmten die Ratsmitglieder auch zwei Neuerungen zu. Der Ausschuss für Finanzen und Vermögen heißt künftig Ausschuss für Finanzen und Klimaschutz, das Thema Sport ist nun dem Schulausschuss zugeschlagen.

Organisatorische Gründe einerseits, die Sichtbarmachung des Bereichs Klimaschutz andererseits hätten die Verwaltung bewogen, die Neuerungen vorzuschlagen, erklärte Andreas Schreiber auf Nachfrage. So gehe es darum, „viel mehr öffentlich zu machen, was wir in Sachen Klimaschutz schon bewegt haben“, betonte der Erste Stadtrat.

Ehrungen verdienter Ortsratsmitglieder

Das Tempo, dass der Rat bei seiner ersten Sitzung an den Tag legte, war dermaßen flott, dass am Ende selbst die Ehrung verdienter Ortsrats- und Ratsmitglieder der Sitzung reichlich kurz ausfiel. Und die schlechte Akustik in der Pausenhalle der Campus-Oberschule am Meldauer Berg machte den doch eigentlich besonderen Moment auch nicht feierlicher.

Eine stolze Zahl: Auf insgesamt 122 Jahre lokalpolitisches Ehrenamt in einem Ortsrat bringen es (v.l.) Werner Bredehöft, Wolf Hertz-Kleptow, Christian Vortmann und (nicht im Bild) Gerd Blome. Auch der Bürgermeister spendete für diesen Einsatz gerne Applaus.

Werner Bredehöft (Scharnhorst), Wolf Hertz-Kleptow und Christian Vortmann (beide Hönisch) sowie Gerd Blome (Eitze) bringen es gemeinsam auf 122 Jahre ehrenamtliche Arbeit in den jeweiligen Ortsräten. Und es sei eine wichtige Arbeit, betonte Hertz-Kleptow, der mahnte, diese Gremien der demokratischen Basis unbedingt zu erhalten. Bürgermeister Lutz Brockmann dankte den vier Männern für ihren ehrenamtlichen Einsatz. „Davon lebt Demokratie“, sagte er, dass Menschen wie Sie sich seit Jahrzehnten engagieren.“

Verdienstmedaille für Jürgen Weidemann

Er sei auch gerne Mitglied im Ortsrat, erklärte dann Jürgen Weidemann. Seit 15 Jahren ist der Liberale in dem Borsteler Gremium vertreten. Dass er am Dienstagabend die städtische Verdienstmedaille erhielt, ist aber der Tatsache geschuldet, dass er seit 20 Jahren Mitglied des Stadtrates ist. „Wir haben uns das ersessen“, kommentierte Weidemann ein wenig ironisch die Tatsache, dass jeder, der zwei Jahrzehnte dem Rat angehört, mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet wird.

Gefreut hat ihn die Ehrung aber doch. Auch wenn Jürgen Weidemann mit Blick auf die zurückliegenden vier Ratsperioden zugab, dass ihm die politische Arbeit in der Vergangenheit nicht nur Spaß gemacht habe. „Bei vielen Dingen hatte ich das Gefühl, da laufe ich als FDP-Mann gegen die Wand“, sagte er.

Im Markt-, im Kultur- und im Finanzausschuss saß und sitzt der „überzeugte Liberale“ für seine Fraktion. In den drei Gremien werden die Themen behandelt, die dem 69-jährigen, einem bekennenden Wochenmarkt-Fan, besonders wichtig sind.

Geht es ums Verdener Stadtsäckel, so ist Weidemann als ewiger Mahner bekannt. Nimmermüde weist er darauf hin, dass bei Neubauten auch die Folgekosten bedacht werden müssen und, dass die Gewerbesteuer, über die vieles in Verden finanziert wird, vielleicht nicht immer so reichlich sprudeln wird.

Dass der Rotstift im Sinne einer vorsichtigen Haushaltsführung aber bei der Kultur angesetzt wird, ist mit dem 69-jährigen pensionierten Lehrer nicht zu machen. Gerade dort zu sparen, „das halte ich für verkehrt“. Die Kleinstadt Verden verfüge hier über ein relativ breites Angebot. „Das haben wir nicht wegen der städtischen Kulturpolitik“, sagte Jürgen Weidemann, „sondern wegen der Menschen, die sich da engagieren. Und die gilt es zu unterstützen.“

Von Katrin Preuss

Welche Fachausschüsse? Wer hat den Vorsitz?

Vier Fachausschüsse unter dem Vorsitz eines CDU-Ratsmitgliedes, drei für die SPD und zwei für die Grünen, so ergab es das Zugriffverfahren, das sich an der Größe der jeweiligen Fraktionen orientiert. Auch die FDP hätte einen Ausschussvorsitz für sich beanspruchen können. Die Liberalen, die mit vier Mitgliedern die kleinste Fraktion stellen, verzichteten jedoch zugunsten der CDU. Das Ergebnis der Zuteilung:

Ausschuss für Finanzen und Klimaschutz: Vorsitzender Wolf Hertz-Kleptow (CDU), Stellvertreter Umut Ünlü (SPD); Ausschuss für Jugend und Soziales: Antje Engel (SPD), Imke Burhop (CDU); Ausschuss für Straßen und Stadtgrün: Johanna König (Grüne), Imke Burhop (CDU); Ausschuss für Stadtentwicklung: Frank Medenwald (CDU), Michael Otten (SPD); Ausschuss für Schule und Sport: Umut Ünlü (SPD), Anja König (CDU); Feuerschutzausschuss: Jens Richter (CDU), Carsten Hauschild (SPD); Betriebsausschuss: Jens Richter (CDU), Rasmus Grobe (Grüne); Ausschuss für Sicherheit, Ordnung und Marktwesen: Carsten Hauschild (SPD), Frank Medenwald (CDU); Kulturausschuss: Sven Ommen (Grüne), Jürgen Weidemann (FDP).

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