Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung zeigt bauen mit Strohballen

Kompression und Stabilität

Maßarbeit: Die Fenster werden eingepasst.

Verden - Von der Grundsteinlegung spricht der Fachmann eher weniger, dennoch muss auch beim Bau eines Strohballengebäudes alles genau durchgeplant werden.

Wie es geht, theoretische und praktische Grundlagen, lernen zehn Teilnehmer eines Seminars bei der Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung (BiWeNa). Und der Lehrgang hat es in sich: „Strohbau für Profis“, so BiWeNa-Vorstand Rasmus Grobe. Das Angebot findet in Kooperation mit dem Fachverband Strohballenbau Deutschland (FASBA) statt. Die Weiterbildung beginnt gleich mit einer praktischen Übung: In drei Gruppen bauen die Handwerker jeweils eine kleine Schutzhütte. „Neben guten Baustrohballen ist vor allem Kompression, sprich eine gute Verdichtung wichtig“, weiß Grobe. „Nur so bekommt das Gebäude die notwendige Stabilität.“

Die Auswertung der Übung geht dann in „Straw Talks“ über: Eifrig wurden Notizen geschrieben, die später helfen können. Welche Getreidearten eignen sich für den Bau? Wie wird aus Stroh ein Ballen, der sich gut verbauen lässt? „Ein weiterer Punkt ist die praktische Übung zur Konfektionierung der Ballen: Wie bringt man sie einerseits so in Form, dass beim Einbau keine Lücken entstehen und wie kann man sie andererseits teilen, um halbe Ballen herzustellen“, erklärt Grobe. Viel Wert wird zudem auf die Sicherheitseinweisung gelegt.

Ziel der Weiterbildung ist die Qualifizierung für ökologischen Hausbau. Knapp zwei Wochen dauert der erste Block des FASBA-Lehrgangs. „Es ist die umfangreichste Ausbildung in Deutschland und soll den Teilnehmern in Zukunft auch die Anerkennung bei der Handwerkskammer ermöglichen“, so Grobe.

Die Teilnehmenden kommen aus ganz Deutschland, zwei sogar aus der Schweiz und Südtirol, und stammen aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Zimmerer, Maurer, Ofenbauer, Gärtner und eine Architektin sind dabei. Ihre Beweggründe sind unterschiedlich: von der Erweiterung des eigenen handwerklichen Portfolios bis hin zur Planung vom Bau eines eigenen Hauses.

Neben Seminarleiter Dittmar Hecken führen mehrere Fachreferenten und Ausbilder durch den Kurs. Der größte Teil der insgesamt 200-stündigen Weiterbildung findet in der Seminar- und Praxis-Halle 57 des Norddeutschen Zentrums für Nachhaltiges Bauen statt, da es neben den theoretischen Grundlagen überwiegend um praktische Erfahrungen geht: „Strohbau ist vor allem zum Anfassen“, so Grobe.

Kern des Kurses ist der Bau von Modulen, also die Herstellung von Wandelementen: Von der Fertigung der Holzrahmen, über den Einbau der Strohballen, einerseits im „stehenden Einbau“, wie dies auch auf einer Baustelle erfolgt und andererseits im „liegenden Einbau“, wie dies bei einer Vorfertigung erfolgt. Auch das Verputzen der gedämmten Elemente gehört dazu. Davor mussten die Teilnehmenden aber die Putzträger aus Schilfrohr und Holzweichfaser aufbringen, und die Oberfläche „rasieren“. Wandheizung und Elektrokabel wurden fachgerecht verlegt.

Neben der vielen praktischen Arbeit gibt es im Wechsel auch immer wieder theoretische Einschübe: Architektin Friederike Fuchs führte in die Grundlagen des Strohbaus und in die Kalkulation von Preisen ein, Architekt und FASBA-Vorstand Dirk Scharmer vermittelte biophysikalische Grundlagen: Wärme, Feuchte, Brandschutz, Schallschutz und Baurecht – mit praktischen Anwendungen zur Baustoffausweisung von Strohballen.

Frank Brockmann von der Firma Pro Clima erläuterte wie Fenster richtig eingebaut werden, vor allem, wie dabei die Luft- und die Winddichtigkeit hergestellt werden. Im Anschluss konnten die Teilnehmenden die Theorie gleich in die Praxis umsetzen.

Immer wieder gibt es Planungsgespräche: In Dreiergruppen werden Details eines Strohballenhauses entworfen: Fundament, Fenster, Decke, Dach und eine Wandecke, die dann von den Referenten mit der ganzen Gruppe besprochen werden.

Den Abschluss der zwei Wochen bildet das Aufbringen des Unterputzes auf die Wände – zunächst auf der Innenseite mit einem Lehmputz, dann auf der Außenseite mit einem Kalkputz. Unter fachkundiger Anleitung von Dittmar Hecken und Lehmbauer und FASBA-Vorstand Michael Fischer machten sich die „Azubis“ ans Werk.

Und richtig gebaut wird auch: Die im Rahmen des Kurses erstellten Wandelemente sollen später in ein Schulungsgebäude des Imkervereins Verden eingebaut werden.

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