Internationaler Hebammentag am 5. Mai: Versorgungslage im Landkreis relativ gut

Kompetente Begleitung für eine gesunde Schwangerschaft

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Ein Teil der etwa 25 Hebammen aus dem Landkreis Verden beim Treffen der Kreisvorsitzenden Valentina Gross (3.v.l.) in Langwedel, rechts davon: Sabine Krauss-Lembcke und Susann Horn.

Landkreis - Von Lisa Duncan. Es ist eigentlich ein Grund zur Freude, wenn ein positiver Schwangerschaftstest den Kinderwunsch in greifbare Nähe rücken lässt. Nun gilt es, sich auf den kommenden Lebensabschnitt vorzubereiten. Was geschieht als nächstes?

„Die Mehrheit der werdenden Mütter geht zum Arzt“, sagt die Hebamme Sabine Krauss-Lembcke. Das sei vielfach nicht notwendig, denn auch Hebammen könnten eine gesunde Schwangerschaft kompetent begleiten. Und im Landkreis Verden sei die Versorgungslage derzeit noch relativ gut. Darauf weist die Verdenerin anlässlich des Internationalen Hebammentages am 5. Mai hin. Er wird seit 1991 in über 50 Ländern begangen, um auf die Bedeutung der Hebammen für die Gesellschaft hinzuweisen.

Im Landkreis Verden gibt es etwa 25 Hebammen, die in Teilzeit oder freiberuflich tätig sind.

Etwa 25 Hebammen gibt es im Landkreis Verden, die überwiegend freiberuflich und in Teilzeit tätig sind. Krauss-Lembcke erzählt, sie werde häufig angesprochen: „Gibt’s euch eigentlich noch?“ In der Tat hat sich der Beruf verändert. Die hohen Versicherungssummen, die freiberufliche Hebammen für Hausgeburten zahlen müssen, hätten unter anderem einen Wandel bewirkt: Hausgeburten würden kaum noch praktiziert. Nichtsdestotrotz üben viele Hebammen ihren Beruf noch immer mit Freude aus und erleben ihn als vielfältig. So lautete jedenfalls der Tenor des jüngsten Treffens bei der Kreisvorsitzenden des Hebammenverbands, Valentina Gross in Langwedel. Viermal jährlich tauschen sie sich dort über berufspolitische, fachliche und kollegiale Themen aus. „Es geht uns in erster Linie um die gute Zusammenarbeit zum Wohle der jungen Familien“, so Krauss-Lembcke.

So leisten Hebammen immer noch alles, was die Betreuung rund um die Schwangerschaft erfordert: Geburtsvorbereitungskurse, aufsuchende Wochenbett-Betreuungen, Stillberatung und Rückbildungsgymnastik-Kurse. Das meiste aus diesem Leistungsspektrum findet im häuslichen Bereich, also dem vertrauten Umfeld der Frauen, statt.

In welchem Umfang werdende Mütter die Hilfe wahrnehmen möchten, darüber haben sie die freie Wahl – sofern sie sich früh genug anmelden. Sabine Krauss-Lembcke empfiehlt, spätestens bis zur 16. Schwangerschaftswoche Kontakt zu einer Hebamme aufzunehmen.

Was viele nicht wissen: Hebammen unterstützen auch bei Beschwerden, die im Zuge einer Schwangerschaft auftreten können, etwa Übelkeit, Rückenschmerzen, Anpassungsbeschwerden, geben Ernährungsberatung und führen Vorsorgeuntersuchungen (zum Beispiel für den Mutterpass, der die Schwangerschaft lückenlos dokumentieren soll) durch.

Insofern übernehmen sie viele Aufgaben, die man sonst einem Arzt zuschreibt, aber mit einem positiven Ansatz: „Es geht darum, Bedingungen zu schaffen, die zu einer gesunden Geburt führen.“ Denn eine Schwangerschaft sei keine Krankheit, warnt Krauss-Lembcke vor der Pathologisierung dieses natürlichen Lebensprozesses.

Erst kürzlich habe eine Studie der Bertelsmann-Stiftung nachgewiesen, dass oftmals eine Überversorgung völlig gesunder Schwangerer stattfinde. Eine völlig normale Schwangerschaft beinhalte heute bis zu 15 ärztliche Untersuchungen. Der Angst, dass bei der Schwangerschaft etwas schief gehen könnte, werde vielfach mit verstärkter Kontrolle begegnet. Ein Perfektionsdruck, der sich auch negativ auf die Kinder übertragen könne.

Frauen entscheiden sich heute zudem immer später für ein Kind, zeigt die eigene Erfahrung aus der Verdener Hebammenpraxis. Krauss-Lembcke geht davon aus, dass rund die Hälfte erst mit 33 Jahren zum ersten Mal Mutter wird.

Auch der Anteil der Frauen, die ihr Kind mittels Kaiserschnitt zur Welt bringen, sei relativ hoch. Dabei steige das Risiko, dass Kinder später an Allergien, Asthma oder Diabetes erkranken, durch einen Kaiserschnitt um 50 Prozent. Warum wird es dennoch so häufig praktiziert? „Geburten werden im Krankenhaus oft zu früh eingeleitet, geburtsfördernde Mittel und folglich auch Schmerzmittel gegeben. Hätte man hingegen abgewartet, wäre das vielleicht nicht nötig gewesen“, so Sabine Krauss-Lembcke. Eine Rolle spielten auch die stark verkürzten Liegezeiten in den Krankenhäusern. Wo bis in die 80er-Jahre hinein noch zehn Tage üblich waren, sind es heute 48 bis 72 Stunden.

Der Beratungsbedarf sei auch im Bezug auf die täglichen Abläufe mit Kind gestiegen, fügt Susann Horn hinzu: „Früher konnte man noch auf die ältere Generation in der Familie zurückgreifen. Heute sind viele 'Omas' berufstätig oder wohnen nicht im selben Ort.“

Mit der Suchmaschine des Hebammenverbands können werdende Eltern schnell eine Hebamme in ihrer Nähe finden.

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