Kommentar zur Kinderbetreuung in Verden

War uns die DDR meilenweit voraus?

Von Volkmar Koy. Außerhäusliche Kleinkinderbetreuung, die vor 30,40 Jahren in der DDR weit verbreitet war, galt in großen Teilen der alten Bundesrepublik als das Schreckensbild schlechthin. Krippen standen stellvertretend für vieles, was an der sozialistischen so genannten DDR als verdächtig angesehen wurde: für die Einmischung des Staates in das Privatleben seiner Bürger. Wie anders ist das Bild heute – 25 Jahre nach dem Mauerfall: Inzwischen wird deutschlandweit fast jedes dritte Kind unter drei Jahren außerhäuslich betreut.

So natürlich auch in Verden, mit absolut steigender Tendenz. Die Bedeutung der Kita als vorschulische Bildungseinrichtung ist unbestritten. Das erfordert entsprechendes Personal und auch Haushaltsmittel. Die Millionen rollen. In der jüngsten Fachausschusssitzung im Rathaus zu diesem Thema begannen die Augen von Kämmerer Schreiber leicht an zu rotieren. Könnte durchaus sein, dass die Pupillen in einigen Jahren leicht glasig werden. Verden hat vermutlich bundesweit den höchsten Kita-Standard. Das Beste ist gerade gut genug.

Volkmar Koy.

Der Kämmerer wird also demnächst sein Portemonnaie zücken müssen. Oder andere freiwillige Leistungen müssen zugunsten der Kinder gestrichen werden. Es gibt natürlich die Möglichkeit, auch die Eltern an den städtischen Leistungen über die Gebühren in angemessener Form zu beteiligen. Das will aber niemand. Standards zurückfahren? Auch nicht. Familienstrukturen ändern? Geht angesichts der vielen Alleinerziehenden ebenfalls nicht.

Geradezu abenteuerlich wird es allerdings, wenn Eltern den Mund nicht voll genug bekommen und zu Weihnachten ein Ferienpassprogramm einfordern. Da lässt sich schon die Frage stellen: Wo sind wir hier eigentlich? Glauben einige, der Kämmerer sitzt auf dem Geldbeutel von Onkel Dagobert? Weit gefehlt. Manche Eltern scheinen sowieso der Meinung zu sein, die Notwendigkeit früher Bildungserfahrungen ihren Kindern Zuhause vorenthalten zu müssen. Der Steuerzahler wird das schon richten. So etwas gehört in die Blaupause von Sozialstaat-Romantikern. Oder irgendwer erklärt den Kindern von heute, wie Schuldenberge von morgen entstehen. Am besten schon in der Kita.

Zum Thema: Kita-Kosten in Verden steigen rasant

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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