Die Mittwoch-Kolumne zu "Fußgänger-Ampeln"

Rotlicht: Wenn’s mal länger dauert…

Von Rolf Zepp. Fußgänger-Ampeln werden immer populärer. Sie sind regelrecht „Talk-in-town“. In Berlin spricht man gerade über die vierte Ampelfarbe. Hellgrün. Allerdings gilt sie zunächst nur, um Berliner Politikern mehr sichtbare Hoffnung zu geben, ihren Maßnahmenplan erfolgreich abzuarbeiten.

Seit Conchita Wurst spricht man nicht nur in Wien über die Ampel-Pärchen mit Herz und bei uns eigentlich schon gar nicht mehr über die Ostampelmännchen, die in den Neunzigern mal zum Sinnbild der Ostalgie wurden. Eher hofft man bei uns bald schon wieder auf Ampelbündnisse oder Ampelkoalitionen. Egal, aktuell verlagert sich sowieso die Blickrichtung in Sachen Ampel-Popularität. Stehend in der Rotphase, Gehend in der Grünphase (in Taiwan sogar animiert Laufend) interessiert heute nur am Rande. Stattdessen rückt das Interesse vom Ampel-Kopf runter auf den Ampel-Knopf. Also auf das, was sich in Hüfthöhe des Fußgängers am Ampelmast abspielt: nämlich am Ampel-Buzzer. Zu Deutsch: am Signal-Anforderungstaster, der es uns Fußgängern bei aufgelegter Handfläche ermöglicht, für ein sicheres Überqueren der Straße Grün anzufordern.

Glückt i Winter allerdings nur dann, wenn man die Handschuhe dafür auszieht. Und dennoch wissen wir: bis so eine Fußgänger-Ampel endlich auf Grün schaltet… …das kann schon mal dauern. Und dauern. Bis Ungeduld, ja Langeweile aufkommt. Da bleibt die vehemente Forderung, was sag ich, die Gier nach abwechslungsreichem Entertainment an der roten Fußgängerampel nicht aus. Und prompt gibt es die Lösung dafür aus dem innovativen Hildesheim: der smarte Drücker. Sorry, kein Mensch! Vielmehr ein ziemlich intelligenter ‘Touchscreen‘, der endloses Warten an Fußgängerüberwegen in ein unterhaltsames Erlebnis wandelt. Stellen Sie sich vor, sie stehen in Verden an der Mega-Kreuzung Lindhooper Straße, Höhe Stadion. Sie drücken die Taste und die Ampel bietet ihnen an, ihre Wartezeit mit zum Beispiel einer Verkehrserziehungs-App (!), mit Lokalnachrichten oder auch mit Schweinebauchanzeigen zu vertreiben.

Die Kür allen Wartens ist allerdings ein kleines, interaktives Spiel mit dem ‚Leidensgenossen‘ vis-a-vis auf der anderen Straßenseite. Echt wahr! Dafür haben Beide einen Bildschirm in der Drücker-Taste. Ich sage Ihnen, wenn SIE das Spiel gewinnen, gewinnen Sie eine Fahrt zum weltweit ersten installierten Prototyp. Und zwar ins ausgesprochen kurzweilige, höchst unterhaltsame Hildesheim. Dafür lege ich doch glatt meine Hand auf den Ampel-Taster…

… an diesem Mittwoch.

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