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Landkreis Verden: Bislang knapp 1 500 Ukrainer erfasst

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Von: Katrin Preuß

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Aktuell werden im Landkreis Verden zwei Sammelunterkünfte genutzt. Die Tennishalle in Ottersberg ist seit Wochen bezugsbereit, aber leer.
Aktuell werden im Landkreis Verden zwei Sammelunterkünfte genutzt. Die Tennishalle in Ottersberg ist seit Wochen bezugsbereit, aber leer. © Holthusen

Im Sozial- und Gesundheitsausschuss gab es aktuelle Zahlen zu Geflüchteten aus der Ukraine. Dabei wurde deutlich: Arbeit macht vor allem die Bürokratie. 

Landkreis – 122 000 Menschen, die um Asyl nachsuchen, muss das Land Niedersachsen laut Asylgesetz in diesem Jahr aufnehmen. Das bedeutet für den Landkreis Verden, dass er 2 287 Menschen Obhut geben muss. Nach den Zahlen, die Fachdienstleiterin Ines Niehaus dem Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreises vorlegte, ist diese Pflicht jetzt, vor Jahresmitte, bereits zu drei Vierteln erfüllt.

Der Grund dafür ist 1 600 Kilometer weiter östlich zu finden. Seit Kriegsausbruch sind 1 448 Menschen aus der Ukraine in den Landkreis gekommen, in der Hauptsache Frauen und Kinder. Und ist der Zustrom in den vergangenen Wochen auch geringer, unregelmäßiger geworden, abgerissen ist er nicht.

So seien vergangene Woche 25 weitere Geflüchtete angekommen, für gestern erwartete Ines Niehaus noch einmal dieselbe Anzahl Menschen.

Die wenigstens sind derzeit von der Kreisverwaltung untergebracht worden. 50 leben in Wohnungen, die die Behörde angemietet hat, 192 leben in einer der Sammelunterkünfte.

Die unterhält der Landkreis zurzeit in zwei Sporthallen, der Schule am Lindhoop in Kirchlinteln und der BBS in Verden. Zudem ist die Tennishalle in Ottersberg seit zwei Monaten bezugsfertig. Hier ist Platz für bis zu 120 Menschen. Benötigt wird sie zurzeit nicht, aber ein Rückbau der 20 errichteten Boxen ist dennoch keine Option. „Wir beobachten das permanent.“ Doch „was eventuell noch kommt, kann ich nicht sagen“, verdeutlichte Neuhaus die Nicht-Planbarkeit der Lage.

Mit der hatte in den zurückliegenden Monaten auch der Fachdienst Arbeit zu kämpfen. Ukrainer, die finanzielle Unterstützung benötigten, fielen zunächst unter das Asylbewerberleistungsgesetz und damit in die Zuständigkeit des Sozialamtes. Dort waren dann auch die entsprechenden Anträge zu stellen.

Dann bewertete der Bund die Situation der Geflüchteten neu und beschloss einen sogenannten Rechtskreiswechsel. Seit dem 1. Juni erhalten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine Leistungen nach dem SGB II (Hartz IV), zu beantragen beim Fachdienst Arbeit.

„Vor vier Wochen hätten Sie mich hier nicht so ruhig sitzen sehen“, erklärte der stellvertretende Fachdienstleiter Jan-Hendrik Schäfer, als er dem Ausschuss von dem enormen Arbeitsaufwand berichtete, der mit diesem Wechsel verbunden war und ist. „Wir mussten alle Fälle neu erfassen“, sagte er. Es galt, die Daten von 1 200 Personen in 500 Bedarfsgemeinschaften aufzunehmen.

Dazu hatte der Fachdienst die Betroffenen schon angeschrieben, lange bevor der Bund seinen Beschluss im Amtsblatt veröffentlichte. Dennoch seien die Mitarbeiter noch immer mit dem Sichten oder auch Anfordern von Unterlagen beschäftigt, um die Leistungen berechnen zu können.

Wechsel des Rechtskreises hin zu Hartz IV

Zwischenzeitlich, so Schäfer, habe sich zwar herausgestellt, dass für den Wechsel des Rechtskreises doch kein erneuter Antrag nötig gewesen wäre. Der Arbeitsaufwand schrumpfte aber nicht. „Wir brauchen ganz andere Informationen“, so der stellvertretende Fachdienstleiter, „zum Beispiel zur Erwerbsfähigkeit.“ Denn wer SGB-II-Leistungen bezieht, wird als arbeitssuchend geführt.

„Ich glaube schon, dass Potenzial da ist“, wagte Schäfer eine erste vorsichtige Bewertung dieser Erwerbsfähigkeit. Bei den Geflüchteten handele es sich aber vor allem um Frauen und ihre Kinder. Neben sprachlichen Barrieren bilde so die Frage der Betreuung eine Hürde, wenn es um die Aufnahme einer Arbeit gehe.

Dennoch seien die ersten Ukrainer hier bereits in Lohn und Brot. Dabei handele es sich aber meistens um Aushilfstätigkeiten. Er sei über jeden froh, der aus der Förderung herausfalle, sagte Schäfer. Der Fachdienst übe hier jedoch keinen Druck aus. „Erst einmal ankommen lassen“, lautet die Devise.

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