Für ein Klima der Demokratie

Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus hat ihre Arbeit aufgenommen

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Die Mobile Beratung stellt auch Kontakte zu Aussteigerprogrammen her.

Verden - „Menschenfeindliche Äußerungen und Handlungen in der Gesellschaft gefährden die Demokratie“, heißt es auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Um nun zivilgesellschaftliches Engagement von Initiativen und Vereinen, die sich für Demokratie und gegen Menschenfeindlichkeit einsetzen, zu unterstützen, wurde zum 1. Januar 2015 das Programm „Demokratie leben!“ gestartet.

Aus dessen Mitteln wird seit März auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus, für Demokratie finanziert. Die dazugehörige Stelle wurde mit dem Politikwissenschaftler Marc Brandstetter besetzt. Und der hat nun ein weites Feld zu beackern, sowohl thematisch als auch räumlich.

Büro in Verden, das Einsatzgebiet umfasst aber 13 Landkreise

Sein Büro hat Brandstetter zwar in der Koordinierungsstelle von Wabe in Verden. Beim Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage am Holzmarkt wird der 38-jährige Hamburger aber die wenigste Zeit anzutreffen sein. Denn sein Einsatzgebiet umfasst 13 Landkreise, reicht von Cuxhaven bis Schaumburg und von Osterholz bis Lüchow-Dannenberg.

Nicht weniger klein ist das Handlungsfeld von Marc Brandstetter. „Ich bin Ansprechpartner bei Fragen zum Rechtsextremismus“, fasst er es zusammen, um sogleich Beispiele zu nennen: Die Kreisvolkshochschule, die einen Vortrag zum Thema anbieten möchte, kann sich ebenso an ihn wenden wie das Elternpaar, dessen Kind auf einmal Musik mit rassistischen Texten hört, die Schule, die rechtsextreme Schmierereien entdeckt oder die Kommune, die sich plötzlich mit einem Aufmarsch von Neonazis konfrontiert sieht. Dann gelte es, „vor Ort ein Klima der Demokratie zu schaffen, das Neonazis nicht einlädt, wieder zu kommen“, formuliert es Brandstetter.

„Manchmal reicht es auch schon zuzuhören“

Beraten und gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen zu suchen, das sieht der Politologe als seine Kernaufgaben an. „Manchmal reicht es auch schon zuzuhören oder weiterzuvermitteln, beispielsweise an Aussteigerprogramme“, sagt Brandstetter. Grundsätzlich sei seine Arbeit kostenlos, aufsuchend und vertraulich.

Mit dem Thema Rechtsextremismus befasst sich der gebürtige Saarländer schon viele Jahre. Aufgewachsen sei er auf dem Lande, sagt er. Als dort in der Dorfdisco eine Clique Neonazis versuchte, sich breitzumachen, habe dies bei ihm das Interesse geweckt, hinter die braune Fassade zu gucken.

Später dann, für seine Dissertation über die NPD, habe er zahlreiche Interviews mit ihren Vertretern geführt und sogar als Gast an einem NPD-Bundesparteitag teilnehmen können. „Ich war da schon ziemlich dicht dran“, sagt er, um gleich darauf einzuwenden: „Aber die wollen ja Aufmerksamkeit.“

Global feststellbarer Rechtsruck

Dass die rechts- beziehungsweise rückwärtsgewandte Politik gegenwärtig einen Zulauf erfahre, begründet Brandstetter mit der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich. „Der Aufschwung kommt nicht bei den Menschen im Geldbeutel an.“ Gleichzeitig fürchteten sich Bessergestellte vor dem sozialen Abstieg. Da kämen die Populisten mit ihren einfachen Antworten auf komplizierte Fragen gerade recht.

„Mein Eindruck ist, dass Pegida einen Schalter umgelegt hat.“ Fremdfeindliches, das früher nur gedacht worden sei, werde nun öffentlich geäußert. Dieser Rechtsruck sei global feststellbar, sagt Brandstetter. Er wolle mit der Beratung dazu beitragen, „dass es nicht noch weiter in die Richtung geht“. Letzlich, so fügt er hinzu, sei dies aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

kp

Kontaktmöglichkeiten

Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie, Holzmarkt 15, 27283 Verden,

Mobil 0152/21359011,

Telefon 04231/676222,

E-Mail rex@wabe-info.de.

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