Klettern für die Seele

Kinder aus Tschernobyl zu Gast im Kletterpark Verden

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Bereit zum Kraxeln: Perfekt ausgerüstet und gut gelaunt warten diese beiden Hochseilartisten auf ihren Einsatz.

Verden - Seit dem schweren Reaktorunfall im Atomkraftwerk Tschernobyl (Weißrussland) sind inzwischen 31 Jahre vergangen, doch die Folgen dieses Unglücks wirken noch immer nach. Dass das Ereignis nicht in Vergessenheit gerät, dafür sorgt unter anderem der Kirchenkreis Syke-Hoya im Zuge der Aktion „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“ der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.

18 weißrussische Kinder sind derzeit zu Gast und wagen sich zusammen mit zwei Betreuerinnen und einigen Ehrenamtlichen in die Baumkronen des Kletterparks Verden.

Erfolgreiches Ausfechten innerer Kämpfe

Gut gesichert und äußerst konzentriert hangeln sich die 8- bis 13-Jährigen gestern Vormittag durch die Kletterlandschaft und versuchen dabei ihre Ängste zu überwinden. Für manche scheint es keinerlei Problem zu sein, über wackelige Brücken zu balancieren und furchtlos mit der Seilbahn von einem Baum zum nächsten zu schwingen. Andere benötigen bei fast jedem Schritt die mentale sowie lautstarke Unterstützung ihrer muttersprachlichen Betreuerinnen und müssen wahrhaftig innere Kämpfe ausfechten. „Es ist schön zu sehen, wie jeder Einzelne Fortschritte macht und sich von Minute zu Minute mehr zutraut“, freut sich Katja Bergholz, eine der freiwilligen Betreuerinnen vor Ort.

Hier ist Vorsicht geboten: Dass die Fortbewegung mehrere Meter über dem Erdboden kein Kinderspiel ist, sieht man an dem angespannten Gesichtsausdruck dieser Teilnehmerin.

Seit gut einer Woche sind die Kinder in Deutschland und dank großer Einsatzbereitschaft von Ehrenamtlichen, Spendern und Sponsoren bekommen sie ein buntes Potpourri der Möglichkeiten geboten: Erlebnispädagogik im Wald, ein Besuch des Serengeti-Parks, aber auch die Zubereitung von weißrussischen Köstlichkeiten zusammen mit den Landfrauen stehen noch auf der Tagesordnung.

Zu einem Teil wohnen die Heranwachsenden zu zweit in Gastfamilien, zum anderen im Jugendlandheim in Wöpse. „Wir finanzieren uns komplett über Spenden. Ohne die vielen helfenden Hände könnten wir dieses umfangreiche Programm gar nicht aufrechterhalten“, erläutert Bergholz während sie aufmerksam die Kletterkünste der Kinder beobachtet.

Die Sprache ist kein Hindernis

Wäsche waschen, Mahlzeiten zubereiten und, auf die kleinen und größeren Probleme der 18 aus sozial-benachteiligten Verhältnissen stammenden Sprösslinge, einzugehen, sind nebst der logistischen Koordinierung die Hauptaufgaben der Betreuer. Für beinahe jede Unternehmung werden mindestens fünf Autos benötigt.

Trotz oder gerade wegen der nicht ganz einfachen Vorbereitung, die bereits knapp ein Jahr im Voraus beginnt, sind alle Beteiligten mit viel Freude und Herz bei der Sache. Seit ihrer Ankunft haben sich die jungen Gäste jeden Tag ein bisschen mehr mit der neuen Umgebung und Sprache angefreundet, was man auch während des Ausflugs in den Kletterpark gut beobachten kann: Hände, Füße und Mimik werden zu Hilfe genommen, wenn gerade einmal keine Betreuerin in der Nähe ist. Zwar haben die Kinder teilweise Deutsch in der Schule gehabt, sind bei der Anwendung der Sprache aber noch etwas gehemmt.

Weil momentan Sommerferien sind, viele Familien verreisen und jegliche Vereine in dieser Zeit etwas weniger aktiv sind, kommt der Kontakt zu gleichaltrigen deutschen Kindern etwas zu kurz. Dass sie sich in Verden und Umgebung dennoch sehr wohlfühlen, dokumentiert eine Aussage eines jungen Teilnehmers bei der Betrachtung der ländlichen, naturbehafteten Umgebung: „Es ist total schön hier.“ 

ntr

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