Playmobil-Sammler Oliver Schaffer erzählt ab morgen im DPM „Pferdegeschichten“

Kleine Figuren – große Schau

Playmobil, wohin man schaut. Die neue Sonderauststellung im Deutschen Pferdemuseum (DPM) befasst sich – natürlich – mit edlen Rössern und ihren teils prominenten Reitern. - Foto: Niemann

Verden - Die wollen nicht bloß spielen: Im Deutschen Pferdemuseum (DPM)in Verden wird morgen, am Sonntag, um 14 Uhr, die große Familienausstellung„Playmobil-Pferdegeschichten. Sammlung Oliver Schaffer“ eröffnet. Nach Themen gestaltete Dioramen erzählen unzählige Geschichten rund ums Pferd. Die kleinen Welten hat Schaffer aus seinem riesigen Fundus an Playmobilfiguren kreativ und mit großer Liebe zum Detail gestaltet.

Zugegeben, ein bisschen verrückt ist das schon. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn sich ein 37-jähriger Mann wochenlang in den Ausstellungsraum des Museums zurückzieht, um dort bis zu 14 Stunden täglich Figürchen an Figürchen zu setzen und um das ganze Drumherum unter Verwendung unterschiedlichsten Deko-Materials möglichst naturgetreu zu gestalten?

Insgesamt sind acht Schaubilder mit Bezügen zum Pferd zu sehen. Und ob Zirkus, Tierarztklinik, Eispalast, Wilder Westen oder Fantasielandschaft: Alle hat der Hamburger mit unzähligen liebevollen Details gespickt. Authentizität spielt dabei keine große Rolle. Viel wichtiger ist ihm, dass in jedem Diorama eine möglichst große Anzahl an Geschichten steckt, die von den Besuchern entdeckt werden und deren Fantasie sie beflügeln sollen.

Beim gestern im Stuckraum des Museums geführten Pressegespräch vergleicht er sein Tun mit dem eines Malers. „Das zunächst noch leere, graue Podest ist die Leinwand und die Figuren die Farbe“, sagt er. Die filigranen Plastikfiguren hat Zirkusfan Schaffer schon als Kind geliebt. „1981 lagen die ersten unterm Weihnachtsbaum: ein Schäfer- und ein Zooset und ein Raubtierwagen“, erinnert er sich.

Schon damals habe er nicht nur mit den Figuren gespielt, sondern sich mit ihrer Hilfe eine fantastische Welt erschaffen. „Mein Vater hatte mir sogar ein richtiges Chapiteau gebaut und ich war derjenige, der mit den Figürchen das Geschehen im Zirkus Oliver-Romani dirigierte.“ Bedauerlich findet er bloß, dass sein Vater bei den 90-minütigen Vorstellungen regelmäßig eingeschlafen ist. „Meine Mutter hat aber durchgehalten und außerdem auf der Schreibmaschine meine Programmhefte getippt“, sagt er lachend.

Mit der Pubertät verliert Schaffer die Leidenschaft für Playmobil. Die Sammlung wandert in Kartons – ordentlich beschriftet – auf den Dachboden und Schaffer konzentriert sich nach dem Abitur auf die eigene Bühnenkarriere. Er besucht die Hamburger „Stage School of Music, Dance and Drama“ und wird Musicaldarsteller.

Die Ära Playmobil scheint vergessen, als ihn 2003 ein Anruf aus der Firmenzentrale von Playmobil erreichte, in deren Archiv ein Brief schlummerte, den Schaffer bereits als Junge geschrieben hatte. „Zum 30-jährigen Bestehen von Playmobil fand eine Jubiläumsausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer statt. Man erinnerte sich meiner großen Zirkussammlung, die dann erstmals öffentlich gezeigt wurde. Ja, und seitdem bin ich zum zweiten Mal vom Playmobil-Virus infiziert“, resümiert Schaffer, der inzwischen hauptberuflich im Castingbereich für die Flotte der Aida-Kreuzfahrtschiffe arbeitet.

20 Ausstellungen hat er seither gestaltet, der prominenteste Ort war sicherlich das Pariser Musée des Arts décoratifs im Westflügel des Louvre. Wie viele Figuren – für die Schätze hat er eigens eine Lagerhalle angemietet – er besitzt, weiß Schaffer nicht. „Ich hatte bislang nicht die Zeit, sie alle zu zählen.“

Fakt ist, dass er in den vergangenen zehn Jahren rund 100 000 Euro in die Playmobilsammlung investiert hat und er heute den bundesweit größten Schaubestand besitzt. Schaffer: „Ich kenne durchaus Sammler, die mehr Figuren besitzen.“

Vom Konzept Playmobil ist der Hamburger übrigens überzeugt. „Das Spielzeug spricht alle an. Es ist positiv besetzt, da Krieg und Gewalt nicht vorkommen.“

Umrahmt wird die Ausstellung von einem bunten Veranstaltungsreigen aus Themen- und Familientagen, speziellen Führungen und Wissenswertem auch über die Firmengeschichte von Playmobil.

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