Klaus Modick liest bei Heine aus seinem Roman „Konzert ohne Dichter“

Eine zerbrochene Freundschaft und ein Bild

Klaus Modick las in der Buchhandlung Heine aus seinem neuen Künstlerroman.
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Klaus Modick las in der Buchhandlung Heine aus seinem neuen Künstlerroman.

Verden - Ein volles Haus gab es am Dienstag beim Literaturabend in der Buchhandlung Heine. Der Schriftsteller Klaus Modick las aus seinem neuen Künstlerroman „Konzert ohne Dichter“. Der Roman spielt um das Jahr 1900 in der legendären Künstlerkolonie Worpswede, deren Mittelpunkt der Maler, Architekt, Designer und Schriftsteller Heinrich Vogeler damals ist. Im Fokus der Handlung steht die komplizierte Freundschaft zwischen Vogeler und Rainer Maria Rilke, die schließlich zerbricht.

Bildnerisch verarbeitet Vogeler dieses in seinem berühmten Gemälde „Der Sommerabend oder Das Konzert“. Es zeigt die Worpsweder Runde vor Vogelers Wohnhaus, dem Barkenhoff. Dort, wo eigentlich Rilke sitzen sollte, ist ein leerer Stuhl.

Anschaulich und mit viel Liebe zum Detail schildert Modick das Leben in der Künstlerkolonie. Als Quellen benutzte er Tagebücher, Briefe und Biografien. Um die Stimmung zu verstehen, ist er auch selbst nach Worpswede gefahren. Das zeigt sich in der Beschreibung der Landschaft: das Violett der Heide, das in der Dämmerung zu Samt wird, die Lichtschatten des Mondes, die wie mattes Silber wirken, oder die Bäume, die wie das Tor zu einer anderen Welt erscheinen.

Rilke kommt auf Einladung Vogelers im Sommer des Jahres 1900 nach Worpswede. Die beiden Männer, die sich in Florenz kennen lernten, verbindet eine tiefe Freundschaft. Für Vogeler ist Rilke ein „Seelenverwandter“ und „Bruder im Geist“.

Man trifft sich oft im Barkenhoff. Zwischen Rilke und der Bildhauerin Clara Westhoff herrscht sofort eine erotische Spannung, doch auch zu der Malerin Paula Becker fühlt er sich hingezogen. Der wortgewandte Rilke betört die Damen mit seinen „Zaubersprüchen“.

Vogeler beginnt zu dieser Zeit mit ersten Studien zu dem oben erwähnten Bild. Bereits acht Monate nach der ersten Begegnung heiraten Clara und Rilke, da Clara schwanger ist.

Der zweite Abschnitt der Lesung spielt im Sommer 1901. Der hemdsärmelige Mäzen Ludwig Roselius wird sich mit vielen Künstlern handelseinig. Doch Vogeler bereiten Roselius´ Geschäfte Unbehagen. Die Tatsache, wie reibungslos sich die Kunst in Geld verwandeln lässt, verursacht ihm Übelkeit. Gemeinsam mit Roselius besucht er die mittlerweile verheiratete Paula Modersohn-Becker, die in ihren Arbeiten mit „künstlerischer Naturgewalt“ das Leben und die Armut der Arbeiter sichtbar macht. Vogeler, der „Dekorateur“, fürchtet die unbequeme Wahrheit.

Als Vogeler und Roselius schließlich das Ehepaar Rilke besuchen, wird Rilkes Veränderung deutlich. Er bevormundet seine Frau und attackiert seinen Freund. Der Bruch zwischen Vogeler und Rilke deutet sich hier bereits an.

„Es gibt eine Diskrepanz zwischen Rilkes charakterlicher Integrität und seinem Werk“, so Modick im anschließenden Gespräch. „Ich halte Rilke für einen großartigen Dichter, aber er war ein Kotzbrocken.“

Modicks Buch rekonstruiert die Entstehungsgeschichte Vogelers berühmten Bildes, erklärt, warum der Platz leer ist. Das Buch endet mit der Ausstellung des Bildes 1905. „Die Handlung ist fokussiert auf das Kontrastpaar Rilke-Vogeler“, so Modick. Als Seelenverwandte begonnen, haben sie sich schnell auseinandergelebt. „Während Rilke eine Kunstreligion geschaffen hat, zu der nur wenige Zutritt haben, hat Vogeler sich mit seiner Kunst ins Leben begeben. Ein Essbesteck ist etwas anderes, als ein Gedicht“, erklärte der Autor.

ahk

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