Ausschuss: Einrichtung von Sprachlernklassen koordinieren

Klares Signal von allen Schulen

Verden - Wer als junger Flüchtling in Deutschland ankommt, muss zur Schule. Eine Herausforderung für alle. „Wir sind vorbereitet“, so Hans-Jürgen Bohling, Leiter des Fachbereichs Bildung und Kultur, bei der Stadt. „Dass es so bleibt, dafür müssen wir rechtzeitig Strukturen schaffen“, betonte Gunda Schmidtke (SPD). Voraussetzung dafür sind Sprachlernklassen, wenn möglich an allen Schulen

Die Mitglieder des städtischen Schulausschussess hatten sich am Mittwochabend in der Nicolaischule getroffen, dort, wo die Arbeit mitFlüchtlingskindern beispielhaft funktioniert. Es gibt eine Sprachlernklasse, in der zurzeit 19 Kinder sitzen. Die Leiterin der Grundschule, Regine Meyer-Bolte, weiß ein motiviertes Team hinter sich: „Nicht nur die Lehrer, auch die Verwaltungskräfte sind sehr engagiert. Alle ziehen mit.“ Wenn es dann doch mal hake, sei bislang immer eine Lösung gefunden worden. Und noch eine gute Nachricht: „Zwei Kinder, die im November vergangenen Jahres ohne Deutschkenntnisse zu uns kamen, werden im Sommer auf das Gymnasium wechseln.“

Fest steht: Weitere Kinder werden kommen. Schon in der nächsten Woche werden die ersten Container beim Landkreis bezogen. Wieviel schulpflichtiger Nachwuchs dabei ist, ist nicht bekannt. Je nach Einzugsbereich werden sie die fünf Grundschulen im Stadtbezirk besuchen. „Voraussetzung dafür ist, dass sie ihren Wohnsitz in Verden haben“, so Bohling. Von der Anzahl der so genannten „zugewiesenen Kinder“ hänge ab, ob zusätzliche Lernklassen an den Grundschulen eingerichtet werden müssen. Sicher ist, alle zur Nicolaischule zu schicken, werde nicht funktionieren, auch wenn sie im entsprechenden Stadtteil wohnen. „Wenn notwendig, werden wir die Einteilung der Schulbezirke ändern“, so Bohling.

Wer als Schüler nach Klasse vier die Grundschule verlässt, wechselt zu einer weiterführenden Einrichtung. In Verden ist für Flüchtlingskinder die Klaus-Störtebeker-Schule erste Adresse. Schon lange gibt es dort eine Sprachlernklasse, in der 18 Jugendliche sitzen, weitere 22 besuchen die Regelschule. „Es ist ein Kommen und Gehen, aber es funktioniert noch. Die Kolleginnen und Kollegen sind sehr engagiert“, schildert Konrektorin Ute Grimm- Schecker. Zum 1. August soll noch eine weitere Lernklasse am Meldauer Berg untergebracht werden.

Unterstützung dafür gibt es. Die Stadt werde Geld zur Renovierung von Räumen und für Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen, sagte Fachbereichsleiter Bohling im Ausschuss zu.

Viel Lob erntete die Störtebeker-Schule von den Aussschussmitgliedern. Doch allein könne die Schule die Unterrichtung der Flüchtlinge nicht leisten, betonte Anja König. „Die Lasten sollten auf alle weiterführenden Schulen verteilt werden“, so ihre Forderung.

Christian Piechot, Schulleiter der Realschule, signalisierte seine Zustimmung. „Wir haben zwar noch keine Förderklasse, aber bei uns wird niemand weggeschickt.“ Bei den Verdener Gymnasien herrscht ebenfalls große Bereitschaft. Detlev Lehmann, Schulleiter des Domgymnasiums, bestätigte gestern auf Anfrage: „Wir sind jederzeit bereit, eine entsprechende Klasse einzurichten.“ Dafür gebe es in den Schulgremien einen einstimmigen Beschluss. Erfahrene Lehrer stünden zur Verfügung. „Um eine Klasse einrichten zu können, brauchen wir allerdings zehn Schüler und deren Namen. Die fehlen bislang“, so Lehmann. Ähnlich ist die Situation am Gymnasium am Wall. Die Schule wolle schon, betonte Leiterin Petra Sehrt. „Eine Klasse können wir einrichten, aber uns fehlen konkrete Anfragen.“

Im städtischen Ausschuss waren sich die Vertreter aller Parteien über die Notwendigkeit einer schulübergreifenden Koordination einig. Wichtig sei zudem, Flüchtlinge, die in Verden bleiben, über die bestehende Schulpflicht zu informieren. „Vielen ist das gar nicht bekannt“, so Ralf Vogt (SPD).

Ist die Bereitschaft, sich zu engagieren, an den Schulen groß, bleibt ein Problem. „Geld für Sprachförderung und -klassen ist vorhanden, aber es fehlt das Personal. Wer helfen möchte, der ist daher herzlich willkommen“, so die Ausschussvorsitzende Gunda Schmidtke. - mw

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