Bremer Musikfest mit geistlichen Werken von Beethoven und Berlioz zu Gast

Klangkathedrale bewegt das Publikum im Verdener Dom

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Mit geistlichen Werken von Beethoven und Berlioz war das Musikfest Bremen im Verdener Dom zu Gast.

Verden - Von Ilse Walther. Zwei außergewöhnliche geistliche Werke standen auf dem Programm des Konzertes, mit dem das Bremer Musikfest im festlich erleuchteten Dom zu Gast war. Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten ein in jeder Hinsicht grandioses Konzert mit dem jungen, im Jahr 2005 von Jérémie Rhorer gegründeten Orchester Le Cercle de l’Harmonie, der von Mark Markowitsch einstudierten „Vokalakademie Berlin“ und Solisten.

Verstehen konnte man es nicht, dass Hector Berlioz seine „Messe Solennelle“ vernichtet hat. Es ist ein sehr emotionales Werk, eine wahre Klangkathedrale, das den Komponisten als großen Zweifler an sich selbst und auch an seiner Religion zeigt. Berlioz komponierte die umfangreiche Messe als leidenschaftlich bewegtes Werk, das die Zuhörer mit seinen Tonleitern chromatisch und in Dur und Moll in eine wachsende Spannung versetzt.

Publikum wird auf überwältigende Art in das Werk geworfen

Zum Glück tauchten später wieder Kopien des Werkes auf. Man wird förmlich in dieses Werk hinein geworfen, und das auf eine überwältigende Art. Das stattliche Orchester, das auf historischen Instrumenten mitreißend musizierte, zeigte sich stets präsent. Es entwickelt eine Homogenität, die einem den Atem verschlagen kann. Da ist alles durchdacht in opulenter Dynamik, mit wunderbaren, kraftvoll akzentuierten Bläsersoli inszeniert. Die dicht spielenden Streicher schafften transparente feine Gespinste und energische Partien. Das Schlagwerk setzte spannende Akzente und Jérémie Rhorer leitete das Ensemble ebenso leidenschaftlich wie behutsam. Er wusste seine Instrumentalisten und Sänger zu inspirieren und mitzureißen.

Die Vokalakademie Berlin ist mit jungen, perfekt geschulten und begeisterten Sängerinnen und Sängern besetzt. Ungewöhnlich bei diesem großartigen Chor ist, dass er mehr Männer- als Frauenstimmen hat. Das Ensemble sang homogen, in den feinsten Schattierungen strahlend rein bis in die Höhen im Sopran, klangvoll im Alt und substanzreich in den Tenören und Bässen.

Akustik im Dom verschluckt die einzelnen Worte

Wie der Chor mit den rasch zu singenden Texten mühelos fertig wurde, war grandios. Durch die Akustik im Dom waren die Worte kaum zu verstehen, aber zusammen mit dem Orchester und den vorzüglichen Solisten wurde eine „Klangkathedrale“ daraus, die überwältigte.

Die kurzfristig eingesprungene norwegische Sopranistin Marita Solberg verfügt über eine große, makellose Stimme. Sie gestaltete ihre Partien überzeugend und in bewegender Dichte. Der deutsche Tenor Daniel Behle hat ebenso eine große, bruchlos geführte, Stimme mit viel Substanz. Er sang ausdrucksstark und überzeugend. Ebenso der französicsche Bass Jean-Sébastien Bou. Mit seiner herrlich timbrierten Stimme bot er seine Soli würdig und intensiv.

Anhaltender Beifall für Solisten, Ensembles und Dirgent Jérémie Rhorer (2. v.l.).

Die drei Solisten passten perfekt in Duetten und Terzetten zusammen. So riss diese große, tempogeladene, leidenschaftliche Messe vom ersten dichten Vorspiel des „Kyrie“ an über das erregte „Gloria“, das „Quoniam“ mit seinem expressiven Aufschrei im „Amen“ bis zu der eingefügten Motette für das Offertorium und dem opulent würdigen „Sanctus“ hin. Auch das ruhige „Agnus Dei“ danach, dessen Tempo im Fortissimo immer mehr anzog, bis es expressiv endete. Ein Moment war nötig, um aus der Klangpracht und Leidenschaft in die Wirklichkeit zurückzukehren, dann brach berechtigter Beifall los.

Daniel Behle legt Würde und Gefühl in seinen blumigen Text

Das einzige Oratorium, das Ludwig van Beethoven als junger Mann schrieb, ist „Christus am Ölberg“ nach Texten von Franz Xaver Huber. Es ist die Szene, in der Christus seinen Vater im Himmel anfleht, ihn zu verschonen und sein Schicksal dennoch annimmt. Eigentlich ist es eine geistliche Oper, die vieles von Beethovens späteren Werken schon anklingen lässt, der „Fidelio“ genauso wie die Sinfonien. Hier war Daniel Behle in der Rolle des Jesus mit seiner großen Stimme ein überzeugender Interpret. Wie der Solist Würde und Gefühl in den ja doch sehr blumigen Text zu setzen vermochte, bewegte zutiefst, auch in seinen Arien. Marita Solberg sang die Rolle des Seraphen innig, froh und tröstlich, Jean-Sébastien Bou war als Petrus ein würdiger, und überzeugender Jünger, der an seiner Rolle verzweifelt und um Vergebung bittet.

Dieses Oratorium endet, ungewöhnlich bei einer Passionsmusik, mit einem Jubelchor der Engel. Der Chor war wieder großartig, ganz erregt gestalteten die Herren, unheimlich in der Aussage und der verschiedenen Ausbrüche vom pöbelnden Volk bis zum Erschrecken der Jünger. Und mit dem Jubel der Engel erreicht das Werk den Schluss.

Noch einmal brandete langer Applaus auf. Ein ganz großer Abend!

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