100 Jahre Furtwängler & Hammer Orgel

Klang erinnert an die Jugend

Kirchenmusikdirektor Tillmann Benfer erklärt die Besonderheiten der romantischen Furtwängler & Hammer Orgel. - Foto: Haubrock

Verden - Seit 700 Jahren erklingt Orgelmusik im Verdener Dom. Seit genau 100 Jahren steht die romantische Furtwängler & Hammer Orgel auf der Westempore. Die Festwoche anlässlich dieses Jubiläums wurde in einem Gottesdienst mit Pastor Lueder Möring eröffnet.

Musikalisch begleitet wurde der im Stil des Jahres 1916 gestaltete Gottesdienst von Kirchenmusikdirektor Tillmann Benfer mit Musik aus der Reger-Zeit. Musik aus der Epoche, für die die große romantische Orgel einst gebaut wurde und die auf dieser Orgel gespielt daher besonders schön klingt.

Heute kommt meistens die 1968 nach barocken Bauprinzipien und dem Klangideal dieser Zeit erbaute Hillebrand-Orgel auf der Nordempore zum Einsatz. An diesen Klang gewöhnt, hört man sofort den Unterschied, wenn das romantische Instrument erklingt. Die Furtwängler & Hammer-Orgel, die an der akustisch günstigsten Stelle im Dom steht, besticht durch ihren schönen warmen und vollen Klang.

Im Anschluss an den Gottesdienst hatten die Besucher Gelegenheit, sich die Orgel näher anzuschauen. Das Prospekt verfügt über 3 600 Pfeifen, die Kleinste ist lediglich drei Zentimeter groß, während die Größte fast fünf Meter misst. Bei einem Blick in das Innere der Orgel zeigt sich, dass einige der Pfeifen von Holzkisten umschlossen sind. Benfer erklärte, dass sich durch öffnen und schließen der Kästen die Lautstärke regulieren lässt. Der Organist gab einen Einblick in die Klangvielfalt der Orgel, zeigte, dass sie nicht nur voll, sondern auch ganz leise klingen kann. Kaum hörbar dringen die Töne aber doch durch das gesamte Kirchenschiff.

Lange war die romantische Orgel fast in Vergessenheit geraten, der Trend ging zur Barockmusik. „Jede Zeit hat ihre Musikinstrumente“, weiß Benfer. Barockmusik klingt aber auf einer romantischen Orgel nicht gut. Romantische Orgeln seien dann abgelehnt, vielerorts umgebaut oder sogar abgerissen worden.

Ein Schicksal, das dem Verdener Instrument erspart geblieben ist. „Es ist ein großes Glück, dass sie stehengeblieben ist, sie ist im Zustand wie vor 100 Jahren“, so Benfer.

Lange Zeit war das Instrument aber gar nicht mehr spielfähig, ein Orgelbauer habe sogar den Abriss empfohlen. Ein Rat, dem man glücklicherweise nicht gefolgt sei, 1986 wurde das historische Instrument auf Initiative eines Orgelbauvereins repariert.

Seit 1990, so lange wie Tillmann Benfer im Dom wirkt, kommt die Orgel auch wieder öfter bei Gottesdiensten zum Einsatz. „Mein Vorgänger mochte die Orgel nicht und hat sie nicht gespielt. Als sie dann wieder zu hören war, habe ich viele Rückmeldungen von alten Verdenern bekommen. Sie fühlten sich durch den Klang an ihre Jugendzeit erinnert“, weiß Benfer zu berichten. 

ahk

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