Abwasserannahme kein Problem / Faulturm außer Betrieb

Verdener Klärwerk: „Nervensystem getroffen“

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Klärwerksleiter Uwe Gerdes tauscht sich mit Bürgermeister Lutz Brockmann über die aktuelle Situation aus.

Verden - Von Erika Wennhold. „Unser zentrales Nervensystem ist getroffen.“ Besser könnte Klärwerksleiter Uwe Gerdes wohl nicht ausdrücken, was sich am Freitag auf dem Gelände an der Weserstraße 100 ereignete. Zusammen mit Bürgermeister Lutz Brockmann informierte er über die „Schadenslage“, die in ihrer Dimension überhaupt noch nicht einzuschätzen ist.

Welche Kosten auf die Stadt am Ende zukommen werden, lässt sich allenfalls erahnen, denkt man an den gebührenpflichtigen Einsatz von etwa 200 Feuerwehrleuten, die Kosten für eine Spezialfirma, die den Keller entlüftet, und den Abtransport von Klärschlamm in die Werke Nienburg und Bremen.

Außerdem arbeitet das Blockheizwerk nicht, das normalerweise Zweidrittel des Energiebedarfs der Verdener Kläranlage produziert. Den beiden Verantwortlichen war gestern aber erst einmal wichtiger, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Brockmann: „Durch Fäulnis entsteht hochgefährliches Methangas. Eine Explosionsgefahr konnte nicht ausgeschlossen werden.“

Tatsächlich, so sehen es die beiden, hätten ganz viele Leute schlau und umsichtig gehandelt, als am Freitag gegen 12 Uhr die Wasserstandssensoren im Keller auslösten, weil um die 6000 Kubimeter Klärschlamm aus dem Faulturm nach und nach in den Keller sickerten.

Großeinsatz am Wochenende.

Heute kennt man die Ursache: Eine Rohrverbindung hatte sich gelöst. Das Warum steht ermittlungstechnisch ganz oben an, während die betroffenen Bereiche gereinigt worden sind, nun belüftet werden, um den Schaden im Keller beziffern zu können. Hier sind die Heizung für den Faulturm, mehrere Pumpen und viel elektronische Technik untergebracht. Dieser Teil des Klärwerks war praktisch vollgelaufen.

Viel Dampf, aber kaum Geruch

Inzwischen hat das THW mit einem Spezialschlauch mehr als 5000 Kubikmeter Klärschlamm in große Auffangbecken auf dem Gelände an der Weserstraße gepumpt. Dort dampft die auf 35 Grad erhitzte Masse jetzt vor sich hin, ohne eine nennenswerte üble Gerüchsbildung zu entwickleln und in die Umgebung abzugeben.

So gesehen ist erst einmal Ruhe eingekehrt, für den Eigenbetrieb der Stadt vielleicht sogar zuviel, denn der Klärschlammprozess werde vor Weihnachten wohl nicht mehr aufgenommern werden können, schätzt Werksleiter Gerdes die Lage vorerst ein.

Bis auf Abruf werden die Lastwagen Tag für Tag Klärschlamm abtransportieren, während die Annahme des Abwassers aus Verden und angrenzenden Gemeinden problemlos funktioniert.

Der Dank von Uwe Gerdes und Lutz Brockmann beim Rückblick auf ein turbulentes Wochenende gilt Feuerwehr und THW, ganz besonders abber auch den Mitarbeitern des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung. „Die haben praktisch durchgehend gearbeitet.“

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