Betriebsleiter Gerdes erwartet Investitionen in Millionenhöhe

Nach Havarie: Klärwerk Verden im Übergangsbetrieb

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Betriebsleiter Uwe Gerdes (r.) und der Produktverantwortliche im Rathaus, Jürgen Heins, erklärten die Havarie unter den Faultürmen und ihre Folgen.

Verden - „Wir sind jetzt im Übergangsbetrieb.“ Nach der Havarie im Verdener Klärwerk kurz vor dem zweiten Advent kann Betriebsleiter Uwe Gerdes nicht nur die Ursache, sondern auch das weitere Vorgehen ins Auge fassen. Die Zerstörungen durch die Leckage einer Rohrleitung unterhalb des großen Faulturms sind so umfangreich, dass er nicht nur über Ersatzanlagen, sondern grundsätzlicher nachdenkt. Die Abwasserreinigung der Stadt hat ohnehin zumindest in Teilen schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Ein zukunftsfähiges Konzept ist in Arbeit. „Das wird einen siebenstelligen Betrag kosten“, ist Gerdes schon mal sicher.

Auslöser allen Übels war die Verbindung eines Rohres mit 20 Zentimetern Durchmesser. Das auch schon 40 Jahre alte Teil habe sich gelöst und damit den 600 Kubikmetern Faulschlamm im Turm die Bahn zum Auslaufen frei gemacht. „Der Keller lief in Windeseile voll“, berichtete Gerdes gestern im Baucontainer auf dem Gelände des Eigenbetriebs. Dem Einsatz der Feuerwehr und den starken Pumpen des Technischen Hilfswerks sei es zu verdanken gewesen, dass der Schlamm sich nicht auf dem Gelände des Klärwerks verteilt hat und Schlimmeres verhindert werden konnte.

Dennoch hatte der Inhalt des Faulturms im Keller die große Heizungsanlage, Pumpen und Schaltschränke für die Elektrik in Mitleidenschaft gezogen oder gleich komplett zerstört. Zwei Wochen konnte das Klärwerk nur im provisorischen Betrieb seine Aufgaben gerade mal so erfüllen.

Rechnung wird wahrscheinlich sechsstellig

Währenddessen wurde aufgeräumt, gereinigt und notdürftig ausgebessert. „Ich bin stolz darauf, was auch die Mitarbeiter des Eigenbetriebs in den zurückliegenden Wochen geleistet haben“, lobt Gerdes das Engagement im Hause.

Einen Großeinsatz von Hilfskräften hatte die Havarie kurz vor Weihnachten ausgelöst.

Die völlige Wiederherstellung erwartet der Betriebsleiter nach bisherigem Stand Ende nächsten Jahres. Aber derzeit ist eigentlich noch gar nicht so klar, wie es weitergehen soll. Wichtig sei als Nächstes, die Betriebssicherheit mit der Kontrolltechnik wieder in Gang zu setzen. Für alles Weitere sei ein Ingenieurbüro beauftragt worden. Es soll ein Konzept entwickeln, das die gesamte Kläranlage in den Blick nimmt. Dass die Kosten in Millionenhöhe ausfallen, ist dem Betriebsleiter schon einmal klar. Allein die Rechnung von den Hilfsorganisationen werde sicher sechsstellig werden. Deshalb sei es sinnvoll, die Anlage als Ganzes auch mit Blick auf ihre Zukunftsfähigkeit zu betrachten.

Kaum Hoffnung auf Versicherungsleistungen

„Ich bin wenig geneigt, die Heizungsanlage und die Schaltschränke wieder im Keller unterzubringen, wo die Flutung solche Schäden anrichten kann“, sagte Gerdes. Das allein sei schon ein Argument, bei dieser Gelegenheit über die künftige Gesamtstruktur des Eigenbetriebs nachzudenken. Wenn aber neue Bauten nötig würden, sei offen, wo die auf dem bereits gut belegten Gelände angebracht werden könnten.

In einem halben Jahr werde er mehr wissen, hofft der Klärwerkschef. Vielleicht auch in Bezug auf die Kosten der Investitionen, und ob sie sich auf die Abwassergebühren auswirken. Auf Versicherungsleistungen könne er jedenfalls nicht hoffen. Selbst wenn die abgeschlossen worden wären, sei der Zeitwert der Anlagen nach 40 Jahren gleich Null.

kle

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