Eigenbetrieb will Gesellschaft beitreten / Verbrennungsanlage für circa 53 Millionen Euro

Von Verden: Jährlich 6.000 Tonnen Klärschlamm per Lkw nach Hildesheim

Der Plan des Eigenbetriebs: Der entwässerte Klärschlamm wird auf der Verdener Anlage auf Lkw befördert und dann über die Trocknung in der Anlage Leeste bei Nienburg zur neuen Verbrennungsanlage in Hildesheim geliefert. Spätestens 2029 muss die Entsorgung gesichert sein. So will es die Europäische Union.
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Der Plan des Eigenbetriebs: Der entwässerte Klärschlamm wird auf der Verdener Anlage auf Lkw befördert und dann über die Trocknung in der Anlage Leeste bei Nienburg zur neuen Verbrennungsanlage in Hildesheim geliefert. Spätestens 2029 muss die Entsorgung gesichert sein. So will es die Europäische Union.

Der Eigenbetrieb Abwasser in Verden sieht als Weg der Zukunft die Verbrennung des Klärschlamms: Eine Anlage dafür soll in Hildesheim gebaut werden. Verden will, wenn der Plan aufgeht, mit 22 weiteren Kommunen das Projekt stemmen. Investitionskosten: circa 53 Millionen Euro.

Verden – Deckel runter, Knopfdruck und ab damit. Was der Verdener pro Tag an Abwasser produziert, landet auf der Kläranlage des Eigenbetriebs. Auch die Gemeinden Langwedel und Kirchlinteln liefern. Dem Sammelsurium wird dort – soweit möglich – das Wasser entzogen. Und der Rest? Der entwässerte Schlamm darf nicht mehr, so die gesetzliche Vorgabe, landwirtschaftlich verwertet werden.

Bauen will die KNRN im Hildesheimer Hafen eine Mono-Klärschlammverbrennungsanlage

Eine Anlage dafür soll in Hildesheim gebaut werden. Verden will, wenn der Plan aufgeht, mit 22 weiteren Kommunen das Projekt stemmen. Investitionskosten: circa 53 Millionen Euro. Die Entscheidung ob Verden mitmacht, soll im Sommer fallen.

Der Neu- und Umbau des Klärwerks an der Allerstraße bis zum Jahr 2030 ist beschlossen. Rund wird das anspruchsvolle Projekt, wenn bis dahin die Schlammentsorgung auf stabilen Beinen steht. Die Weichen dafür sind mit der Gründung der Kommunalen Nährstoffrückgewinnung Niedersachsen (KNRN) gestellt. Jens Manthey, hauptamtlicher Geschäftsführer der KNRN, stellte im städtischen Betriebsausschuss das Projekt – bislang noch auf dem Reißbrett – vor.

Bauen will die KNRN im Hildesheimer Hafen eine Mono-Klärschlammverbrennungsanlage für die insgesamt 23 Gesellschafter. Circa 6. 000 Tonnen entwässerten Klärschlamm muss der Eigenbetrieb Verden pro Jahr loswerden. Die Anlage in Hildesheim wäre eine gute Adresse. „Die KNRN holt den Schlamm vom Gelände in Verden ab und kümmert sich danach um den Rest“, so Manthey. Der Lkw, so der weitere Plan, würde allerdings nicht umgehend Hildesheim ansteuern, sondern in Leeste, bei Nienburg, einen Zwischenstopp einlegen. Nasser Schlamm brennt nicht und soll in Leeste durch die Trocknungsanlage, betrieben mit Biogas und CO2-neutral, laufen. Strom werde dabei auch noch produziert. Ein weiterer Vorteil: Nienburg ist mit seiner Kläranlage ebenfalls in der KNRN vertreten. Man kennt und versteht sich. Probleme dürfte es keine geben.

Die KNRN holt den Schlamm vom Gelände in Verden ab und kümmert sich danach um den Rest

In Leeste getrocknet und in Hildesheim angekommen, landet die Verdener Fuhre in der Mono-Klärschlammverbrennungsanlage. „Gebaut mit modernster Technik, die dafür sorgt, das Rückstände wie Phosphor sowie Schadstoffe nach den gesetzlichen Vorgaben entsorgt beziehungsweise wiederverwertet werden“, erklärt Manthey.

Insgesamt circa 135. 000 Tonnen Klärschlamm, so die Berechnungen, werden die 23 Gesellschaften jährlich in den Hafen nach Hildesheim liefern. Eine Bürgerinitiative hat sich zwar dagegen ausgesprochen, doch die örtliche Kommunalpolitik will die Anlage. Manthey verspricht, dass sowohl Anlieferung als auch Verbrennung unter hohen gesetzlichen Auflagen abgewickelt würden. „Dazu gehören auch die Einhaltung von Emissionsbestimmungen sowie die Rückgewinnung von Energie aus dem Verbrennungsprozess.“

135 .000 Tonnen Klärschlamm werden die 23 Gesellschaften jährlich in den Hafen nach Hildesheim liefern

Skepsis aus den Reihen des Betriebsausschusses äußerte angesichts der Pläne Olaf Kluckhuhn (CDU). Bislang stehe die KNRN als Firma nur auf dem Papier. „Es gibt noch keine Anlage, kein Personal, keine Entsorgungssicherheit. Doch was ist, wenn gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten, die Stadt Hildesheim den Standort kündigt oder die KNRN in Konkurs geht?“, so Kluckhuhn. „Viel einfacher wäre es doch, wir suchen uns eine bereits bestehende Anlage, liefern da den Schlamm ab und fertig“, lautete sein Vorschlag.

KNRN-Geschäftsführer Manthey verwies mit Blick auf den derzeitigen Planungsstand auf sein ausgewiesenes Team an Fachkräften, dass sich mit großer Kompetenz um die Umsetzung der Pläne kümmere. „Wir sind im ständigen Austausch mit bereits bestehenden Anlagen. Da gibt es kein Risiko“, betont Manthey. Und: „Selbst bei einem Konkurs würden die beteiligten Gesellschafter nicht in Haftung genommen. So steht es im Vertrag.“

KNRN-Geschäftsführer Jens Manthey: „Wir sind im ständigen Austausch mit bereits bestehenden Anlagen. Da gibt es kein Risiko.“

In den Reihen des Verdener Eigenbetriebs wollen die Beteiligten den Weg mit der KNRN gehen. „Die Gesellschafter haben mit dem jetzigen Geschäftsführer einen Experten an Bord und von ihm ein überzeugendes Konzept auf dem Tisch liegen“, so Betriebsleiter Uwe Gerdes. Er verwies zudem auf den großen Kreis der beteiligten Kommunen. „Von ursprünglich neun ist die Runde im Laufe der Zeit auf insgesamt 23 Gesellschafter angewachsen, sodass die Auslastung der Anlage mit mehr als 90 Prozent gesichert ist. Davon träumen andere Betreiber“, so Gerdes. Und der Betriebsleiter sieht weitere Vorteile: „Mit dem Beitritt als Gesellschafter haben wir Einfluss auf eine nachhaltige und damit umweltfreundliche Abwicklung von Anlieferung und Verbrennung.“ Ebenso bedeutungsvoll sei, dass Verden mit Hildesheim in Zukunft eine feste Adresse und zudem ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Kosten habe. „Wenn wir den entwässerten Klärschlamm auf dem freien Markt entsorgen, müssen wir den Auftrag öffentlich ausschreiben. Da können wir in Bremen oder aber sonst wo landen und haben absolut keine Handhabe bei Nachhaltigkeit, Transportwegen und möglichen Preisen“, sagt Gerdes.

Auslastung der Anlage in Hildesheim mit mehr als 90 Prozent gesichert

Geschäftsführer Manthey und sein Team wollen die Pläne für den Bau der Anlage bis Juli zum Abschluss bringen. Eine nachfolgend angesetzte Gesellschafterversammlung soll dann entscheiden, was aus dem Projekt wird. Geschätzt 53 Millionen Euro wird der Bau der Anlage in Hildesheim kosten. Anteilig des Klärschlammaufkommens wäre Verden mit einem Investitionsbeitrag von circa 1,9 Millionen Euro dabei. „Das ist, umgerechnet auf 30 Jahre, ausgesprochen wirtschaftlich“, so Gerdes.

Europäische Union will Lösung bis 2029

Würde Verden diesen Weg nicht mitgehen, beginnt die Suche nach einer Lösung für die Schlammentwässerung von vorn. Auf den Acker, in die landwirtschaftliche Nutzung, ist auf absehbare Zeit keine Alternative mehr. Spätestens 2029 ist endgültig Schluss, schreibt die Richtlinie der Europäischen Union vor.

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