Modernste Technik für 840 000 Euro / Einbau bei laufendem Betrieb

Kläranlage: Schutz vor Hackern

Das Pumpwerk am Allerufer muss in das neue Netzwerk des Prozessleitsystems eingebunden werden.
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Das Pumpwerk am Allerufer muss in das neue Netzwerk des Prozessleitsystems eingebunden werden.

Verden – Die Technik auf der Verdener Kläranlage ist in die Jahre gekommen. Es besteht durchgehend an vielen Stellen Handlungsbedarf. Kern der Anlage ist das Prozessleitsystem, das den gesamten Betrieb inklusive Pumpen im Stadtgebiet steuert. Die laufende Software ist abgekündigt, heißt, ein Update gibt es nicht mehr. „Zur Anschaffung eines neuen Betriebssystems gehört auch die entsprechend moderne Technik“, erklärt Uwe Gerdes, Leiter des Eigenbetriebs Abwasser. Circa 840 000 Euro werden Kauf und Installation kosten. Anlaufen soll das neue System Anfang 2022.

Eher heute als morgen hätte Gerdes gerne die moderne Technik in seinem Haus. „Wäre uns nicht die Havarie mit all ihren Auswirkungen dazwischengekommen, hätten wir die Umrüstung schon längst in Angriff genommen“, erklärt der Betriebsleiter. So sieht es auch die umfangreiche Expertise des Ingenieurbüros John Beck, die das Prozessleitsystem der Kläranlage ausdauernd unter die Lupe genommen hat. Das Urteil: „Eine heterogen gewachsene Automatisierungstechnik, die in einigen Teilen nicht mehr dem Standard entspricht.“ Und: „Da das Betriebssystem abgekündigt ist, bestehen Sicherheitslücken.“ Spätestens da tritt auch der Gesetzgeber auf den Plan. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) setzt einen klaren Rahmen, in dem die Gefährdung von IT-Anwendungen und IT-Systemen in Unternehmen, Behörden oder anderen Organisationen zu minimieren ist. Das sei mit der derzeitigen Technik nicht mehr zu leisten, so die Expertise des Ingenieurbüros.

Der Neu- und Umbau des Eigenbetriebs unter dem Titel „Kläranlage 2030“ ist beschlossen. 46 Millionen Euro sollen dafür bis 2032 investiert werden. Doch solange kann die Umrüstung des Prozessleitsystems nicht warten. Das Ingenieurbüro soll, so der Wunsch der Verwaltung, zügig in die Entwurfsplanung einsteigen. Die Liste ist lang. Unbedingt notwendig sei die Herstellung einer sogenannten Redundanz. Wo derzeit bei Ausfall beziehungsweise Hardwarestörungen Abläufe in der Anlage möglicherweise nicht mehr beobachtet werden können, kann bei dem neuen System über einen anderen Weg alternativ eingegriffen und ein Fehler kompensiert werden, so die einfache Erklärung. Neu aufgestellt wird auch die Arbeitsweise der insgesamt 47 Pumpwerke in der Stadt, wo es künftig ebenfalls bei fehlerhafter Hardware über einen alternativen Weg einen Zugriff gibt. Höchstes Gut, so die Aussage der Experten, sei die ständige Verfügbarkeit der Anlage. Die Idee: „Mehr Server teilen sich die Arbeit, wenn einer ausfällt, macht der andere die Arbeit mit.“

Geschützt werden müsse das neue Netzwerk zudem gegen Ein- und Angriffe von außen, auch gegen sogenannte Hacker. Schon deshalb ist die künftige leittechnische Struktur dezentral ausgelegt mit einem redundanten Aufbau der wichtigsten IT-Komponenten, heißt es in der Expertise.

Die Umstellung des Klärwerks auf modernste Technik ist durchaus eine Herausforderung, zumal die Anlage zwecks Ver- und Entsorgung der Haushalte rund um die Uhr laufen muss. Gearbeitet werde ohne wesentliche Einschränkungen des Betriebsablaufes und ohne Beeinträchtigung der Sicherheit, versprechen die Experten.

Von Markus Wienken

Viel Arbeit beim Eigenbetrieb: Die Kläranlage wird sicherer. Dafür sollen moderne Technik und hochentwickelte Software sorgen.

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