Motetti von Antonio Caldara am Dresdener Hof im Dom zu Verden

Klänge wie vom Himmel

Sänger und Musiker agierten perfekt miteinander. Hier Ingeborg Dalheim und Anna Kellnhofer mit Jörg Meder an seinem mit einem Löwenkopf verzierten Violone. - Foto: Bruns

Verden - Von Ilse Walther. Eine wunderbare Abendmusik boten die Solisten und das „United Continuo Ensemble“ im Verdener Dom. Die Interpreten und die Musik von Antonio Caldara hätten ein volles Haus verdient gehabt. Leider waren nicht viele Zuhörer da, aber wer da war, wurde reich beschenkt.

„Motetti a due o tre voci op. 4, komponiert in Bologna 1715 von Antonio Caldara hatten die beiden Sopranistinnen Ingeborg Dalheim und Anna Kellnhofer, Franz Vitzthum, Alt, Jan van Elsacker, Tenor, und der Bassist Florian Götz und die Instrumentalisten Thomas C. Boysen (Theorbe), Jörg Meder (Violone) und Johannes Hämmerle (Orgel) auf die Notenpulte gelegt. Die musikalische Leitung hatte Thomas C. Boysen.

Das Programm war eine echte Entdeckung für die Zuhörer. „Importierte“ italienische Musik, wie sie am Dresdener Hof von August dem Starken aufgeführt wurde. Caldara hat hier geistliche Texte vertont, und das in einer sowohl schlichten wie auch verzierungsreichen Art. Mit Anmut, Ausdruck, leidenschaftlich und überaus farbig führten die Sänger ebenso wie das einfühlsame Continuoensemble die selten zu hörende Musik auf.

Schon die erste Motette „Caro mea vere“, gesungen von den beiden Sopranistinnen, bewegte zutiefst. Die beiden Stimmen schienen aus dem Himmel zu kommen, hatten Leuchtkraft ohne jedes Pathos. Ganz ohne Vibrato war das unbeschreiblich schön.

Und so ging es weiter, jeweils in verschiedenen Besetzungen. Die Sängerinnen und Sänger haben alle großartig geschulte, warme und bruchlos geführte Stimmen, sie passten in jeder Besetzung perfekt zueinander. Sehr klar, reif und leuchtend war der Altus in der Motette „Transfige“ und in weiteren Besetzungen, warm bis in die Tiefe geführt der Bass, blühend und intensiv bis in die Höhe der substanzreiche Tenor. Bewegend waren die innigen wie die trauernden und leidenschaftlichen Motetten.

Und immer, teilweise auch in unterschiedlichsten Besetzungen, waren die drei Instrumentalisten einfühlsame, mitgehende und sehr behutsame Begleiter. Die beiden Streicher hatten besonders schöne und reich verzierte Instrumente. Johannes Hämmerle spielte die Continuopassagen auf der kleinen Orgel, und zwei Orgelwerke von Caldara auf der großen Barockorgel. Variationen über den Choral „O Gott, du frommer Gott“ musizierte er ungemein farbig, reich an filigranen Umspielungen und immer mit dem klaren Cantus Firmus, der in der hohen Stimme leuchtete, und er ließ die Echopartien sehr schön nachklingen. Das zweite Orgelwerk bot er kanonisch filigran auch mit einer feierlichen Fuge und ließ die feinen Figuren reizvoll hintereinander laufen.

Es waren zwei ausnehmend schöne Werke, meisterlich geboten. Die fünfzehn Motetten bildeten eine wunderbare Perlenschnur, sie bewegten in ihrer Dichte. Die Schlussmotette „O sacrum convivium“ mit dem strahlenden Halleluja am Schluss, gesungen von den beiden Sopranistinnen und dem Bassisten, waren ein bewegender Abschluss. Er begann getragen und intensiv, steigerte sich expressiv und schloss mit einem jubelnden „Halleluja“. Welch ein großartiges, überzeugendes Ensemble und welch wunderbare Musik.

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