Bremer Shakespeare Company begeistert Zuschauer

Schauspiel in Verden: King Charles fröhlich-vulgär

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Die Royals spielen in Form der Bremer Shakespeare Company mit „King Charles III“ ein besonderes Schaustück.

Verden - Eine Inszenierung in bester Shakespeare-Manier hat eine glänzend aufgestellte Bremer Shakespeare Company mit „King Charles III“ auf die Stadthallenbühne gebracht. Das Theaterstück von Mike Barlett zeigt eine mögliche Zukunft mit Prinz Charles als König, der nach dem Abhörskandal um die britischen Royals, dennoch einem Gesetz zum Schutz der Privatsphäre seine Zustimmung verweigert. Der fiktive Stoff, den selbst Shakespeare nicht besser hätte in Szene setzen können, zeigt, welcher Angriffe sich Charles III. danach erwehren musste, und über 400 Besucher zeigten sich restlos begeistert.

Was geschieht, wenn die englische Königin stirbt? Im Theaterstück „King Charles III – A Future History Play“ lässt der Autor Mike Barlett Prinz Charles nach der Krone greifen und zeigt, wie der künftige Monarch sich Angriffen innerhalb und außerhalb des Buckingham-Palastes erwehren muss. Denn der designierte König weigert sich, ein Gesetz zum Schutz der Privatsphäre, das zugleich eine Einschränkung der Pressefreiheit bedeutet, zu unterschreiben. Dies löst eine Verfassungskrise und landesweite Proteste aus, woraufhin Charles zu seinem persönlichen Schutz Militärkräfte mitsamt Panzer vor dem Palast Stellung beziehen lässt.

Gleichzeitig intrigiert Herzogin Kate im Stil einer Lady Macbeth gegen den neuen König, weil sie ihren Ehemann Prinz William auf dem Thron sehen möchte. Prinz Harry indes stürzt sich unbekümmert und leichtfüßig in eine Liebesbeziehung mit einer Anti-Royalistin namens Jessie und wendet sich – wenn auch nur vorübergehend – von der Monarchie ab. Am Ende opfert er diese große Liebe in Loyalität zu seinem Bruder William, der Charles dazu gezwungen hat, abzudanken und der nun die Krone trägt. Auch Charles' Frau Camilla macht keine wirklich gute Figur. In einer Szene schlägt sie William sogar ins Gesicht.

Die Spannungen im Buckingham-Palast und innerhalb der royalen Familie sind für das Publikum zum Greifen nah. Das Stück spielt mit dieser Umbruchzeit und widmet sich über Genregrenzen von Drama, Tragödie, Komödie und Schauspiel hinweg, vielfältigen und hochaktuellen Themen: politischen Fehden, Klassenkampf, Ideologiekämpfen sowie der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Als heutiger Bezug kommen einem außerdem die jüngsten politischen Ereignisse in Polen und der Türkei und natürlich derzeit in Deutschland in den Sinn.

Die Queen hatte ebenfalls ihren besonderen Auftritt:

Regisseur Stefan Otteni lässt diese Mischung zunächst zwar langsam angehen, tritt dann aber zunehmend aufs Gaspedal und lässt die allesamt brillant spielenden neun Darsteller – sie schlüpfen in über 30 Rollen – zunehmend von der Leine. Auch zeigt Ottenis Inszenierung sein gutes Gespür für das Zusammenspiel von Bühne, Licht, Musik und Körperlichkeit. Die raffinierte, flexible Bühne lässt Einblicke in verborgene Geschehnisse zu. Dass sich die Bremer Shakespeare-Company zudem aufs Skurrile versteht, zeigen die Auftritte der Hexen aus Macbeth, der 1997 verstorbenen Prinzessin Diana und der Queen sowie einer äußerst lebendigen Ahnengalerie, die Otteni als Geister erscheinen lässt.

Die über 400 Theaterbesucher lassen sich ganz und gar auf das Spiel zwischen Sein und Schein ein, das selbst in der Pause nicht abreißt. Denn kaum haben die Zuschauer gegen 22 Uhr den Theatersaal verlassen, um sich ein Getränk zu holen, stürmen aufgeheizte Revolutionäre und Royalisten das Foyer. Die Nationalhymne wird gesungen oder „Nieder mit der Monarchie“ gebrüllt und ein Extrablatt von „Blick“ mit Skandalgeschichten um Prinz Harry, mit den nackten Brüsten seiner Jessie auf dem Titelblatt, verteilt: das ist brillant. In ein Stück, dass die Shakespeare Company spielt, gehören natürlich auch Running Gags, und die streut Otteni immer mal wieder ins Geschehen ein.

„King Charles III“ in der Stadthalle Verden

Beispielsweise, wenn ein Ahne aus dem Background fröhlich-vulgär „ein Fick, ein Fick, ein Königreich für ein Fick“ für Prinz Harry fordert.

Fazit: Dem Dramatiker und Komödianten Shakespeare hätte die Aufführung sicher ebenso gut gefallen wie dem Publikum. Ob es die Royals im fernen Buckingham-Palast ebenso begeistert aufnehmen würden, ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Das Publikum wurde immer wieder in die Ereignisse mit einbezogen. So hat es lautstark mitprotestiert. 

nie

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