Kies, Schotter, Plastik

Moderne Gartengestaltung lässt Insekten und Vögeln keinen Raum

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Aus einer Rasenfläche in Dauelsen ist dieses wunderschöne Stauden- und Gehölzbeet geworden. Lebensraum für Wildbienen und Augenweide für den Betrachter.

Landkreis - Von Erika Wennhold. „ Naturschutz fängt im eigenen Garten an.“ Das hat sich auch Udo Paepke zu Herzen genommen und die Rasenfläche vor seinem Haus umgegraben, um sie mit blühenden Stauden und Gehölzen zu bepflanzen. Ein Paradies für Insekten.

Klar, von einem aktiven BUND-Mitglied erwartet man in Zeiten des Insektensterbens genau so etwas. Aber wie halten es andere Gartenbesitzer damit? Auf einem Spaziergang mit Udo Paepke durch altverdener Straßen und neuen am Rande der Stadt wird deutlich: Im Trend liegen Kies, Schotter, Pflaster und Plastikzäune.

Wir treffen uns an der Georgstraße in Verden und erkunden die Umgebung mit alter Wohnbebauung und Gärten, in denen Bäume wachsen durften und Hecken die Grundstücksgrenzen markieren. Hier gefällt Udo Paepke Efeu, der Zäune hochgerankelt ist und Blüten trägt, in denen sich Insekten tummeln. 

Uralte Bäume mit massiven Umfang beschatten in imposanter Weise den Vorgarten einer Villa am Andreaswall. Gleich gegenüber demonstriert ein Mehrparteienhaus, wie in modernen Zeiten mit der Natur umgegangen wird: Pflaster und Kies verhindern, dass sich um den Eingang herum Natur breitmachen könnte. „Typisch“, beurteilt Paepke die Situation, eine Straße weiter wird er drastischer: „Das sind ökologische Wüsten“, ordnet er zwei Vorgärten ein.

Hier ist für Pflanzen und Insekten nichts übrig geblieben.

Der eine ist mit Folie ausgelegt, auf der großzügig Holzschnitzel verteilt sind. Für ein paar kleinwüchsige Gehölze gibt es Aussparungen. „Unter der Folie ist das Überleben für Kleinstlebewesen kaum möglich. Es fehlt an Sauerstoff und Licht“, gibt der Naturschützer zu bedenken. Zwei Häuser weiter ist er nahezu sprachlos. Vorgarten und Terrasse sind komplett mit Schotter belegt, das Ganze mit einem Kunststoffzaun blickdicht gemacht. Vereinzelt sieht man ein paar Pflanzen. Kein Ort für Vögel, Insekten oder Kleinstlebewesen.

Naturschutzverbände gehen von einem dramatischen Insektenrückgang in Höhe von 75 Prozent aus. Dafür verantwortlich gemacht wird der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, aber auch die stetige Versiegelung von Böden. Paepke: „Laut Statistischem Bundesamt liegt der Flächenverbrauch in Deutschland pro Tag bei 69 Hektar. Ziel sei eine Reduzierung auf 30 Hektar bis 2020 und auf Null bis 2030.

Landwirte und Gartenbesitzer sind gefordert, sensibler mit ihren Flächen umzugehen. Udo Paepke möchte aber auch die Städte und Gemeinden in die Pflicht zu nehmen. „Zum Beispiel könnte man in Neubaugebieten eine Gestaltungssatzung für nicht überbaubare Flächen erstellen.“

Mit solch einer Gestaltungssatzung würde ein Neubaugebiet am Rande der Stadt wohl anders aussehen. Der Schottergarten zwischen Bahnhof und Dom hat den Naturschützer an ein besonders krasses Beispiel von moderner Gartengestaltung erinnert und er bittet mich, ihn dorthin zu begleiten. Als ich aussteige und mich umsehe, bin ich einigermaßen erschüttert. Der grüne Garten ist hier die absolute Ausnahme. Wo man hinsieht, beherrschen Ziersplitt oder -kies das Bild. In verschiedenen Farben wurden Muster gelegt, mal ist die Krönung des Ganzen eine anderfarbige Kugel, mal ein runder Buchsbaum.

Beklemmend sauber in der Gegend

Der Straßenraum macht da keine Ausnahme. Was nicht gepflastert werden konnte, ist mit Kies ausgelegt. Kein Grashalm, kein sogenanntes Unkraut hat eine Chance. Es ist beklemmend sauber in dieser Gegend. Aber warum? Udo Paepke weiß Antworten: „Für einen Garten braucht man Zeit, er macht Arbeit und verursacht Kosten. Wolle man Gartenbesitzer zum Umdenken bewegen, müsse man sie unterstützen.

Das beginne beim Laub- und Grünschnittabtransport, dem kostenfreien Angebot von Laub- und Obstbäumen und bei der Vorbildfunktion der Städte und Gemeinden. Die müssten ihre eigenen Flächen erst einmal ökologisch aufwerten und nachhaltig denken, damit Wildbienen und andere Insekten wieder Lebensraum finden und die Welt wieder bunter sei.

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