Khan Zaman aus Afghanistan absolviert in der Allerstadt eine Ausbildung zum Dachdecker

Von Nangarhar nach Verden

Khan Zaman (l.) und sein Ausbilder Arne Püllmann.
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Khan Zaman (l.) und sein Ausbilder Arne Püllmann.

Verden - Von Stephanie Bommes. Seit September 2014 macht Khan Zaman aus dem afghanischen Nangarhar eine Ausbildung zum Dachdecker bei Püllmann Dachbau. Bis er dort arbeiten konnte, war es ein langer Weg.

Am 28. Mai 2011 kam Khan Zaman mit 17 Jahren aus dem Osten Afghanistans nach Hamburg. Sein Vater hatte ihn nach Deutschland geschickt. Vorher wusste er nichts über Deutschland und Europa, konnte nur ein bisschen Englisch.

Wegen des Krieges in Afghanistan flüchtete seine Familie nach Pakistan. Erinnern kann er sich daran nicht mehr. In Pakistan ging er bis zur fünften Klasse in eine afghanische Schule. Auf eine höhere Schule durfte er nicht wechseln. Immer wieder geriet seine Familie mit pakistanischen Behörden in Konflikt. Deshalb kehrte sie nach Afghanistan zurück. Dort baute sich Zaman ein Leben als Schweißer auf. Trotzdem musste er im Januar 2011 flüchten. Die Taliban wollten ihn anwerben. „Dann kommst du ins Paradies“, haben sie zu ihm gesagt. Die zunehmende Gefahr durch die Taliban veranlasste seine Eltern dazu, ihn nach Deutschland zu schicken.

Ohne seine Eltern und Geschwister flüchtete der Afghane mit Hilfe einer Organisation in einer Gruppe über Pakistan, den Iran und die Türkei nach Griechenland. Die Flucht legten sie nachts zu Fuß und tagsüber im Kofferraum eines Autos zurück. Während der Wanderung von der Türkei nach Griechenland starben zwei der Flüchtlinge. „Es lag Schnee und man konnte nicht sehen, ob man vor einem Abgrund stand“, erklärt der 21-Jährige.

Seine Flucht dauerte fünf Monate, vom 9. Januar bis zum 28. Mai 2011. Erst später erfuhr er, dass sie fast 7000 Euro gekostet hatte.

Als Zaman nach einer Odyssee quer durch Europa in Hamburg angekommen war, ging er zur nächsten Polizeibehörde. Über das Grenzdurchgangslager Friedland kam er nach Oldenburg. Zunächst verweigerte ihm das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Asyl. Um die Ablehnung zu widerrufen, musste er sich einen Anwalt aus Hannover nehmen. Seine Aufenthaltserlaubnis gilt jetzt bis Dezember diesen Jahres. Dann wird sein Asylantrag erneut geprüft.

Deutsch und die lateinische Schrift lernte der Afghane in verschiedenen Sprachkursen in ganz Niedersachsen. An der Volkshochschule Verden machte er den Hauptschulabschluss. „Manchmal war ich sehr traurig, weil ich nicht so gut Deutsch konnte wie die anderen. Also habe ich mir Wörterbücher gekauft und mit dem Internet gelernt“, berichtet Zaman. Unterstützung bekam er auch von den Beamten der Verdener Ausländerbehörde.

Während eines zweiwöchigen Praktikums bei Püllmann Dachbau fiel er durch seine Motivation auf. „Der zeigt Willen. Den kannst du ausbilden, haben mir meine Mitarbeiter gesagt“, erzählt Arnd Püllmann, Inhaber der Firma. Auch Zaman merkte, dass der Beruf zu ihm passt. „Ich wollte das dann unbedingt machen“, sagt der Dachdeckerlehrling. Die Ausbildung hat er im September 2014 begonnen. „Wir brauchen so motivierte Leute wie Khan. Es ist schade, dass es für Ausländer, die wirklich arbeiten wollen, so schwer in Deutschland sein kann“, bemängelt Püllmann.

Wenn Zaman seine Ausbildung nach drei Jahren abgeschlossen hat, will sein Arbeitgeber ihn übernehmen.

„Ich möchte hier bleiben und ein ruhiges Leben führen, mit eigenem Haus, einer Frau, Kindern und einem eigenen Auto. Das ist ganz wichtig, das Auto“, erzählt er lachend.

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