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Sturmbilanz: 320 Einsätze im Kreis Verden / Kettensägen im Dauereinsatz

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Von: Erika Wennhold

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Ein Baum hat ein Dach zerstört, Feuerwehrleute sind mit der Drehleiter im Einsatz.
Ein Baum bohrte sich am Nikolaiwall durch den Dachstuhl. Die Feuerwehr kam mit der Drehleiter. © Feuerwehr Verden

320 Unwettereinsätze hat es zwischen Freitagabend und Samstagmorgen im Landkreis Verden gegeben. Das teilt Landrat Peter Bohlmann mit. Darunter waren gefährliche und spektakuläre Vorfälle, die den Feuerwehren im Landkreis Verden einiges abverlangten.

Landkreis –Unzählige Bäume kippten um, große Äste fielen ab, Straßen, Rad- und Fußwege waren blockiert und sorgten für Unfälle. Im Landkreis Verden sind jedoch keine verletzten Personen zu beklagen. Feuerwehr und Polizei waren die gesamte Nacht im Dauereinsatz, berichtet die Polizei und bestätigt Landrat Bohlmanns Einschätzung, dass man noch glimpflich davon gekommen sei.

Allerdings ist der Sachschaden hoch, denn der Sturm ließ Bäume auf Hausdächer stürzen, zwei Fälle im Stadtgebiet von Verden zeugen von der Kraft, die Windgeschwindigkeiten in Orkanböen entwickeln.

Zahlreiche Straßensperrungen

Wegen umgestürzter Bäume kam es zu zahlreichen Straßensperrungen, unter anderem im Bereich der B 215 zwischen dem Abzweiger nach Völkersen und Heidkrug. Unzählige Bäume lagen auf der Fahrbahn und konnten erst am Samstagvormittag entfernt werden. So verhielt es sich auch im Bereich Diensthop in Dörverden. Aufgrund von umgestürzten Bäumen musste die Durchgangsstraße gesperrt werden.

Am Freitag in den Abendstunden und in der Nacht bis zum Samstagmorgen kam es zu diversen Einsätzen im Zuständigkeitsbereich der Autobahnpolizei Langwedel. So wurden immer wieder Bäume durch den Sturm abgeknickt oder entwurzelt und blockierten die A 27 zwischen dem Bremer Kreuz und Walsrode/West.

Autobahn wird teilweise gesperrt

Besonders betroffen war der Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Verden/Ost und Walsrode/West. In einem besonders gefährdeten Bereich wurde ab 2 Uhr nachts der Hauptfahrstreifen gesperrt. Ein spektakulärer Unfall ereignete sich am Freitagabend gegen 19 Uhr hinter der Anschlussstelle Verden/Ost. Ein Baum war über die gesamte Fahrbahnbreite gekippt. Drei Lkw-Fahrer erkannten in der Dunkelheit das Hindernis zu spät und kollidierten mit dem Baum. Während zwei Lkw noch ausweichen konnten und nur leichte Lackschäden davontrugen, fuhr der dritte frontal gegen den Baum. Der Schaden wird auf rund 10 000 Euro geschätzt. Die Feuerwehr entfernte den Baum. Nachdem sie die Einsatzstelle verlassen hatte, nahmen die Beamten der Autobahnwache den Verkehr langsam auf und konnten nur fünf Kilometer weiter gerade noch vor dem nächsten Baum anhalten und den Verkehr stoppen. Dieser Baum musste genau zwischen dem Passieren der Feuerwehr und dem Ankommen der Beamten auf die Fahrbahn gekippt sein.

45 Einsätze allein im Verdener Stadtbereich, Dunkelziffer sicher deutlich höher

Windgeschwindigkeiten von zeitweise über 100 Kilometer pro Stunde hinterließen auch in der Stadt Verden deutliche Spuren. Die Feuerwehr spricht von 45 Einsätzen, zu denen die acht Ortswehren gerufen wurden. Auch der Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) half mit, die Schäden abzuarbeiten. Die Anzahl der tatsächlich notwendigen Einsätze dürfte nach Einschätzung der Feuerwehr jedoch viel höher gewesen sein, denn aufgrund der Häufung habe nicht für jeden Einsatz ein offizieller Bericht angelegt werden können.

Ab circa 19 Uhr am Freitagabend habe das Einsatzgeschäft in Verden langsam Fahrt aufgenommen. Zunächst habe es sich überwiegend um umgestürzte Bäume, heruntergefallene Äste oder umgewehte Gegenstände, wie beispielsweise Bauzäune, gehandelt.

Großeinsatz an der Eitzer Straße: Tanne stürzt auf Wohnung

Am aufwendigsten gestaltete sich für die Feuerwehr ein Einsatz in der Eitzer Straße. Hier war eine mächtige Tanne auf einen als Wohnung genutzten Anbau eines Wohnhauses gestürzt. Der wurde massiv beschädigt, es bestand akute Einsturzgefahr. Die Ortsfeuerwehr Verden, das THW sowie Einheiten der Kreisfeuerwehr waren mehrere Stunden im Einsatz, um zu retten, was noch zu retten war. Am Nikolaiwall sowie in den Ortschaften Dauelsen und Eissel stürzten weitere Bäume auf Gebäude und sorgten für zeitintensive Einsätze. Am Pipenbrink in der Verdener Innenstadt deckte der Sturm rund 20 Quadratmeter eines Flachdaches ab. Neben der Ortsfeuerwehr Verden und dem THW musste die Absturzsicherungsgruppe der Stadtfeuerwehr Verden gerufen werden, um das Dach zu sichern.

Wehr eingekesselt von umstürzenden Bäumen

Neben den zahlreich eingesetzten Motorkettensägen, war die Drehleiter beinahe ununterbrochen unterwegs, denn auch die Nachbargemeinden baten um Hilfeleistungen. Einer der Einsatzschwerpunkte lag jedoch auf der Autobahn, wo deutlich wurde, welcher Gefahr die Einsatzkräfte während der anhaltend starken Orkanböen ausgesetzt waren. Auf der Anfahrt zu einem Einsatzort kollidierte ein Löschfahrzeug der Ortsfeuerwehr Verden mit einem direkt vor ihm umstürzenden Baum. Nur dem umsichtigen Verhalten des Fahrers, sei es zu verdanken, dass es keine Verletzten oder größeren Sachschaden gegeben habe. An der Einsatzstelle angekommen schlug direkt neben den Einsatzkräften ein weiterer Baum auf der Fahrbahn ein. Da der Einsatzabschnitt auf der Autobahn als zu unübersichtlich eingestuft werden musste und die Gefahr weiterer umstürzender Bäume zu groß war, wurden die Arbeiten in diesem Bereich eingestellt. Eine richtige Entscheidung wie sich später herausgestellt habe: Auf dem Rückweg seien die Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehr Verden im Bereich der Behelfsabfahrt Lehringen von umgestürzten Bäumen eingeschlossen gewesen. Weitere Bäume drohten auf die Mannschaft mit ihren Fahrzeugen zu fallen. Erst nachdem sich die Kräfte selber aus ihrer misslichen Lage befreit hatten, konnten sie die Rückfahrt ins Stadtgebiet fortsetzen.

Ohne das dichte Netz und die hohe Professionalität der Feuerwehren seien solche Lagen nicht unter Kontrolle zu bringen, kommentiert Landrat Bohlmann die Sturmnacht und bedankt sich bei allen Einsatzkräften.  

Eine mächtige Tanne hat das Dach eines Anbaus zerstört.
Durch einen massiven Baum wurde der Anbau eines Wohnhauses in der Eitzer Straße beschädigt. © Feuerwehr Verden
Eine Drehleiter vor einem Wohnhaus.
Die Drehleiter war im gesamten Kreisgebiet im Einsatz. © Feuerwehr Verden
Ein Baum liegt quer über einer Straße
Komplett gesperrt werden musste die Straße zwischen Westen und Diensthop. © von Seggern

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