Unterschutzstellung im Fachausschuss

Kein Kompromiss für die Aller

In trockenen Tüchern ist die Verordnung für Natur- und Landschaftsschutz an der Aller (hier die Alte Aller) noch nicht. - Foto Wächter

Verden - Die Unterschutzstellung der Wümmeniederung in Fischerhude war eine Erfolgsgeschichte, die sich an der Aller wiederholen könnte. Das hoffen zumindest viele Beteiligte. Dass das Verfahren nicht reibungslos läuft, wurde aber erneut deutlich, als der Kreistagsausschuss Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft an der Verabschiedung der Schutzverordnung weiterarbeiten wollte.

Entgegengesetzte Interessen von Nabu und Landwirtschaft prallten dabei erneut aufeinander. Und der eine oder andere Abgeordnete rechnete bereits damit, dass erst der neue Kreistag nach der Wahl das Projekt verabschieden könnte.

„Das ist ein großes Thema für den Landkreis“, war Ehler Lohmann bewusst. Der Grünen-Abgeordnete hatte den Vorsitz für eine Sitzung übernommen, deren Verlauf nicht abzusehen war. Die öffentliche Auslegung des Verordnungsentwurfs läuft noch bis zum 14. September und die Träger öffentlicher Belange hatten bereits Gelegenheit zu Anregungen und zur Äußerung ihrer Bedenken. Dabei, aber auch in der öffentlichen Diskussion wurden bereits sehr verschiedene Ansichten über Einzelheiten des Entwurfs laut.

„Wir haben mit allen Bevölkerungsgruppen gesprochen“, berichtete Thomas Arkenau, der im Kreishaus mit dem Projekt betraut ist. Die Abwägung von Einwänden habe zu vielen Gesprächen geführt und dabei hatte der Fachdienst beim Landkreis mit der Landwirtschaft und Jägern bereits Kompromiss-Vorschläge gefunden. Landvolk-Geschäftsführer Carsten Hipp und der Vorsitzende der Jägerschaft, Jürgen Luttmann, äußerten sich in der Sitzung zufrieden damit. Sie warnten aber auch davor, diese Pakete wieder aufzuschnüren.

Genau das aber wäre die Konsequenz, wenn die Schutzgebietsverordnung stärker auf die Forderungen des Nabu eingehen würde. Dem Naturschutzverband gehen die Pläne nicht weit genug. Im Wesentlichen setzt er sich dafür ein, die gesamte überplante Fläche im Verlauf der Aller als Naturschutzgebiet auszuweisen. Der Landschaftsschutz genüge nicht.

Sogar rechtliche Unterstützung hatte der Kreisverband gesucht, so dass der Vorsitzende Bernd Witthuhn eine Einschätzung zur Sitzung mitgebracht hatte. Das Fachanwaltsbüro gründet seine Sicht auf die FFH-, die Vogelschutz-Richtlinie und den europarechtlich gebotenen Schutz von Natura 2000-Gebieten.

„Jeder muss zu Wort kommen können“

Eine Stellungnahme zu den Nabu-Anliegen zuzulassen, die Sylke Bischoff vorbereitet hatte, konnten die Abgeordneten sich aber in der Sitzung nicht durchringen. Fachbereichsleiter Volker Lück und Wilhelm Hogrefe (CDU) waren sich einig, dass eine solche Aussprache sinnvoll wäre, aber dann auch alle Positionen zu Wort kommen können müssten. Im Übrigen, so Hogrefe, hätten die Abgeordneten die Stellungnahme des Nabu ebenso wie die anderen gelesen: „Wir brauchen keine Nachhilfe“, stellte er fest.

Durch die Bank unterstützten die Vertreter der Kreistagsfraktionen Arkenaus Plan, Konflikte, etwa mit der Landwirtschaft, wie beim Wümme-Projekt anzugehen. Verträge zur Bewirtschaftung mit eventuellen Ausgleichszahlungen hatten zu einer einvernehmlichen und sehr erfolgreichen Umsetzung geführt. Dennoch empfahl der Naturschutzbeauftragte Gustav Schindler, noch einmal mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen und eine gemeinsame Kompromisslinie zu finden.

Einig sind sich die Kreistagsfraktionen indes auch noch nicht. Während Hogrefe den Entwurf der Kreisverwaltung als beschlussreif ansah und Fritz-Heiner Hepke (SPD) darin eine gute Basis für die Verordnung entdeckte, sah Frank-Peter Seemann (Grüne) weiteren Gesprächsbedarf. Er nahm den Ball des Nabu auf und wollte den Zuschnitt des künftigen Schutzgebietes näher geklärt haben. Auch befürchtete er, dass die Restriktionen, die die Verordnung festlegen soll, bislang nicht gleichmäßig verteilt sind. Seemann hatte dabei unter anderem die Hundehalter im Blick.

kle

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