Sondersitzung

Kein Aus für Brückenschlag: Stadtrat stimmt zusätzlichen Ausgaben von 822.000 Euro zu

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Jetzt steht dem Bau nichts mehr im Wege.

Verden - Zehn Jahre alt ist die Geschichte des „Brückenschlags über die Aller“. Immer hatte es für die Radverbindung zwischen der Stadt Verden und der Gemeinde Dörverden eine große Mehrheit im Stadtrat gegeben. Als jetzt, kurz vor der Verwirklichung, die Mehrkosten von 822 000 Euro bekannt wurden, stand das vom Bund geförderte Leuchtturmprojekt auf einmal wieder komplett zur Disposition. In einer Sondersitzung konnte sich eine Mehrheit des Gremiums dennoch für den Bau durchringen.

In einem waren sich die Mitglieder des Rats einig: Die Entscheidung, die sie da zu fällen hatten, war schwierig. „Wirklich richtig machen kann man das nicht“, fasste der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Jens Richter, zusammen. Das „Ja“ bedeute eine erhebliche Mehrausgabe, die auch an anderer Stelle gut zu verwenden wäre. Er erinnerte an die Probleme in der Kläranlage sowie Baumaßnahmen an Feuerwehrhäusern und den anderen Radwegen in der Stadt.

Und mit einem „Nein“ sei eine Chance vertan, die auch die anderen Fraktionen als „historisch“ bewerteten. Letztlich sei der Radweg an der neuen Eisenbahnbrücke, dessen Verwirklichung fünf Millionen Euro verschlingen werde, nur ein Nice-to-have. „Schön, aber nicht notwendig“ hatte sich die CDU-Fraktion geeinigt und war mit dem Vorsatz ins Rathaus gekommen, das Projekt sterben zu lassen.

Die Sozialdemokraten hatten sich geeinigt, die finanzielle Kröte zu schlucken. Fraktionschef Michael Otten betrachtete das Projekt mit Blick in die Zukunft: „Der Straßenverkehr, wie wir ihn kennen, wird sich verändern.“ Er wies auf Prognosen hin, nach denen sich der Anteil des Fahrrads erhöhen und der Autoverkehr an Bedeutung verlieren werde. Das E-Bike hätte der allgemeinen Tendenz noch einen kräftigen Schub gegeben.

„In zehn Jahren sind wir alle dafür“

Eine Investition in Radverkehr sei deshalb richtiger, und gerade dieses Projekt herausragend und eine Attraktion für die Stadt. Die Kosten dagegen wären in einigen Jahren vergessen.

Auch Grünen-Fraktionschef Rasmus Grobe sah hier keine Verschwendung von Steuermitteln, angesichts der überregionalen Bedeutung des Projekts. Und die sah er auch mit Blick auf den Klimaschutz gegeben.

Ähnlich argumentierte auch Henning Wittboldt-Müller, Vorsitzender der FDP-Fraktion: „In zehn Jahren sind wir alle dafür.“ Seine Fraktion werde für die Verwirklichung stimmen, zumal die Idee ursprünglich aus der FDP-Hochburg Eitze kam.

Wie seine Vorredner empfand auch der Liberale die Verteuerung als „ärgerliches Geld“. Den Ursachen war Ingo Neumann (SPD) nachgegangen, neben der Verteuerung durch den allgemeinen Bauboom, sei allein der Preis für Stahl seit der Kostenschätzung um 78 Prozent gestiegen. Er empfahl, in den sauren Apfel zu beißen, zumal sonst die 1,7 Millionen Euro für Planung und Vorleistungen verbrannt seien. Frank Medenwald (CDU) konnte auch keinen Sinn in allen weiteren Ausgaben sehen. Einen nennenswerten Beitrag zum Klimaschutz über die Signalwirkung hinaus bezweifelte er jedenfalls.

Mit seinem Antrag, den Beschluss in geheimer Abstimmung zu fassen, schaffte der Christdemokrat Zweiflern in den anderen Fraktionen die Möglichkeit, unerkannt ihre Ablehnung anzubringen. Das Auszählungsergebnis allerdings enttäuschte Hoffnungen dieser Art. Von den 32 wahlberechtigten Ratsmitgliedern stimmten 19 für den Brückenschlag und 13 dagegen. Damit kann die Stadtverwaltung den Auftrag für den Bau erteilen. kle

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