Die Seniorenkantorei singt seit fünf Jahren / Ausgebremst durch Corona

Kein bisschen leise

Als noch – vor Corona – gesungen werden durfte: die Seniorenkantorei bei einer Probe mit Chorleiter Tillmann Benfer. Gesungen wird übrigens im Sitzen. Foto: haubrock-kriedel

Verden – Auch wenn sie den 60. Geburtstag längst hinter sich gelassen haben, sind die Mitglieder der Seniorenkantorei noch kein bisschen leise. Bereits seit fünf Jahren treffen sich die sangesfreudigen Damen und Herren jeden Dienstag, von 16.30 bis 18 Uhr, im großen Saal des Domgemeindezentrums und üben gemeinsam mit Chorleiter Tillmann Benfer alt bekannte und neue Stücke. Die Freude am Singen und der Spaß an der Gemeinschaft stehen dabei im Vordergrund. Durch die Corona-Pandemie müssen die Proben zur Zeit leider ausfallen. Alle hoffen jedoch, bald wieder durchstarten zu können.

„Singen hält uns jung“ lautet der Tenor in der Seniorenkantorei. Doch in der Regel ist für die meisten Chormitglieder spätestens nach dem 65. Geburtstag Schluss mit dem gemeinsamen Singen. Manche Chorleiter setzen die Altersgrenze noch früher fest, denn die Stimme verliert im Alter an Strahlkraft. „So manchem älteren Mitglied des Domchores wurde auch das Üben und lange Stehen für die großen Oratorien zu anstrengend“, so Margarete Eckermann bei der letzten Probe am 10. März.

Aus diesen Gründen regte der im letzten Jahr verstorbene ehemalige Leiter des Gymnasiums am Wall, Dr. Martin Pertiet an, einen Chor für Senioren zu gründen. Tillmann Benfer, Kirchenmusikdirektor im Dom, griff diese Idee gern auf. Am 17. Februar 2015 traf sich der Chor zum ersten Mal. Es kamen erfahrene Chormitglieder, aber auch Menschen, die erst im Alter die Freude am Singen neu entdeckt haben. Die Mitglieder kommen nicht nur aus Verden, sondern zum Beispiel aus Kirchlinteln, Martfeld und Otersen. Das Alter ist dabei von Jahrgang 1933 bis 1956 breit gestreut. Wie bei den meisten Laienchören sind auch in der Seniorenkantorei die Frauen in der Überzahl, doch die Damen freuen sich über einige stimmgewaltige Männer, die für die sonore Basis sorgen.

Tillmann Benfer hat dabei das richtige Händchen für die geeigneten Stücke. „Er sucht schöne Lieder und Stücke für uns aus, für den Sopran wird gelegentlich auch tiefer angestimmt“, berichtet Margarete Eckermann. Der Vielfalt sind dabei keine Grenzen gesetzt. „Wir singen Geistliches und Weltliches, zum Beispiel romantische Chorlieder von Mendelssohn. Wir haben aber auch modernere Lieder aus dem neuen Gesangbuch im Repertoire“, so Benfer.

Die Seniorenkantorei singt bei Gottesdiensten, den Dommusiken und tritt auch in Krankenhäusern und Altenheimen auf. Momentan fallen diese Auftritte natürlich flach. Als herausragendes genreübergreifendes Konzert erinnern sich alle noch gern an das „Rock-Requiem“ im November 2017. Hier trat die Seniorenkantorei gemeinsam mit der Domkantorei, einer Rockband und den Musikern der Sinfonietta Aller-Weser auf.

Auch wenn die Auftritte jedes Mal etwas Besonderes sind, am wichtigsten ist allen jedoch die Gemeinschaft. „Bei uns fehlt nur jemand, wenn er krank ist, sogar an Geburtstagen kommen wir zum Chor“, erzählt Margarete Eckermann.

Tatsächlich gab es bei der Probe gleich zwei Geburtstagskinder. Karin Haehn feierte ihr 80. und Elke Detjen-Vogeley ihr 70. Wiegenfest. Dass beide mit einem Ständchen geehrt wurden, versteht sich von selbst. Um so schmerzlicher vermissen jetzt alle die Gemeinschaft. „Das Singen im Chor ist von den Lockerungen noch ausgenommen, selbst in Gottesdiensten darf wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr nicht gemeinsam gesungen werden. Wann es bei uns weitergeht, ist daher noch nicht abzusehen. Ich melde mich aber regelmäßig digital oder per Brief bei den Mitgliedern“, berichtet der Chorleiter.

Aus den Rückmeldungen werde deutlich wie sehr allen das gemeinsame Singen und die sozialen Kontakte fehlen. „Die Entzugserscheinungen sind immer deutlicher zu spüren“, hat Benfer beobachtet.

Für die Zeit nach Corona würde sich die Seniorenkantorei über weitere Mitstreiter sehr freuen. Besonders für Bass, Tenor und Sopran werden noch Sängerinnen und Sänger gesucht. Chorerfahrung ist nicht notwendig, jeder ist willkommen.  ahk

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