Kein Antrag auf Erdgasförderung / TV Verden zeigt sich überrascht

DEA kauft Nachbarfläche im Wasserschutzgebiet

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Carsten Hauschild vor dem Gelände der DEA in Scharnhorst. Das gesamte Gebiet liegt in einer Trinkwasserschutzzone, die vordere Fläche hat das Unternehmen jetzt dazu gekauft.

Verden - Von Markus Wienken. Die Deutsche Erdöl AG (DEA) hat in Scharnhorst, neben der bereits bestehenden Förderbohrung Z4, eine weitere Fläche gekauft. „Es handelt sich lediglich um die Sicherstellung eines Grundstückes“, bestätigte Pressesprecher Heinz Oberlach gestern auf Anfrage. Carsten Hauschild, SPD-Ratsherr und Mitglied der Bürgerinitiative „No Fracking“, ist sich hingegen sicher: „Wer kauft, der will auch fördern.“

Hauschild steht vor dem Gelände der DEA in Scharnhorst. Er zeigt auf das Förderfeld, im Vordergrund die Bohrung Z4, wo Erdgas gewonnen wird, dahinter H1, wo bis 2012 Lagerstättenwasser verpresst wurde. „Wir sind in der Trinkwasserschutzzone 3, hier sollte gar nichts mehr passieren“, betont Hauschild. Er zeigt in die entgegengesetzte Richtung: „Knapp 600 Meter entfernt liegt ein Förderbrunnen des Trinkwasserverbandes Verden, das sagt doch eigentlich alles.“ Dass die DEA nun eine weitere Fläche aufkauft, macht den Ingenieur hellhörig und zornig. „Angesichts der Vorkommnisse in der Vergangenheit sollte jede weitere Bohrung unterbleiben“, so seine Forderung.

Den Kauf des Grundstückes zwar bestätigt, macht DEA-Pressesprecher Heinz Oberlach deutlich, dass sein Unternehmen noch keine weiteren konkreten Pläne mit der Fläche habe. „Es gibt keinen Antrag für eine Bohrung, es handelt sich lediglich um einen Vorratskauf“, betont er. Denkbar sei auf dem Gelände eine Platzerweiterung. Es werde aber nichts „durch die kalte Küche passieren“, versicherte er außerdem.

Da liegt er mit dem Landesamt für Bergbau und Geologie (LBEG) auf einer Linie. „Ehe gefördert werden darf, gilt es, eine lange Liste von Bedingungen zu erfüllen“, erklärt LBEG-Pressesprecher Björn Völlmar. Mal eben auf dem Nachbargrundstück bohren und dann fördern, das gehe gar nicht. Noch vor der ersten Erkundungsbohrung müsste ein Betriebsplan vorgelegt werden, auch die Gemeinde und der Landkreis müssten informiert werden. Ist die Bohrung erfolgversprechend, sei ein weiterer Betriebsplan notwendig, um das Gas zu fördern. „Das ist ein langer Weg“, so Pressesprecher Völlmar.

Stefan Hamann, Geschäftsführer des Trinkwasserverbandes Verden, zeigte sich gestern von der Nachricht des Grundstückskaufs völlig überrascht. „Davon wussten wir nichts“, gab er offen zu, versprach aber, sich umgehend mit den zuständigen Verantwortlichen in Verbindung zu setzen. Neben seiner Verwunderung versuchte Hamann aber auch, ein wenig Gelassenheit zu verbreiten: „Laut Willen des Gesetzgebers sind in Trinkwasserschutzzonen keine neuen Erdgasbohrungen genehmigungsfähig.“ Möglichen Förderplänen steht der Geschäftsführer daher eher skeptisch gegenüber.

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