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Kaum Wohnraum für Geflüchtete

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Von: Ronald Klee

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Die Krisen in der Welt veranlassen die Menschen, ihre Heimat zu verlassen und im Asyl ein besseres, sichereres Leben zu suchen. Einige von ihnen kommen auch in den Landkreis Verden. Mittlerweile wird der Wohnraum knapp und der Landkreis als Sozialbehörde sucht händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten.

Bei der Demonstration auf dem Rathausplatz in Verden steht ein Mann mit einem Mikrofon im Mittelpunkt. Um ihn herum stehen Menschen.  Einige von ihnen haben eine afghanische Flagge ausgebreitet.
Nach dem Umsturz in Afghanistan im vergangenen Jahr hatten sich auch auf einer Demonstration in Verden viele für die Unterstützung der von Taliban verfolgten einheimischen Hilfskräfte eingesetzt. © Archiv Klee

Landkreis – Jahre war es ruhig, aber jetzt wird es langsam ernst für Karsten Bödeker. Der Leiter des Fachdienstes Soziales im Kreishaus findet kaum noch Wohnraum, wo er Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf anbieten kann. Entwicklungen wie in Afghanistan haben den stetigen Zustrom verstärkt und so kämpft der Landkreis zunehmend mit einem Engpass. „Es ist ernster als seit Jahren“, berichtete Bödeker den Kreistagsabgeordneten im Sozialausschuss.

Nach Ankündigung des Landes kann der Fachdienst damit rechnen, dass monatlich 40 bis 50 Geflüchtete im Landkreis ankommen. Die Aufgabe von Karsten Bödeker und den Kräften in seinem Fachdienst ist dann erst einmal, die Menschen in Wohnungen unterzubringen. Aber da genau liegt derzeit das Problem. Der Wohnungsmarkt ist sowieso schon eng und selbst, wenn der Landkreis als Mieter auftritt, wird es kaum leichter, den Zuschlag für eine Wohnung zu erhalten. Das hatte auch eine offizielle Suche des Fachdienstes gezeigt. Da sei ihm kaum etwas angeboten worden.

„Der Wohnungsmarkt im Landkreis ist ausgereizt“, bestätigte Landrat Peter Bohlmann in der Beratung. Die Bevölkerung im Landkreis wachse stetig und damit werde auch der Bedarf an Wohnraum größer. Zugleich, so Bohlmann, habe aber auch die Zuwanderung von Asylbewerbern bundesweit um 45 Prozent zugenommen. Und schließlich kämen noch die 30 000 Menschen hinzu, die nach der Machtübernahme der Taliban aus Afghanistan mit Zusagen aus Deutschland in die Bundesrepublik gekommen seien. Für diese Gruppe gelte sogar meist schon, dass sie die Anerkennung des Asylstatus haben, wenn sie eintreffen.

„Wenn sie nicht selbst eine Wohnung finden, können sie bleiben“

Petra Schütte, die Leiterin des Fachdienstes Arbeit, konnte ergänzen, dass auch viele der neu eintreffenden Geflüchteten bereits mit einem gesicherten Aufenthaltsstatus ankämen oder diesen bald erhalten. Damit würden sie gleich in den Zuständigkeitsbereich ihres Fachdienstes wechseln, könnten eine Arbeit aufnehmen und müssten sich im Prinzip selbst um ihre Unterkunft kümmern. Dass das aber für die Zugewanderten oftmals kaum zu bewältigen ist, liegt nahe. Deshalb verfolgt der Landkreis schon seit Jahren die Politik, dass die Betroffenen, die ihre Anerkennung erhalten haben, nicht etwa vor die Tür gesetzt werden. „Wenn sie nicht selbst eine Wohnung finden, können sie bleiben“, sagte Bohlmann. Damit unterstütze der Landkreis zugleich auch die Gemeinden. Eigentlich seien die nämlich „Obdachlosenbehörde“ und deshalb wäre es dann ihre Aufgabe, die Unterbringung zu gewährleisten. Von den 150 Wohneinheiten, die der Landkreis angemietet hat, seien 200 Plätze mittlerweile eigentlich Gemeindesache, kann Bödeker das mit Zahlen belegen.

„Ab April haben wir keine Plätze mehr“

Wenn also neue Flüchtlinge eintreffen, stehen Bödeker und seine Mitarbeiter weiter vor der angespannten Lage. „Wir können jetzt noch für vier bis fünf Wochen Wohnungen anbieten, aber ab April habe ich keine Plätze mehr“, fasste der Fachdienstleiter die Aussicht zusammen.

Auf längere Sicht, so der Vorschlag der Ausschussvorsitzenden Dörte Liebetruth, könnte eine angepasste Neuauflage des Wohnraumbeschaffungsprogramms Abhilfe schaffen. Das Programm hatte der Kreistag auf Anregung der Verwaltung vor fünf Jahren zur Zeit des großen Flüchtlingszustroms aufgelegt, um ungenutzten Wohnraum im Kreisgebiet mit einem Zuschuss zur Sanierung und Herrichtung nutzbar zu machen.

Beschaffungsprogramm für Wohnraum als Ausweg?

Nach Auskunft von Landrat Bohlmann ist das Programm derzeit ruhend gestellt, könnte aber jederzeit wieder aktiviert werden. Damals war das Programm eher auf eine verhaltene Resonanz gestoßen. Wohl auch deshalb ging die Diskussion im Ausschuss davon aus, dass hier eine überarbeitete Regelung getroffen werden müsse.

Von Ronald Klee

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