Große Nachfrage von Firmen, die sich im Landkreis Verden ansiedeln oder vergrößern wollen

Kaum noch Flächen für Gewerbe

Das Gewerbegebiet Finkenberg in einem Luftbild.
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Wie überall im Kreis sind auch am Finkenberg in Verden freie Gewerbeflächen kaum noch zu finden.

Mit der Aussicht auf die Gewerbeflächen in Achim-West laufen Unternehmen und Industrie- und Handelskammern (IHK) dem Rathaus der Stadt im Nordkreis die Türen ein. Der Bedarf ist groß, aber verfügbare Flächen für die Ansiedlung von Betrieben sind im gesamten Landkreis kaum noch zu finden.

Landkreis – Vitakraft will expandieren. Dem größten Arbeitgeber in Achim wie auch anderen Betrieben in der Stadt fehlt Platz für Erweiterungen. Und weil sie ihre Pläne vor Ort nicht verwirklichen können, drängt sich Vitakraft und Co die Frage auf, wo sie die nötige Zukunftsfähigkeit finden können. So entsteht ein Druck, das stockende und teilweise auch kontrovers diskutierte Großprojekt am Bremer Kreuz voranzubringen, bevor sich die Unternehmen anderweitig orientieren und ihre Arbeitsplätze mitnehmen.

Dass Mangel an verfügbaren Gewerbeflächen überall im Landkreis zu finden sei, hatte Landrat Peter Bohlmann erwähnt, als der Fachausschuss die Beteiligung des Landkreises an der Achim-West Entwicklungsgesellschaft (AWE GmbH) diskutierte (wir berichteten). Die Stadt Achim kann expansionswilligen Unternehmen jedenfalls keine Flächen mehr anbieten. Erst mit Achim-West würden auf städtischem und Bremer Gebiet noch nennenswerte Flächen entwickelt.

„Die Stadt Achim verfügt derzeit über keine eigenen vermarktungsreifen Grundstücke für industrielle und gewerbliche Flächen mehr“, fasst die Stabstelle die Situation in der Stadt zusammen. Und obwohl den Unternehmen, die im Rathaus anfragen, seit zwei Jahren immer wieder mitgeteilt werde, dass der Spielraum fehlt, sei das Interesse an industriellen und gewerblichen Flächen ungebrochen. In den zurückliegenden zwei Jahren seien 153 Anfragen nach Flächen unterschiedlicher Größe eingegangen. Bei 44 Kontaktaufnahmen sei es dabei um den Expansionsbedarf von Firmen gegangen.

Im Kreisgebiet ist die verkehrsgünstige Lage am Bremer Kreuz sicher alternativlos für Unternehmen wie Vitakraft. Erst recht für ein Logistik-Unternehmen wie die Nagel Group. Sie findet die Lage der Flächen so reizvoll, dass sie damit lockt, ihren Hauptsitz nach Achim-West zu verlegen. Über dies Interesse informierte die Stadtverwaltung die Achimer Ratsmitglieder bereits im Januar. Und auch die Industrie- und Handelskammern in Bremen und Stade setzen sich in offiziellen Schreiben für das Projekt ein.

Politisch gibt es nicht nur Unterstützung

Nachdem aber in der Stadt die politische Unterstützung für das Projekt brüchig wird, hofft im Kreistag eine Mehrheit, dass mit dem Eintritt des Landkreises in die AWE entscheidende Impulse auf die Verhandlung mit dem Bremer Nachbarn wirken. Dessen Ziel, für seine Beteiligung eine höhere Rendite zu erzielen, bremst die Verwirklichung des Projekts derzeit aus.

Aber auch im Kreistag gibt es nicht nur die Fürsprecher, sondern beharrliche Stimmen, die auf den Flächenverbrauch und die sich daraus ergebenden ökologischen Folgen hinweisen. Für die Grünen-Fraktion bleiben diese Bedenken ein Grund, eher ganz auf das Projekt verzichten zu wollen.

Im Landkreis elf Hektar freie Gewerbefläche

Auch die Landwirtschaft hat sich mehrfach gegen das Vorhaben ausgesprochen, das ihren Platz zum Ackern einschränkt. Auf diese Folgen der Ausweisung von Gewerbeflächen hatte auch der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in seinem Jahresbericht hingewiesen. Den Landwirten beschert sie gerade in Achim deutlich gestiegene Pacht- und Kaufpreise.

Alternativen sind weder für Gewerbe noch für landwirtschaftliche Betriebe mittlerweile leicht zu finden. Auch an Standorten mit deutlich weniger günstigen Verkehrsbedingungen ist das Kreisgebiet nicht üppig mit Industrie- und Gewerbegebieten gesegnet. Gut elf Hektar freie Gewerbefläche sind derzeit in den Städten und Gemeinden zu finden. Das ergibt sich aus einer Tabelle, die jetzt die Stabsstelle Planung im Kreishaus zusammengestellt hat.

Der Aufstellung aus dem Kreishaus zufolge kann die Gemeinde Oyten l noch das größte Angebot machen: 6,8 Hektar. Nach Auskunft der Gemeinde sei das aber eine Momentaufnahme, weil ständig Ansiedelungsgespräche mit Firmen geführt würden.

Mittelfristig Flächen in Verdener Gebieten zu erwarten

Für Verden meldet sie 1,6 Hektar, die auch bis Ende des Jahres vergeben sein sollen. Im Gewerbegebiet Nord und am Finkenberg könnten aber mittelfristig noch etwa 25 Hektar entwickelt werden.

Planerisch stehen im Dörverdener Gemeindegebiet dem Bericht zufolge in den drei Gewerbegebieten „An der Bahn“, „Stedebergen“ und „Hülsen“ sogar insgesamt 4,8 Hektar zur Verfügung. Davon befinden sich aber drei Hektar in Privatbesitz, eine Bereitschaft zu verkaufen sei bei den Eigentümern nicht erkennbar. Die übrigen 1,8 Hektar sind im Besitz der Gemeinde. Allerdings sollen am Stammgleis in Barme noch weitere 40 Hektar hinzukommen, wenn die Gemeinde ihre verzögerte Bauleitplanung abschließen kann. Ansonsten haben Langwedel und Thedinghausen keine freien Gewerbeflächen mehr zu bieten. Sieben Hektar seien in Langwedel zwar noch nicht bebaut, aber in Privatbesitz.

In Ottersberg sind noch 6000 Quadratmeter im Gewerbegebiet Bahnhof frei. Dort seien Erweiterungen um 35 000 Quadratmeter und im Gebiet Lilienthaler Straße um 15 000 Quadratmeter geplant. Wann die planungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen und sie zur Verfügung stehen, ist noch offen. Die Gemeinde Kirchlinteln hat lediglich eine Gewerbefläche mit einer Größe von 2 770 Quadratmetern in ihrem Eigentum. Aktuell finden dazu allerdings die letzten Abstimmungsgespräche statt, sodass auch diese Fläche bald vermarktet wird.

Konzept zur Entwicklung von Gewerbeflächen mit den Gemeinden

Um Abhilfe zu schaffen und vielleicht neue Perspektiven für die Wirtschaft zu schaffen, bereitet der Fachbereich der Kreisverwaltung die Aufstellung eines neuen Gewerbeflächenentwicklungskonzepts (GEK) vor. Der Vorgänger aus dem Jahr 2004 „ist nicht mehr aktuell“, heißt es in der Vorlage für den Kreistag. Gemeinsam mit den Kommunen im Kreisgebiet könnte eine neues Konzept in Auftrag gegeben werden, das Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.

Von Ronald Klee

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