Kampf gegen Versorgungslücken

Noch kein Ärzte-Mangel im Kreis Verden

Verhaltener Optimismus: Michael Schmitz, Jörg Berling und Hans-Walter Fischer (v. l.). - Foto: Klee

Landkreis - „Wir nehmen, was wir kriegen können“, sagte Dr. Hans-Walter Fischer. Auch wenn die Bedarfsplanung auf dem Papier noch recht gut aussieht, wird die Versorgung der Region mit Hausärzten für die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) immer schwieriger.

Schon jetzt reißt jeder Arzt, der seine Praxis aufgibt, eine Lücke, die nur noch mit Anreizen zu schließen ist. Ob das Rezept des Vorstandsvorsitzenden der KVN-Bezirksstelle aber ausreichen wird, erscheint fraglich. Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von Gesundheitsminister Jens Spahn jedenfalls halten Mediziner in der Organisation eher für ein „Ärzte-Vergraulungsgesetz“.

„In der Region haben wir bereits 1,3 Millionen Euro Fördergelder für die Ansiedlung von Ärzten ausgegeben“, deutete Michael Schmitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle, gestern auf einer Pressekonferenz, an. Dabei weist seine Karte für Verden, Achim und Rotenburg noch einen Versorgungsgrad von über 100 Prozent aus. Die übrigen Teile seines Zuständigkeitsbereichs zwischen Diepholz und Soltau liegen irgendwo in den 90ern. Schlusslichter sind Sulingen mit 84,2 und Munster mit 88,5 Prozent. Für dieses Ende der Liste könne man von einem Hausärzte-Mangel sprechen.

„365 offene Stellen gibt es in Niedersachsen“, lieferte KVN-Sprecher Detlef Haffke einen Überblick. Das Hauptproblem liege in der Zukunft. Die Altersstruktur mit einem Durchschnitt von 54,1 Jahren lässt erahnen, dass viele Ärzte vor dem Ruhestand stehen. „Im Südkreis Verden sind 31 Prozent über 63“, sagte Schmitz. Von den 46,5 Hausärzten würden also 14 in absehbarer Zeit aufhören. Wenn nichts passiert, würde die Versorgungsquote auf Werte um die 75 Prozent fallen. In den umliegenden Kreisen seien die Sorgen ähnlich.

Spahn-Gesetz gehe in die falsche Richtung

Das Spahn-Gesetz allerdings gehe in die falsche Richtung, weil es den Ärzten Mehrarbeit vorgebe. „Viele bleiben in höherem Alter in den Praxen. Das Gesetz wird sie zum Aufgeben animieren, wenn sie das nicht mehr leisten können oder wollen“, erklärte Hans-Walter Fischer.

„Derzeit gibt es noch keine Unterversorgung, aber Bedarfe“, versuchte der Dr. Jörg Berling, der stellvertretende Vorsitzende des KV-Vorstandes in Hannover, das aktuelle Bild zusammen zu fassen. Das Instrumentarium, mit dem die Organisation gegensteuert, umfasse mehr als Niederlassungsberatung. Medizinstudenten würden direkt angesprochen und die Ansiedelung gefördert. Es gebe sogar bis zu zwei Jahre lang Umsatzgarantien. „Wir sind durchaus erfolgreich“, stellte Schmitz fest.

„Ausreichen wird das auf Dauer aber wohl nicht“, vermutet Berling. Neben der abnehmenden Zahl von Ärzten sei seit Jahren ein Anstieg der Patientenzahlen zu beobachten.

Patientensteuerung und -kompetenz

Da müsse eine Steuerung geschaffen werden, wie sie vor Jahren mit der Praxisgebühr bestanden habe. Schmitz sah wie Hans-Walter Fischer eine Verbesserung der Patientenkompetenz für hilfreich an, weil zuweilen ein Arzttermin nicht so dringend sei, wie gedacht.

Trotz aller Bemühungen werde die Zukunft eine andere Versorgungsstruktur bringen. Die Regel sei, dass der Arzt innerhalb einer Viertelstunde mit dem Auto erreichbar sein müsse. Das sei zu leisten, wenn die Mobilität der Patienten auf dem Lande ausreiche. Hier sehen die KV-Vertreter die Kommunen gefordert. Die seien für Verkehr und Infrastruktur zuständig.

Beispiele fruchtbarer Zusammenarbeit mit der KVN gebe es bereits. Im Nachbarkreis Rotenburg etwa laufe ein vielversprechendes Stipendiaten-Programm. Studenten erhalten Unterstützung, wenn sie sich in dem ländlichen Gebiet niederlassen. Hier wie bei anderen Bemühungen, werde sich das aber wohl erst in zehn Jahren auszahlen. 

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