Kampf dem Tabuthema

Angelika Mundil hilft Menschen mit Depression

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Heike Hansmann gratuliert Angelika Mundil zum fünfjährigen Bestehen der Selbsthilfegruppe „Aufwind“. (v.l.n.r.): Carmen Sommer, Angelika Mundil, Erika Schulz, Heike Hansmann.

Verden - Seit fünf Jahren finden Menschen mit Ängsten und Depressionen in der von Angelika Mundil geleiteten Selbsthilfegruppe „Aufwind“ Hilfe und Unterstützung.

Das kleine Jubiläum wurde gemeinsam bei Kaffee und Kuchen in den Räumen des „Bündnis ambulante Psychiatrie“ (Bap) in der Max-Planck-Straße gefeiert. Auch Heike Hansmann, Leiterin der Kontaktstelle für Selbsthilfe, gratulierte herzlich.

Als sich Angelika Mundil vor fünf Jahren nach der Entlassung aus der Klinik auf die Suche nach einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Ängsten und Depressionen machte, wurde sie nicht fündig. Kurzentschlossen ergriff sie damals die Initiative und lud zu einem Gründungstreffen ein. Von dem Erfolg war sie überwältigt. „Ich bin förmlich überrannt worden, fast 40 Leute kamen damals“, erzählt sie. Aus dem Gründungstreffen entstanden direkt zwei Selbsthilfegruppen. Zeitweise leitete Mundil in den letzten Jahren vier Selbsthilfegruppen in Verden und Etelsen. Zwischenzeitlich absolvierte sie zudem eine Ausbildung als Genesungsbegleiterin. Demnächst soll eine neue Selbsthilfegruppe in Verden entstehen, die sich in den Räumen des Bap trifft.

Große Hürde für Betroffene

„Leider ist Depression oft noch ein Tabuthema. Viele nehmen die Krankheit nicht so an wie es nötig wäre, haben Angst, darüber zu sprechen und sich behandeln zu lassen“, weiß Mundil. Für Betroffene sei der Gang in eine Selbsthilfegruppe auch immer noch eine große Hürde. „Ich versuche den Menschen in Telefonaten die Angst zu nehmen und erzähle, was wir so machen“, berichtet sie.

Carmen Sommer hat vor einiger Zeit den Schritt in die Selbsthilfegruppe gewagt und es nicht bereut. „Ich war positiv überrascht, wie locker es hier zugeht und wie man unterstützt wird. Hier fühle ich mich verstanden. Meine Familie kann meine Probleme oft nicht verstehen, hier haben alle ähnliche Sorgen“, erzählt sie.

In der Selbsthilfegruppe wird aber nicht nur über die Erkrankung gesprochen. Oft stehen auch gemeinsame Unternehmungen auf dem Programm. Da die Selbsthilfegruppe von der AOK und der IKK Classic unterstützt wird, gibt es Angebote wie Brainwalking oder Ähnliches, um geistig fit zu bleiben.

„Viele möchten öfter kommen, aber das kann ich allein nicht leisten“, sagt Angelika Mundil. So kam sie auf die Idee für ihr neues Projekt, gemeinsam mit anderen Betroffenen ein Haus, als Treffpunkt für Menschen mit Ängsten und Depressionen aufzubauen. Nun ist sie auf der Suche nach Sponsoren, die für dieses Vorhaben ein Gebäude zur Verfügung stellen. „Ich stelle mir vor, mit Krankenkassen und Ärzten zusammenzuarbeiten. Nicht jeder, der Depressionen hat, muss in die Klinik“, so Mundil. Ein weiteres Ziel sei, mit den Betroffenen auf dem Erlernten aus der Klinik oder der ambulanten Therapie aufzubauen und in einem geschützten Raum aus eigener Erfahrung den Weg zur Genesung zu ermöglichen. „Selbstbestimmt für sich sorgen und das Leben wieder in die eigene Hand nehmen, das möchte ich mit den Betroffenen erreichen“, sagt Angelika Mundil. 

ahk

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