Autorin und Ärztin Kristina Hänel liest im Rathaus

Kampf für Recht auf Info bei Abtreibung

Die Lesung mit Ärztin Kristina Hänel im Verdener Rathaus stieß auf großes Interesse.
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Die Lesung mit Ärztin Kristina Hänel im Verdener Rathaus stieß auf großes Interesse.

Verden - „Das politische ist persönlich“ lautet der Titel des Buches von Kristina Hänel. Die Ärztin ist ihn ihrem Kampf für das Recht von Frauen auf Information zum Schwangerschaftsabbruch zu einer zentralen politischen Persönlichkeit geworden. Sie wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, weil sie auf ihrer Homepage über Schwangerschaftsabbrüche informierte. Dennoch kämpft die engagierte Allgemeinmedizinerin weiter, wenn nötig will sie bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Anlässlich des 25-jährigen Bestehen der Schwangerschaftskonfliktberatung der Frauenberatung Verden, stellte Kristina Hänel ihr Buch im Ratsaal vor.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Verden, Dr. Kathrin Packham und der Stiftung Leben & Umwelt/Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen statt.

Die Grußworte sprachen Bürgermeister Lutz Brockmann, Dr. Kathrin Packham sowie die stellvertretende Landrätin und Vorsitzende des Kreisfrauenrats, Karin Labinski-Meyer. Bürgermeister Brockmann hob die große Bedeutung der Beratungsstellen hervor. „Man kann für sich selbst nur richtig entscheiden, wenn man gut informiert ist.“

Die Frauenberatung war mit einem Infostand dabei, betreut von (v.l.) Anni Noack, Regine Balk, und Klara Landwehr.

Dr. Packham betonte, dass der Paragraph 219a das Recht der Frauen auf sachliche Information gemäß Artikel 5 Grundgesetz einschränkt. „Der Paragraph 218 muss weg, ebenso wie der Paragraph 219a“, forderte auch Karin Labinsky-Meyer.

„Ich hatte nicht den Berufswunsch, Abtreibungsärztin zu werden. Meine Rolle ist mir so passiert, dass ich meine Praxis aufgemacht habe, hat sich aus der Bedürftigkeit ergeben“, sagte Kristina Hänel. Oft werde sie gefragt, ob sie die Abtreibungen mit ihrem Gewissen vereinbaren könne. „Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, Frauen in einer Notlage nicht die Hand zu reichen. Es ist meine Pflicht, die Frauen nicht allein zu lassen“, sagte Hänel. Sie berichtete von Ärztinnen und Ärzten aus verschiedenen Ländern, die sie auf einem Kongress kennengelernt hat. Alle waren zunächst Abtreibungsgegner, hätten dann aber aufgrund persönlicher Erfahrungen ihre Meinung geändert. Da war zum Beispiel der Arzt aus Südafrika, der miterleben musste, wie eine junge Kollegin nach einer unsachgemäß durchgeführten Abtreibung an einer Sepsis starb. „Es sind Mütter, Töchter und Schwestern, die gestorben sind“, machte Hänel deutlich.

„Der Paragraph 219a macht die Bedingungen unter denen Frauen abtreiben“, betonte die Medizinerin. In einem Kapitel ihres Buches berichtet sie von Frauen, die aufgrund dieses Paragraphen keine Adressen von Praxen oder Krankenhäusern bekommen, die einen Abbruch durchführen. Die Folge sei oft, dass die Frauen keinen Termin für den Abbruch bekommen oder schon weit in der Schwangerschaft fortgeschritten seien.

Kristina Hänel erzählte, dass große Teile ihres Buches in schlaflosen Nächten entstanden seien, die sie wegen des bevorstehenden Gerichtsverfahrens hatte. „Ich fühlte mich nicht als Angeklagte, was habe ich den falsch gemacht“, habe sie sich gefragt. Schließlich wurde sie zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt, nur weil sie auf ihrer Homepage über die verschiedenen Methoden des Schwangerschaftsabbruchs informiert. „Die Richterin sprach von hormonellen Störungen in der Schwangerschaft und dass die Frauen vor sich selbst geschützt werden müssten“, so Hänel .

Immer noch sterben jährlich viele Tausend Frauen weltweit an unsachgemäß durchgeführten Abtreibungen. Nicht das Zurückhalten von Informationen, sondern liberale Gesetzte, Gleichberechtigung, Aufklärung und der Zugang zu Verhütungsmitteln würden für einen Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche sorgen, betonte die Medizinerin. „Frauen wissen genau, was gut und was schlecht für sie ist. Wie Frauen soziale Verantwortung zu tragen wissen, wissen sie auch, wann sie ein Kind austragen können und wann nicht“, stellte Hänel klar. Für das Recht der Frauen auf Information will sie bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

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