Stadtrat startet Info-Initiative / „Eine Pferdelänge Abstand“ / Maske auf Märkten

Kampagne gegen dröge Corona-Regeln

Erst waren sie da, dann weg, jetzt kehren sie eventuell zurück: die Schilder auf dem Verdener Wochenmarkt mit dem Hinweis auf Maskenpflicht.
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Erst waren sie da, dann weg, jetzt kehren sie eventuell zurück: die Schilder auf dem Verdener Wochenmarkt mit dem Hinweis auf Maskenpflicht.

Verden – Sind anderthalb Meter zu kompliziert? Und nicht bürgernah genug? Ja, alles viel zu bürokratisch. Zu diesem Schluss kam jedenfalls der Stadtrat nach eingehender Diskussion am Dienstagabend. Und so stimmte das coronabedingt dezimierte höchste Gremium Verdens nicht nur für einen Vorstoß in Richtung Kreisverwaltung, sondern gleichzeitig auch für ein Bekämpfen des Kommunikationsproblems. Einstimmig wurde eine generelle Maskenpflicht für Wochenmärkte empfohlen und darüber hinaus Stadt- sowie Kreisverwaltung aufgefordert, eine Info-Kampagne zu starten. Grünen-Ratsfrau Johanna König schlug bereits einen Slogan vor, einen reiterstadt-bezogenen Slogan: „Eine Pferdelänge Abstand.“

Zwei Probleme türmten sich vor den Kommunalpolitikern. Erstens sind sie nicht befugt, Maskenpflicht für spezielle Bereiche zu verfügen. Das fällt in die Verantwortung des Landkreises. Und zweitens setzte sich sehr wohl die Ansicht durch, mit der niedersächsischen Verordnung sei eigentlich alles abgedeckt. Explizit ist darin eine Maskenpflicht festgelegt für den Fall, dass der Abstand nicht eingehalten werden kann. „Die überwiegende Mehrheit hält sich daran“, befand Lars Brennecke (CDU). Seinen Beobachtungen vom vorangegangenen Sonnabend in der Fußgängerzone zufolge liege die Quote bei „90 Prozent“.

Auch Antje Engel (SPD), sie hatte den Antrag auf Maskenpflicht in Fußgängerzonen formuliert, schlug in diese Kerbe. „Trifft zu“, sagte sie, „aber was ist mit den schmalen Wegen in die Stadt? Mit dem Carl-Hatzki-Weg zwischen Reeperbahn und Rathaus zum Beispiel. Da kann man sich nicht ohne Maske begegnen. Man müsste unten stehen bleiben und die entgegenkommenden Personen erst passieren lassen. Aber das macht niemand.“ Und was ist mit den Randbereichen? Der vergangene Sonntag erst wieder. Super-Herbstwetter, gleichzeitig standen die parkenden Autos über Hunderte Meter beidseits des verlängerten Brunnenwegs im Stadtwald. „Da dürfte es ebenfalls eng geworden sein“, meinte Bürgermeister Lutz Brockmann.

Am Ende der Debatte stand die windelweiche Aufforderung an Stadt und Landkreis, die Menschen besser zu informieren. Eine immerhin einstimmige Entscheidung des Stadtrates, einstimmig und nebulös. In welche Richtung eine solche Kampagne gehen soll, bleibt weitgehend offen. „Wir müssen die Ebene der Verordnung verlassen, wir müssen weg von den drögen Abständen“, startete die bündnisgrüne Johanna König einen Konkretisierungsversuch. „Wir müssen ein Signal setzen. Wir müssen den Menschen klar zu verstehen geben, wer ohne Mindestabstand und ohne Maske unterwegs ist, handelt respektlos“, bemühte Carsten Hauschild (SPD) einen bildhaften Vorstoß.

Unklar gestern noch, ob die Kreisverwaltung den Verdener Vorstoß auf eine generelle Maskenpflicht auf Wochenmärkten aufgreift. Landrat Peter Bohlmann hatte zu Wochenbeginn eine solche Verordnung zumindest nicht ausgeschlossen. Für eine einheitliche Lösungen ist es allerdings längst zu spät, und für den Kampf gegen immer mehr Verordnungswildwuchs auch. Seit dem 2. November und damit dem Start der niedersächsischen Verordnung hat sich ohnehin schon ein Flickenteppich über die Region erstreckt, den nur noch verwaltungserfahrene Insider nachzuvollziehen in der Lage sind. Die weitreichendste Verordnung mit Maskenpflicht in jeder Fußgängerzone und auf Parkplätzen der Einkaufszentren gilt im Kreis Rotenburg. Etwas abgespeckter die Stadt Bremen, in der nur sämtliche Fußgängerzonen der Maskenpflicht unterliegen. Der Heidekreis verordnet eine solche Pflicht lediglich in publikumswirksamen Bereichen in Walsrode, Soltau, Schneverdingen und Munster. In den Kreisen Nienburg und Osterholz ist die Maskenpflicht auf das Gebiet von Wochenmärkten begrenzt, in den Kreisen Diepholz und Verden gelten zurzeit keine zusätzlichen Verordnungen.

Von Heinrich Kracke

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