Zweistündiges Programm

Sebastian Pufpaff begeistert in der Stadthalle Verdem

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Freundlich lächeln und dann böse austeilen: typisch Sebastian Pufpaff, der am Freitag in Verden auftrat.

Verden - Von Christel Niemann. Er feuerte Wortsalven wie ein Maschinengewehr und schlug dem Publikum die Themen nur so um die Ohren: Sebastian Pufpaff, Kabarettist und Wortspieler, war bei seinem Auftritt in der Verdener Stadthalle nicht zu halten – und das Publikum erst recht nicht. Vor der Pause verbal aber noch „weichgespült“, gab er danach so richtig Gas. Szenenbeifall gab es aber schon bei den ersten Wortbeiträgen, die Pufpaff wie am Fließband frei vortrug; mal plaudernd, mal flüsternd oder auch brüllend.

„Auf Anfang“ lautete der Name des Soloprogramms, mit dem Pufpaff, selbst ernannter Kabarett-Dienstleister, annähernd 600 Besucher begeisterte. Als Dienstleister wollte er natürlich gleich zu Beginn wissen, was den Verdener ärgert, und forderte dazu auf, einfach mal reinzurufen, was so stört vor Ort. Es fielen Schlagworte wie: freie Sitzplatzwahl in der Stadthalle (weil die Besucher vor dem Einlass in der Kälte gezittert und gefroren hatten), Chefs zur Weihnachtsfeier, Bildung, Dauerhandynutzer oder lahmarschige Autofahrer, allesamt Einwürfe, die Pufpaff nachfolgend in seinem Programm einarbeitete.

Sebastian Pufpaff in der Stadthalle Verden 

Aber zunächst parlierte er über Romantik-Hotels, die auch nichts anderes seien als plüschige Puffs, nur ohne die Flecken. Denn in diesen zumeist inmitten der Natur gelegenen Etablissements, in denen sich Reh und Wildschwein an die Fichte lehnten, werde er auf seinen Touren gerne untergebracht. Für den Scheitel-, Anzug- und Turnschuhträger Zumutung und Glück zugleich, da ihm die lauschig-kuschelige Atmosphäre solcher Hotels auch eine große Inspirationsquelle ist.

Gnadenloser Liberalismus

Das Verdener Publikum hing an seinen Lippen und ließ sich begeistert mitnehmen auf einen zweieinhalbstündigen Parforceritt durch die Gesellschaft, die von Egoismus und der Hatz nach mehr technischen Innovationen und Möglichkeiten dominiert wird. Ob die deutsche Angewohnheit des sich ständigen Beschwerens, Kuriositäten im Bildungssystem oder der Zerfall der Ehe – kaum ein Thema ließ der Mann aus. „Ich bin Deutscher, ich brauche Krisen“, sagte er. Er sei nun einmal nicht gemacht für die schönen Dinge im Leben.

Für ein neues Miteinander hilft seiner Auffassung nach einzig Liberalismus, und zwar gnadenlos. Man müsse als Gruppe wieder zusammenfinden und den Randgruppen die gleiche Chance geben. So schlug er vor, Frauen die Tür zuzuschlagen, statt sie aufzuhalten oder warf ein, dass das Schmelzen der Polkappen auch Vorteile hat. „Dann haben die Menschen in Afrika wieder etwas zu trinken.“

Männer zu Weicheiern verkommen

Auch TV-Formate, in denen sich Frauen freiwillig vorführen lassen, gaben Pufpaff Rätsel auf. Etwa, wenn beim Bachelor „20 Nutten um einen gegelten Vollpfosten buhlen.“ Oder: „Wir leben in einer polyamourösen Gesellschaft. Die Ehe ist veraltet und jede zweite wird geschieden. Uns Männern ist nur das Grillen geblieben, sonst sind wir zu Weicheiern verkommen.“

Die Gesellschaft positiv zu verändern, heißt bei Pufpaff aber auch: Alten ihre Rollatoren wegzunehmen, sie bei Schlägereien mitmischen zu lassen oder fremden Kindern ein Eis auszugeben, damit diese die Wespen anlocken.

Zu Themen wie „Wie wird man eigentlich Terrorist?“ oder den unterschiedlichen Religionen verteilte Pufpaff pointensicher seine verbalen Schläge und führte dem Publikum teils lautstark ebenso verkappte wie verbreitete Denkweisen vor Augen.

Kein Auge bleibt trocken

Sympathisch war, dass Pufpaff nicht nur austeilte, sondern auch selbst den dummen August gab. Beispielsweise als er erzählte, wie er aus Unkenntnis der Preise ein Vermögen für Büffelmozzarella und Kobe-Rind ausgegeben hat, sich aber nicht traute, an der Kasse einen Rückzieher zu machen. Er wollte ja nicht der Dumme sein. Da johlte das Publikum. Und als er seine Erlebnisse aus dem Bereich hoher Kochkunst schilderte und Austern als „Popel mit Salz und Zitrone“ bezeichnete, blieb kein Auge trocken.

Der Spaß auf beiden Seiten, beim Künstler und beim Publikum, war groß und die Zeiger der Uhren bewegten sich bereits auf 23 Uhr zu, als Pufpaff mit einem „Ich mach jetzt mal Schluss“ unter viel Beifall zum Ende kam. Anschließend traf man ihn noch angeregt mit Fans plaudernd im Foyer der Stadthalle an.

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