1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

Verdener Post schließt im Juni

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Heinrich Kracke

Kommentare

Historische Fassade in Fußgängerzone.
Wird nach aktuellen Plänen im Juni schließen: die Filiale von Post und Postbank vis-á-vis des Verdener Rathauses in der Fußgängerzone. © Wienken

Rückschlag für die Verdener Innenstadt. Wie bekannt wurde, schließt die Post in der Fußgängerzone schon Ende Juni. Das bestätigte ein Sprecher. Für die Mitarbeiter werde ein Sozialplan aufgestellt.

Verden – Schwerer Rückschlag für die Verdener Innenstadt: Die Post wird nur fünf Jahre nach dem Umzug vom Norderstädtischen Markt an die Große Straße geschlossen. Das bestätigte auf Nachfrage ein Sprecher. Angepeilt sei, schon Ende Juni letztmalig zu öffnen. Die Mitarbeiter würden nicht entlassen. Die durch die Schließung der Filiale entfallenden Stellen sollen sozialverträglich im Rahmen bestehender betrieblicher Vereinbarungen abgebaut werden, heißt es. Das dürfte auch das Hauptthema einer Betriebsversammlung am kommenden Donnerstag sein. Die Filiale ist dann bereits ganztägig geschlossen.

Verden: Post in der Fußgängerzone schließt schon Ende Juni

Ursache für die überraschende Schließung, die gestern bereits gerüchteweise in der Stadt kursierte, ist das vertragliche Konstrukt an der Großen Straße 43. Demzufolge ist nicht etwa die Deutsche Post der Mieter, sondern die Postbank. Die Deutsche Post, einst mit 29 000 Filialen in der Republik vertreten, unterhält fast keine eigenen Filialen mehr, sie vergibt lediglich sogenannte Postdienstleistungen an Dritte, in diesem und vielen weiteren Fällen an die Postbank.

Postbank-Sprecher Oliver Rittmaier (Bonn) äußert sich nicht zu dieser Konstruktion. Wichtig sei ihm aber: Das Angebot an Post- und Paketdienstleistungen bleibe auch in Zukunft bestehen und werde durch den Kooperationspartner Deutsche Post sichergestellt. Rittmaier: „Wenn die Postbank eine Filiale schließt, sucht die Deutsche Post einen Partner, der das Angebot an Postdienstleistungen übernimmt. In aller Regel handelt es sich dabei um ein Geschäft des Einzelhandels in der näheren Umgebung unseres Filialstandortes.“ Um einen reibungslosen Übergang für Kunden in Verden zu gewährleisten, werde man die Filiale erst schließen, wenn dieser Partner gefunden ist. Deshalb könne auch noch kein endgültiger Schließungstermin genannt werden. In ganz seltenen Fällen sei sogar an derselben Stelle ein Geschäft eröffnet worden, das die Postdienstleistungen vom Paket bis zum Brief übernehme. Die Postbank indes verlasse den Standort vollständig, auch die SB-Geräte würden abgebaut.

Bis vor fünf Jahren befand sich die Post noch am Norderstädtischen Markt.
Bis vor fünf Jahren befand sich die Post noch am Norderstädtischen Markt. © Wienken

Für den Mieter, die Postbank, setzt sich damit den Angaben zufolge ein anhaltender Weg fort. „Durch die fortschreitende Digitalisierung beobachten wir schon länger eine deutliche Veränderung im Verhalten der Kunden. Dieser Trend hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie nochmals verstärkt. Wir stellen fest, dass unsere Online-Angebote zunehmend stärker genutzt werden und zwar über alle Altersgruppen hinweg“, erklärt Rittmaier. Diese Veränderungen führten dazu, dass Kunden die stationären Angebote in den Filialen weniger stark nachfragten. So wurde die Filialanzahl in den vergangenen Jahren auf heute rund 700 Filialen reduziert.

Die Postbank schließe Filialen nur, wenn sie sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben lassen. Dabei komme es vor allem auf die Art der Leistungen an, nicht auf die Anzahl der Kunden. Das Verhältnis zwischen reinen Serviceleistungen wie Postdienstleistungen oder Bargeldauszahlungen und wertschaffendem Neugeschäft wie Abschlüsse und Nutzung von Bankprodukten wie Ratenkrediten, Wertpapieren oder Versicherungen müsse stimmen. Durch die beschriebene, fortschreitende Veränderung des Kundenverhaltens benötige jede Filiale das entsprechende Kundenpotenzial, um dieses Verhältnis dauerhaft ausgewogen und damit wirtschaftlich zu gestalten. „Filialen, die dieses Potenzial nicht haben, schließen wir deshalb.“

Die Postbank wolle Kunden rechtzeitig informieren, sobald ein Schließungstermin feststeht. Die geschehe per Aushang, Handzettel und persönlichem Anschreiben, darin gehe es um die Schließung an sich, die nächstgelegene Filiale der Postbank, die neue Partnerfiliale der Deutschen Post und die nächstgelegenen Möglichkeiten zur kostenfreien Bargeldversorgung.

Schon jetzt stelle man fest, viele Kunden würden sich auf andere Weise mit Bargeld versorgen. Während 2019 jeder vierte Deutsche (27 Prozent) beim Einkaufen oder Tanken Bargeld abhob, nutze heute bereits knapp jeder Zweite (41 Prozent) diesen Service – eine Zunahme von über 50 Prozent in zwei Jahren. Hinweisen wolle er, Rittmaier, deshalb auf das Cashback-Verfahren, das in Supermärkten zum Einsatz komme. In Verden sind das Lidl am Johanniswall, Edeka am Holzmarkt und Netto in Hönisch. Die nächstgelegene Filiale der Postbank mit dem kompletten Angebot an Post- und Bankdienstleistungen und einem voll ausgestatteten SB-Bereich befinde sich an der Großen Straße 46 in Rotenburg.

Auch interessant

Kommentare