Junge Leute am Ort halten

CDU stellt Pläne für Berufsakademie vor

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Pläne für eine Berufsakademie: Jens Richter, die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Karin Bergmann, Andreas Mattfeldt und Lutz Stührenberg (v.l.).

Verden - Der Mangel an Fach- und Führungskräften wird auch vor dem Landkreis Verden nicht Halt machen. Um junge, gut ausgebildete Schulabgänger nach ihrem Abschluss in der Region zu halten, strebt die CDU an, eine Berufsakademie zu gründen. Als Auftaktveranstaltung zur Vorbereitung einer solchen Einrichtung präsentierten Parteivertreter um den Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt im Niedersachsenhof ihre Pläne.

Als fachkundige Unterstützung hatten die Christdemokraten den Akademieleiter des Bereichs Wirtschaft der IT & Business School Oldenburg (IBS), Professor Dr. Lutz Stührenberg, eingeladen. Er berichtete von seinen Erfahrungen und gab Tipps für die Gründung einer derartigen Einrichtung. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse, Vertreter aus Politik und Wirtschaft, der IHK, der Handwerkerschaft und des Landkreises waren in den Niedersachsenhof gekommen.

„Es gibt bei jungen Leuten derzeit einen großen Run auf duale Studiengänge“, stellte Andreas Mattfeldt fest. Der Bundestagsabgeordnete wies zu Beginn darauf hin, dass der Landkreis Verden einer von wenigen in Niedersachsen ist, der nicht solche Ausbildungen auf einer Berufsakademie anbieten kann. „Der Landkreis kann dieses aber nur begleiten, wenn die Wirtschaft ja sagt“, betonte Mattfeldt.

Lutz Stührenberg bekannte sich als ein großer Fan des dualen Studienkonzeptes. Durch den Wechsel zwischen Betrieb und Business School würden Theorie und Praxis gleichermaßen vermittelt. Um eine maßgeschneiderte Ausbildung anbieten zu können, sei es wichtig, dass das Modell durch die Unternehmenspartner getragen werde. Diese könnten sich aktiv in die Planungen der Unterrichtsgestaltung einbringen.

„Die Berufsakademie lebt von der Nähe“, so Stührenberg. Die Ausbildung an der IBS Oldenburg dauert 42 Monate. In kleinen Studiengruppen wird der Stoff in 1800 Kontaktstunden vermittelt. Laut dem Akademieleiter wären aber auch 1600 Stunden ausreichend. Der große Vorteil dieser Ausbildung sei, dass die Studierenden bereits während des Studiums Berufserfahrung sammeln. „Die Studierenden werden in realen Projekten eingesetzt, die Bachelor-Arbeit ist bereits das vierte Praxisprojekt und Übung macht den Meister“, weiß Stührenberg. Dadurch gebe es nach dem Studium keine Einarbeitungszeit. Die Absolventen seien sofort in verantwortungsvollen Positionen einsetzbar, das spare den Unternehmen Kosten. Der Vorteil für die Studierenden sei die finanzielle Sicherheit, dass die Studiengebühren vom Unternehmen übernommen werden. Zudem erhalten sie eine Ausbildungsvergütung.

Den Start einer Berufsakademie im Landkreis Verden könne man im Jahr 2020 realisieren, ist Stührenberg überzeugt. Als Vorlaufzeit für die Planungen seien zwölf Monate ausreichend. Die Anschubkosten bezifferte er auf circa 250 000 Euro, bei zwei Gruppen mit jeweils 20 Studenten. Zudem sei eine Bürgschaft von circa 400 000 Euro, beziehungsweise die Einstellung einer entsprechenden Gewinnrücklage erforderlich. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass jeder eingeschriebene Student sein Studium auch beenden kann. Wichtig für den Erfolg sei auch ein „Kümmerer“, ein Akademieleiter, der vor Ort verankert ist.

Als Vorteile einer Berufsakademie gegenüber einer Fachhochschule nannte Stührenberg unter anderem die schlanke Bürokratie. „Die Berufsakademie ist wie ein gut geführtes Unternehmen, die Akademieleitung kann agieren wie die Geschäftsführung einer GmbH.“ Des Weiteren könnten dadurch, dass kein Forschungsauftrag finanziert werden müsse, 30 Prozent bei den Personalkosten eingespart werden.

Andreas Mattfeldt will sich nun unter den Unternehmern umhören, welche Studiengänge gewünscht werden. „Wenn wir zu einer Berufsakademie ja sagen, bin ich sicher, dass uns der Landkreis begleitet. Die erste Voraussetzung ist aber, dass die Unternehmen mitziehen“, betonte er. Auch CDU-Kreisgeschäftsführer und Bürgermeisterkandidat Jens Richter betonte, dass es wichtig sei, den Dialog nun zu vertiefen. Er kann sich zudem die Kreisstadt Verden sehr gut als Standort für eine Berufsakademie vorstellen. 

ahk

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