„Die Verbraucher im Rücken“

Junge Landwirte mit dem Trecker zur Demonstration in Berlin

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Mit klarer Botschaft nach Berlin: Mit Kollegen aus Ostfriesland machten sich Steffen Wagenfeld, Heiko Grothenn, Elisabeth Fresen, Julius Kracke und Bastian Lührs, junge Landwirte aus dem Landkreis Verden, gestern Nachmittag auf den Weg zur Demonstration in der Bundeshauptstadt.

Verden - Das Wetter konnte nicht unwirtlicher sein für eine Fahrt mit dem Trecker von Verden nach Berlin. Doch Elisabeth Fresen aus Eitze ist das egal. Denn sie hat eine Mission. Warm eingepackt, machte sie sich gestern gemeinsam mit Kollegen aus dem Kreis Verden und aus Ostfriesland auf den Weg in die Bundeshauptstadt, um zu demonstrieren: gegen das Höfesterben, gegen eine Landwirtschaft, die mehr und mehr von Megakonzernen bestimmt wird, für mehr globale Gerechtigkeit und für gerechte Erzeugerpreise.

„Ich bin sehr gerne Bäuerin“, sagte die 27-Jährige gestern kurz vor der Abfahrt. Die Liebe zum (künftigen) Beruf motiviere sie zu demonstrieren und für mehr Gerechtigkeit in ihrer Branche zu kämpfen. „Ich weiß, ich hab die Verbraucher im Rücken“, strafte sie dabei diejenigen Lügen, die Preisdrückerei damit begründen, dass der Kunde nicht bereit sei, mehr für Milch oder Fleisch zu zahlen. Es sei die Politik, die hier dazulernen müsse, betonte die Studentin der ökologischen Agrarwissenschaften.

In Berlin beginnt heute die Grüne Woche. Im Rahmen dieser Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau trafen sich dort bereits gestern Agrarminister des Bundes und der Länder. Unter anderem auch, um weitere Eckpunkte einer gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) festzulegen.

„Wir haben Agrarindustrie satt“

„Was da bisher durchgesickert ist, klingt besorgniserregend“, berichtete Elisabeth Fresen von einem System, das erneut die großen Höfe belohne. „Ich wünsche mir eine GAP-Reform“, sagte die 27-Jährige. So sollten beispielsweise Subventionen nicht mehr pro Hektar gezahlt werden, sondern sich nach der Qualität der Bewirtschaftung richten. „Öffentliches Geld wird an öffentliche Leistung geknüpft.“

„Wir haben Agrarindustrie satt“ lautet denn auch das Motto des Protestzuges mit Vertretern aus ökologischer und konventioneller Landwirtsschaft, Natur- und Tierschutzorganisationen. Morgen um 11 Uhr formiert er sich, um vom Berliner Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel bis vor das Brandenburger Tor zu ziehen.

Vorwurf: Politik verschärft Probleme der Landwirte

„Wir wollen klarmachen, dass es sich lohnt, für den Erhalt vielfältiger bäuerliche Betriebe und für positive Perspektiven auf dem Land insgesamt zu kämpfen. Mit dem Höfesterben muss endlich Schluss sein. Alleine in der Amtszeit von Angela Merkel haben wir in Deutschland rund 120.000 Höfe verloren.“

Elisabeth Fresen und ihre jungen Kollegen kritisieren vor allem, dass die bisherige Agrarpolitik in Berlin und Brüssel Herausforderungen wie das Höfesterben, schwindende biologische Vielfalt, mit Nitrat belastetes Grundwasser und miserable Erzeugerpreise nicht löse, sondern weiter verschärfe. „Wir Bäuerinnen und Bauern sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Dass ein umweltschonender Ackerbau und eine artgerechte Tierhaltung schon heute möglich sind, zeigen wir täglich auf unseren Feldern und in unseren Ställen. Jetzt ist die Politik am Zug“, machte die Verdenerin deutlich.

Profit vor Tierwohl

Während für Elisabeth Fresen bereits feststeht, dass sie den Mutterkuh-Betrieb eines Tages von ihrem Vater übernehmen wird, ist die Frage der Nachfolge für Johannes Krost noch nicht beantwortet. Der 21-Jährige aus Rhauderfehn startete gestern ebenfalls nach Berlin. „Damit überhaupt mal was passiert.“

Krosts Familie unterhält in Ostfriesland einen Milchviehbetrieb. Den würde er auch übernehmen wollen. Doch zurzeit denke er mehr darüber nach, ob es sich angesichts des erneut sinkenden Milchpreises je wieder lohnen werden, sich sieben Tage in der Woche in den Melkstand zu stellen.

„Die einzige, die sich an Subventionen bereichert, ist die Agrarindustrie“, machte er vor der Abfahrt seinem Frust Luft. Doch dort stünden weder das Tierwohl noch das Miteinander im Vordergrund, sondern ganz allein der Profit. - kp

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