Jugendliche lernen beim „Azubi-Knigge“ die Regeln des Berufslebens

Schon am ersten Arbeitstag warten viele Fettnäpfchen

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Die Teilnehmer des Workshops, die bereits einen Ausbildungsplatz gefunden haben, können jetzt etwas entspannter in den neuen Lebensabschnitt starten.

Verden - „Der erste Eindruck zählt“, weiß Jonathan Linke und will entsprechend gut auf seinen ersten Tag als Auszubildender in einem Verdener Unternehmen vorbereitet sein. Deshalb hat der 19-Jährige aus Unterstedt am Sonnabend an dem sechsstündigen Workshop „Azubi-Knigge“ im Norddeutschen Zentrum für nachhaltiges Bauen teilgenommen.

Fettnäpfchen, in die man schon am ersten Tag als Auszubildender treten kann, gibt es viele. Pünktlichkeit, Smartphone-Benutzung oder die Anrede von Kollegen und Vorgesetzten mit „Du“ oder „Sie“ sind nur einige Beispiele. Angesprochen wurden darüber hinaus Themen, über die sich Schüler keine Gedanken machen, weil sie nie damit konfrontiert wurden.

„Oft sind es Kleinigkeiten, wie der Umgang mit Krankmeldungen. In der Schule muss ich im Krankheitsfall als Schüler nichts anderes organisieren, da geht alles so weiter. Im Betrieb nicht“, nannte Daniela Westerhoff, Qualifizierungsberaterin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ein Beispiel für die Themen, die angesprochen wurden.

Die IHK und die Kreishandwerkerschaft sind beim „Azubi-Knigge“ Kooperationspartner der Fachkräfteoffensive, die den Workshop erneut angeboten hat. Der erste Termin war so schnell ausgebucht, dass ein Folgetermin für den 18. Juli organisiert wurde. Aber auch da sind alle Plätze bereits belegt. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Unternehmen Block in Verden und Heckmann in Dörverden-Hülsen mit einer Summe von jeweils 1000 Euro war die Teilnahme für die 21 angehenden Auszubildenden kostenlos.

Im Berufsleben sei den Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Kunden des Unternehmens mit einer anderen Aufmerksamkeit zu begegnen, verdeutlichte Belinda Ruef vom Karrierenetzwerk Nord, das mit Trainern den Workshop durchgeführt hat. Es gehe dabei auch um Körpersprache und darum, dem Gegenüber Aufmerksamkeit zu zeigen, indem man Blickkontakt hält. „Schule ist nicht Ausbildung. Da soll mehr Interesse sein, nachgefragt werden und ein Leuchten in den Augen sein“, so Ruef.

Viele kleinere Unternehmen unterstützen die Idee des „Azubi-Knigge“, sie wollen schon frühzeitig eine Bindung zu ihren künftigen Auszubildenden aufbauen, verriet Martia Schülbe von der Fachkräfteoffensive. Dies kann offenbar nicht schaden, denn wie sie am Rande berichtete, kommt es immer wieder vor, dass bei den Kammern für einen Jugendlichen mehrere Ausbildungsverträge eingereicht werden. Die Berufsanfänger können sich ihren Betrieb auswählen. Rechtzeitig absagen und damit einem anderen Bewerber die Chance auf den Ausbildungsplatz zu geben, sollte selbstverständlich sein, ist es aber scheinbar nicht.

Die Teilnehmer des Workshops haben jedenfalls einen Ausbildungsplatz sicher und mit Hilfe des Workshops können sie jetzt vielleicht entspannter in den neuen Lebensabschnitt starten.

wb

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