Jugendherberge in Bewegung: Von Veggieday bis Erlebnispädagogik

„Hier lernt man fürs Leben“

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Timo Schwedowski (l.) und Jan Feldmann: Die Macher der Jugendherberge.

Verden - Die Gänge wirken leer, aber der Schein trügt. Die Jugendherberge Verden ist auch in den Wintermonaten gut ausgelastet. Über das Jahr verteilt waren es sogar 70000 Übernachtungen, die abgerechnet wurden.

Jugendherbergsleiter Jan Feldmann wirkt entsprechend zufrieden, und er ist zuversichtlich: „2015 wollen wir unsere Übernachtungszahlen noch einmal steigern.“ Sein Ziel: 1000 Personen zusätzlich. 20000 Übernachtungen sind schon gebucht“, sagt er. Wie er das macht? „Mit einem flexiblen Marketingkonzept.“

Dabei nutzen die Betreiber die Lage der Jugendherberge: Fußballplätze, Schwimmbad und Kletterpark umgeben die Einrichtung, die 1974 eröffnet und 1999 generalsaniert wurde. Bundesweit war die Verdener Jugendherberge 2008 die erste „Sportjugendherberge“. Als solche wird sie alle drei Jahre wieder neu zertifiziert.

Auch in Sachen Umweltschutz hat man hier etwas zu bieten. „Wir haben seit drei Jahren den ökologischen CO2-Fußabdruck.“ Der Regionalverband Weser-Ems habe im Jahr 2011 bundesweit den dritten Platz für Nachhaltigkeit bekommen. 2015 wolle man in diese Richtung weiterarbeiten. „Energie sparen ist eine Leitlinie der diesjährigen Investitionen.“ Auch beim Essen ist diese Richtung eingeschlagen worden. „Einmal in der Woche haben wir einen Veggieday, da wird nur Gemüse und Obst aufgetischt.“

Aus den Gruppenräumen dringt Musik. Die ersten Besucher des Jahres gehören zur Big Band des Gymnasiums Syke. In der Lounge hat ein Abiturient in gemütlichem Ambiente ein Buch vor der Nase. Der Empfangsbereich ist im vergangenen Jahr neu gestylt worden. Ein Billardtisch und Sitzecken im Clubstil empfangen nun die zumeist jungen Gäste. Auch eine Sitzgruppe im Innenhof wurde neu angeschafft.

Feldmann: „Deutlich zu spüren bekommen haben wir den Klassenfahrtenboykott der Gymnasiallehrer. Darauf haben wir mit verbilligten Kurzzeitangeboten reagiert, um die Auslastung der Jugendherberge trotzdem hinzukriegen.“

In den nächsten Wochen und Monten habe man wieder viele Schul- und Sportgruppen zu Gast, ab und zu auch Radtouristen. Die durchschnittliche Verweildauer betrage drei bis vier Tage. Die Schulgruppen belegen die Herberge in der Woche, die Sportgruppen am Wochenende.

Neu ist seit einiger Zeit das Angebot erlebnispädagogischer Betreuung. Interaktionsspiele stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Outdooraktivitäten. „Hier lernt man was fürs Leben“, sagt Timo Schwedowski. Der studierte Wirtschaftwissenschaftler begleitet die Kinder und Jugendlichen zusammen mit einem Team.

„Immer öfter wird unser All–inklusive-Programm gebucht“, freuen sich die beiden Macher in der Jugendherberge. Vor allem der Kletterpark sei eine Attraktion. 3000 der 17000 Kletterparkgäste kommen aus der Jugendherberge. 2014 ist der Lkw des Kletterparks mit acht Meter hoher Kletterwand sogar vom Bundespräsidenten gebucht worden – für das Bürgerfest im Schlossgarten Bellevue. „Das ist eine tolle Werbung“, freut sich Feldmann, der bald selbst im Rampenlicht stehen wird. 20 Dienstjahre des engagierten Herbergsleiters, der auch die Jugendherberge in Worpswede betreut, gilt es am 1. Mai zu feiern.

Und man darf gespannt sein, was sich Feldmann und Schwedowski in den nächsten Jahren an neuen Konzeptpunkten für ihr kreatives Belegungsmanagement ausdenken. In Worpswede, seinem zweiten Standort, hat Feldmann jüngst Flüchtlinge in der Jugendherberge aufgenommen. „Das ist eine Sache, die sich nicht nur rechnet, sondern auch sehr sinnvoll ist“, begeistert sich der Herbergsleiter. „Die Flüchtlinge begegnen den anwesenden Gruppen, es entsteht Gemeinschaft.“

jz

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