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Jüdisches Leben zum Nachlesen

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Von: Erika Wennhold

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Zwei Männer und eine Frau sitzen an einem Tisch und blättern in einem Heft.
Druckfrisch: Hans Joachim Benner, Martin Drichel und Kathrein Goldbach (v.l.) vom doz20 werfen einen Blick in das neue Themenheft mit dem Titel „Jüdisches Leben II im Nationalsozialismus“. © wennhold

Dokumentationszentrum Verden im 20. Jahrhundert (doz20) geht mit neuem Themenheft und vielen neuen Plänen ins neue Jahr.

Verden – Engagierte und geschichtsinteressierte Menschen aus Verden sind es, die sich mit der Vergangenheit der Stadt auseinandersetzen, sie wieder lebendig werden lassen und vor allen auch der jungen Generation zugänglich machen wollen. Das Dokumentationszentrum Verden im 20. Jahrhundert (doz20) ist ein lebendiger Verein, der sich intensiv mit dem jüdischen Leben im Nationalsozialismus beschäftigt und dazu Themenhefte herausgegeben hat.

Gestern lag der zweite Teil „Jüdisches Leben in Verden“ druckfrisch auf dem Tisch im Domizil des Vereins doz20 am Holzmarkt. Das Heft dokumentiert die Veranstaltungsreihe und die Arbeit von doz20. Es kostet fünf Euro und ist über das Internet oder in der Verdener Buchhandlung „Buch und Kunst“ zu bekommen.

Es ist das vierte Themenheft, das der Verein bisher herausgegeben hat und enthält eine Auswahl einzelner Vorträge aus dem vergangenen Jahr, die mit historischen und aktuellen Aufnahmen bebildert sind.

Damit Verdener Geschichte nicht in Vergessenheit gerät

Wohl nicht alle Veranstaltungen konnten wegen der Pandemie wie geplant stattfinden, doch im September des vergangenen Jahres wurden gleich zwölf Vorträge angeboten, die mit großem Interesse angenommen wurden. Kathrein Goldbach: „Es gab einen sehr guten Zuspruch bei den Veranstaltungen.“ Es habe jeweils die 2G-Regel und genügend Abstand eingehalten werden müssen.

Zusammengefasst sind die Veranstaltungen im neuen Themenheft unter den Titeln „Jüdisches Leben in Rotenburg“, „Reichsfluchtsteuer und Judenvermögens-Abgabe“, Deportation Verdener Juden in das Ghetto Minsk“, „Stolpersteine in Verden“, „Arisierung und Entjudung in Verden“ oder die Pogrome 1938 in Verden und Achim.

Die Deportation und Ermordung jüdischer Familien aus Verden – deren Schicksal geht unter die Haut, wenn Hermann Deuter vom doz20 Häuser zeigt, in denen sie gelebt und gearbeitet haben. Viele von ihnen waren Geschäftsleute, die sich rund um das Rathaus bis zur Herrlichkeit angesiedelt hatten. Ein Berufsbekleidungs- oder ein Möbelgeschäft (zuletzt Fielmann) hatten einen guten Ruf in der Stadt.

Dennoch starben 20 jüdische Selbstständige aus Verden im Ghetto in Minsk. Goldbach: „Solche Dokumentationen sind wichtig für die junge Generation.“ Erfreulich sei in diesem Zusammenhang, dass zwei Verdener Gymnasien unter dem Titel Erinnerungskultur Themen dazu im Seminarfach bearbeitet haben. „Die Schülerinnen und Schüler hatten während ihrer Recherchen Zugriff auf unser Material.“ In einem Fall hat Hermann Deuter eine Seminarfacharbeit persönlich begleitet.

Damit Geschichte nicht in Vergessenheit gerät und die Auseinandersetzung damit vor einer Wiederholung der Gräueltaten des Hitler-Regimes bewahrt, ist auch für dieses Jahr eine passende Veranstaltungsreihe geplant.

Geplante doz20-Veranstaltungen von Mai bis Oktober

Los geht es am 5. Mai mit dem Tag der offenen Museen; am 23. Juni, 18 Uhr, berichtet Günter Palm über „Flucht und Vertreibung am Beispiel von Eissel“, Altes Schulhaus Dauelsen; am 12. Juli, 18 Uhr, spricht Margarete Eckermann über „Die Freundschaft mit Uri Bustan“, Domherrenhaus; am 9. September, Stolpersteinverlegung von Seydlitz und Themenabend, Burgberg (Krankenhaus) und Gymnasium am Wall. 16. September, „Respekt Toleranz Verden“, Infomarkt mit Unantastbar, Holzmarktgelände; 19. September, 18 Uhr, Hermann Deuter: „Sport im Nationalsozialismus“, Altes Schulhaus Dauelsen; 23. September. Wanderausstellung „Befreit. Und dann?“ Gedenkstätte Bergen-Belsen bis 14. Oktober, Wege der NS-Verfolgten nach ihrer Befreiung im Frühjahr 1945“, der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben; ergänzt werden soll die Veranstaltung durch regionale Forschung mit Joachim Woock; 29. September, 18 Uhr, Andrea Lutter: „Bildervortrag damals und heute“, Alte Schule Dauelsen.

Im Oktober ist ein „Musikalischer Abend“ geplant: Karin Christoph mit goraSon; Musik im Exil. Der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben. Am 9. November gibt es einen Stadtgang mit Hermann Deuter. Weitere Vorhaben des doz20 sind das Erstellen eines Verdener Kalenders. Die Herausgabe der Broschüre „Stolpersteine“ ist auf 2023 verschoben, die Gesamtausgabe Stolpersteine ist für 2024 vorgesehen.

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