Für die Geduldsprobe Impfkampagne war das Hinundher wegen Astrazeneca keine Hilfe

Jetzt läuft es doch wieder nach Plan

Ein Fläschchen mit Impfstoff von Astrazeneca wird aus der Verpackung geholt.
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Der Stopp für die Impfung mit Astrazeneca hatte einige Pläne durcheinandergewirbelt. Jetzt gelten sie wieder.

VAZ-Leser Axel Lautenschläger wartet dringend darauf, dass seine Frau Corinna geimpft wird. Sie arbeitet in einer radiologischen Praxis und hat mit vielen Patienten zu tun, auch mit Covid-19-Patienten. Das Hin und Her um den Astrazeneca-Impfstoff hat die Geduldsprobe für ihn und für viele andere nicht leichter gemacht.

Verden – Jetzt geht es also doch wieder. Nach der Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA darf der Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca verwendet werden. „Damit können die für dieses Wochenende im Landkreis geplanten zusätzlichen Impfungen der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen sowie der Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen durchgeführt werden“, teilt der Landkreis mit.

Den Druck, mit der Immunisierung das mulmige Gefühl vieler Arbeitnehmer gerade in Arztpraxen, Kitas und Schulen zu beseitigen, spüren auch die, die im Impfzentrum die Kampagne am Laufen halten sollen. „Vor dem Hintergrund der wieder steigenden Infektionszahlen und der grassierenden britischen Mutante muss jetzt breit, schnell und gezielt geimpft werden“, betont denn auch Landrat Bohlmann.

1190 Impfungen am Wochende

Deshalb sei die Nachricht von der EMA mit Erleichterung aufgenommen worden. „Das ist eine gute Nachricht, weil wir so unsere Planungen, ganze Beschäftigtengruppen aus der Priorisierungsgruppe 2 über die nächsten beiden Wochenenden zu impfen, nun doch zügig umsetzen können“, freut sich Bohlmann. 1190 Beschäftigte, so lautet der Plan, sollten von gestern Mittag bis Sonntagabend in der Turnhalle der Grundschule am Lönsweg geimpft werden. Nach dem Stopp für Astrazeneca, musste der Landkreis die Termine zunächst mal absagen. „Für das darauffolgende Wochenende stehen weitere 1200 Personen zur Impfung auf der Liste. Sie alle sind für eine Impfung mit Astrazeneca vorgesehen“, hieß es. Jetzt kann das Impfzentrum bei seinem Plan bleiben, vorausgesetzt, die Impflinge akzeptieren das Vakzin.

Diese Impfungen laufen neben den Reihenimpfungen her, für die das Land die Einzeltermine an die Bevölkerungsgruppen mit höchster und mittlerweile auch mit hoher Priorität vergibt. Der Impftermin für Corinna Lautenschläger und ihre Kollegen in der radiologischen Praxis sollte eigentlich schon im Februar sein, sei aber immer wieder verschoben worden, berichtet ihr Ehemann im Telefongespräch. Begründung sei die Impfstoffknappheit gewesen. Mittlerweile seien bereits viele Mitarbeiter von Arztpraxen geimpft worden, weiß Landkreissprecher Ulf Neumann. „Aber eben noch nicht alle. Dazu sind es einfach zu viele.“

Zusätzlich Impfungen von Betriebsgruppen

Während nach wie vor die über 80-jährigen Menschen im Impfzentrum mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer erst- und zweitgeimpft werden, hat der Landkreis parallel zusätzliche Impfungen für die Kita-Beschäftigten sowie Grund- und Förderschullehrkräfte, und eben auch Teams von Arztpraxen anberaumt. „Ziel dieser zusätzlichen Impfungen ist es die besonders exponierten und zugleich größten Berufsgruppen in den Betreuungs- und Bildungseinrichtungen zu schützen“, erklärt Bohlmann, „zumal ab der kommenden Woche wieder alle Schülerinnen und Schüler in den Wechselunterricht zurückkehren und auch die Kitas längst wieder in voller Gruppenstärke besetzt sind.“

Der Impfstrategie zufolge waren die Berufsgruppen noch nicht an der Reihe, nur diejenigen, die die Senioren aus der Höchstrisikogruppe behandeln und betreuen. Deshalb gehörten auch die Mitarbeiter der Aller-Weser-Klinik, Rettungsdienst und Notfallhelfer zu den ersten.

Impfstrategie nachgebessert

Dann war die Impfstrategie nachgebessert worden und medizinisches Personal, aber auch die Betreuungspersonen im Kindergarten und die Kollegien der Schulen rückten auf. In Absprache mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die eine Liste erarbeitet hatte, seien Teams von Arztpraxen eingeladen worden. Die Belegschaft konnte meist in den Abendstunden die Impfstrecken im Zentrum am Kreishaus durchlaufen.

Das sei auch sinnvoll gewesen, weil zunächst der Impfstoff von Astrazeneca nicht für Impflinge über 65 Jahre empfohlen war, erklärt Neumann. Als dann die Altersbegrenzung für Astrazeneca aufgehoben wurde, erweiterte sich die Zahl der Empfänger enorm. „Astrazeneca ist mit rund 70 Prozent der in Deutschland am häufigsten verimpfte Impfstoff“, berichtet Bohlmann. Auch er kann seine Verärgerung über die ausgebremste Impfung kaum verbergen. „Es war abzusehen, dass die EMA den Impfstoff wieder freigeben würde. Das war keine isolierbare Entscheidung in normalen Zeiten, sondern eine Entscheidung von großer Tragweite, die in ganz Deutschland die Impfabläufe durcheinanderbrachte und das Impftempo drosselte“, so Bohlmann. Für den Fall, dass die Aussetzung für Astrazeneca beendet wird, hatte das Impfzentrum den betroffenen Gruppen schon mit seiner Absage angekündigt, dass die Termine für die Gruppen am Wochenende sofort wieder eingesetzt und durchgeführt werden.

Den Mangel verwalten

Die Beschäftigten in Praxen, Kitas und Schulen könnten sich auch über die Hotline und das Impfportal des Landes ihren Termin für die Immunisierung holen. Das Praxisteam oder die Kita-Belegschaft bringt das dann nur in kleinen Schritten voran. In der Gruppe ist das Thema ungleich schneller erledigt. Dass aus dem Termin mit seinem Praxisteam erstmal nichts wurde, hat auch Dr. Martin Herlinghaus nicht gern registriert. Aber er zeigt Verständnis für die Bedingungen, unter denen das Impfzentrum arbeiten muss: „Letztendlich kann der Landkreis nur den Mangel verwalten. Die beiden Mitarbeiter, die für die Terminvergabe verantwortlich sind, tun ihr Bestes.“

Als gut vernetztem Arzt, seien ihm auch Ungereimtheiten bei der Impfvergabe zu Ohren gekommen, die nicht in Ordnung seien. „Aber ich glaube, dass im Großen und Ganzen alles mit rechten Dingen zugeht und eine 100-prozentige Fairness unmöglich ist.“

Von Ronald Klee

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