Ina Friesen schließt ihr Geschäft zum 30. April

„Jeans Oma“ geht endgültig in Rente

Alles mus raus: Bald gibt es bei der „Jeans Oma“ keine Hosen mehr. Ina Friesen (l. mit Tochter Meike) schließt ihr Geschäft zum 30. April. -  Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Die „Jeans Oma“ in der Saarstraße 11 macht dicht. Damit geht eine Ära zu Ende, denn seit Jahrzehnten ist das Geschäft mit dem Wohnzimmer-Charme eine Institution in Verden.

Für nahezu jede Figur hielt die resolute „Jeans Oma“ Hilda Friesen bis in die späten 90er-Jahre das passende Beinkleid zum günstigen Preis bereit. Später führt ihre Schwiegertochter Ina das Geschäft weiter. Doch nun hat auch sie das Rentenalter erreicht. Der Räumungsverkauf hat begonnen. Noch bis zum 30. April gibt es 30 Prozent auf alles.

„Ich werde im Herbst 67, langsam möchte ich mein Rentnerleben genießen, und einfacher ist es als Selbstständige mit den Jahren auch nicht geworden“, erzählt Ina Friesen.

Dass ihre Schwiegermutter zur „Jeans Oma“ wurde, sei einem Zufall zu verdanken. Mitte der 60er-Jahre nähte Hilda Friesen Gardinen für die Engländer. Die Gardinen holte sie aus einer Fabrik in in Eystrup. Dort lernte sie den Inhaber von Paddock’s Jeans Bremen kennen. Daraus ergab sich bald, dass sie die Hosen für Paddock’s verkaufte. Zunächst fuhr sie mit ihrem Käfer über Land, um die Jeans direkt an den Mann oder die Frau zu bringen. Gerade kinderreiche Familien seien damals ihre Kunden gewesen, erinnert sich Ina Friesen.

Später verkaufte Hilda Friesen die Hosen in ihrem Haus. Schnell hatte sie einen festen Kundenstamm. Bei der „Jeans Oma“ kannte man sich und schnackte gern auch mal ein bisschen. Kaum einer genierte sich, mangels Umkleidekabinen auch einmal mitten im Verkaufsraum die Hosen runterzulassen, um etwas anzuprobieren. Bald gab es nicht nur Hosen bei Oma Friesen, sondern auch Oberteile, Jacken und vieles mehr.

Als es ihr gesundheitlich schlechter ging, übergab Hilda Friesen das Geschäft an ihre Schwiegertochter und zog zu ihrer Tochter nach Wolfsburg, wo sie im Jahr 2000 starb.

Ina Friesen führte das Geschäft in gewohntem Stil weiter. „Es sind eigentlich alles Stammkunden hier, meist schon ältere, da wird schon etwas fehlen, wenn ich weg bin“, sagt sie. Dass sie damit Recht hat, zeigt sich sofort. „Wo soll ich jetzt meine Buchsen herkriegen, wenn hier dicht ist“, fragt ein Kunde unglücklich.

Auch Ina Friesen fällt der Abschied nicht ganz leicht. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt sie. Ebenso wird ihrer Tochter Meike, die oft mit geholfen hat und ihre Mutter jetzt auch im Räumungsverkauf unterstützt etwas fehlen. In die Fußstapfen ihrer Mutter und Oma möchte sie aber doch nicht treten, ihr fester Job ist ihr lieber als das unsichere Leben als Selbstständige.

Nach Ende des Räumungsverkaufs lässt Ina Friesen die Geschäftsräume zu einer Wohnung für sich umbauen. Nur die Hände in den Schoß legen, möchte sie aber doch noch nicht.“ „Irgendeine Beschäftigung werde ich mir noch suchen“, ist sie sicher.J  ahk

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