Jazz-Star Till Brönner begeistert bei den Niedersächsischen Musiktagen

Samtig, einfühlsam und experimentierfreudig

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Ausnahmemusiker Till Brönner begeisterte im Dom.

Verden - Von Elke Keppler-Rosenau. Diffuses Licht, Stille im Kirchenschiff, jeder Platz von einem hochkonzentrierten und erwartungsvollem Publikum besetzt und dann stand er plötzlich auf der Bühne: Till Brönner. Der Star der deutschen und internationalen Jazzszene. Charismatisch, gutaussehend, aber dennoch ziemlich bescheiden drückte er seine Ehrfurcht vor der Präsenz des gotischen Domes aus, der mühelos für den umfangreichen Bühnenaufbau Raum geboten hatte.

„Abenteuerlust“ betitelte der beliebte Musiker sein Konzert, für das er neben anderen Mitstreitern den gefeierten Kontrabassisten Dieter Ilg mitgebracht hatte. Brönner erläuterte den Konzerttitel und stimmte sein Publikum darauf ein, kein festgezurrtes Programm abliefern zu wollen. Er definierte seine ganz persönliche Abenteuerlust mit der Freude am Experiment, mit der Lust, die Musik des Augenblicks zu genießen, und wünschte sich, dass sein Publikum sich gerne darauf einlassen würde.

Noch während er mit Worten um die Gunst des Publikums warb, blitzte seine berühmte silberne Trompete im Scheinwerferlicht auf, und dann klangen die ersten samtigen Töne durch den Dom. Schmeichelnd, eher leise, wie die Aller in einer Biegung reihten sich die Töne aneinander, zunächst gar nicht jazzig, dann aber immer mehr, wobei der Musiker wieder einmal unter Beweis stellte, dass sein ganz eigener Stil sich deutlich von denen der meisten bekannten Jazzer abhebt. „Jazz ist eine Sprache, die jeder lernen kann. Mit welchem Akzent er sie spricht, bleibt jedem selbst überlassen“, sagte Brönner kürzlich in einem Interview, und mit eben diesem ganz speziellen Brönner-Akzent spielte er bekannte und weniger bekannte Stücke, die beim Publikum Gänsehaut-Feeling hervorriefen.

Deutlich machte sich ein interessanter Stilmix bemerkbar, der die Begegnung anderer Genres nicht mied, im Gegenteil. Anleihen in der Pop- und Filmmusik bescherten seiner musikalischen Abenteuerlust sogar den einen oder anderen verwegenen Schritt. Das Zusammenspiel mit Dieter Ilg, der seinen Kontrabass nicht weniger liebevoll bespielt, wie Till, Brönner seine Trompete machte deutlich, dass gerade im Jazz beide Instrumente wie für einander gemacht sind. Sich mit Blicken abstimmend, bewiesen beide, dass sie perfekt aufeinander eingespielt sind. Der Bass griff die Vorgaben der Trompete auf, setzte sie fort, mal dominierte er, mal blieb er dezent im Hintergrund, um dann auch Solo-Einlagen zu geben.

Als Bassist gilt Dieter Ilg als einer der führenden Jazzmusiker Europas und bedient zahlreiche Lehraufträge an Musikhochschulen in Deutschland, der Schweiz, Finnland und Neuseeland. Peter Fessler, kanadisch-polnisch-deutscher Gitarrist mit der Lizenz zur musikalischen Faszination, beeindruckte mit lockerer Virtuosität, schließlich stand er bereits mit Größen wie Gilbert Bècaud, Bobby McFerrin und Shirley Bassey auf der Bühne. Der Schwede Jakob Karlzon mit seiner Spieltechnik auf dem Piano und sein Landsmann Magnus Lindgren, der mit seiner Klarinette als Zauberkünstler gilt, lieferten immer wieder Steilvorlagen für Till Brönner.

Mit seiner musikalischen Abenteuerlust hatte dieser dem Publikum nicht zu viel versprochen. Mit begeistertem Applaus bedankten sich die Zuhörerschaft.

Den Organisatoren der Niedersächsischen Musiktage, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, mit der Kreissparkasse Verden als Gastgeber, gelang mit diesem Ausnahmekonzert der ganz große Wurf. Wie Landrat Peter Bohlmann es in seiner Funktion des Stiftungsrates der Stiftung der Kreissparkasse in seiner Begrüßung der teilweise von weither angereisten Besucher ausdrückte: „Neben dem hervorragenden und äußerst anspruchsvollen Programm finden die Musiktage an Orten statt, die untrennbar mit der Stadt, dem Landkreis und der Region verbunden sind.“ Er ging dabei auf das außergewöhnliche Flair des Domes ein, der mit seiner prägnanten Aura maßgeblich zum Gelingen der Darbietung beigetragen hatte.

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