Lange Auswege aus der Gewaltspirale gesucht

Gudrun Dehmel verlässt Frauenhaus und BISS-Stelle

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Zeit für ein Glas Sekt. Regina Ernst, Ulla Schobert und Ulrike Helberg-Manke (hinten, v. l.) wünschten Gudrun Dehmel (vorne, l.) alles Gute für den Ruhestand und begrüßten Dr. Iris Stahlke.

Verden - Leidvolle Schicksale von Frauen, die in ihren Beziehungen Opfer von Gewalt wurden, hat Gudrun Dehmel viele in Erinnerung. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie im Frauenhaus und in der BISS-Beratungsstelle. Sie kennt aber auch einige, in denen sich die Frauen aus der Gewaltspirale befreien konnten. Seit Donnerstag ist sie im Ruhestand. Nachfolgerin in der Einrichtung ist die Psychologin Dr. Iris Stahlke.

Gern ließen Ulrike Helberg-Manke und Regina Ernst vom Vorstand des Vereins „Frauenhaus Verden – Frauen helfen Frauen“ sowie die geschäftsführende Leiterin Ulla Schobert die erfahrene und engagierte Mitarbeiterin nicht ziehen. „Wir werden sie vermissen“, machte Vorsitzende Ulrike Helberg-Manke deutlich. Gudrun Dehmel habe die Arbeit im Frauenhaus mit Herzblut, klug und hoch qualifiziert, geleistet und auch konzeptionell mitgestaltet. 

Dasselbe gelte für ihre Mitarbeit in der BISS-Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (Biss). Seit den Anfängen im Jahr 2002, noch als die Beratung in der Modellphase war, hatte sich die Sozialpädagogin dort eingesetzt. Für sie war damals, als das Gewaltschutzgesetz wirksam wurde, eine neue Zeit angebrochen. „Gewalt gegen Frauen war damit keine Privatangelegenheit mehr“, weist Dehmel auf die wichtige Veränderung hin. Jetzt sei unbestritten, dass das ein gesellschaftliches Problem sei. Konsequent habe sie deshalb auch in ehrenamtlichen Gremien, wie dem Jugendhilfeausschuss des Kreistags und der Landesarbeitsgemeinschaft der BISS-Stellen mitgearbeitet.

Hilfreiches Netzwerk aufgebaut

Das Netzwerk zu Behörden, Polizei, Justiz und anderen, aber auch weiterführenden Einrichtungen und Beratungsstellen, das Dehmel aufgebaut hätte, habe sich immer wieder als hilfreich erwiesen, würdigte Ulla Schobert ein weniger offensichtliches Wirken von Gudrun Dehmel.

Dr. Iris Stahlke freute sich, dass sie auf diese Grundlagen aufbauen kann. Auch sie ist im Frauenhaus keine Fremde. Bereits 1989 hatte sie dort ein Praktikum für ihr Psychologie-Studium gemacht. Später habe sie als Honorarkraft in der Verdener Einrichtung gearbeitet. Die Erfahrungen bei der Krisenintervention habe ihr auch die Arbeit an der Habilitationsschrift erleichtert.

„Ich freue mich auf die Arbeit“, bekannte die Psychologin. Das betreffe auch neuere Entwicklungen, die den Blick auch für die anderen Familienmitglieder öffnen. „Gerade Kinder und Jugendliche haben oft ein Leben lang an der Gewalt in der Familie zu tragen.“

Ein Schwerpunkt sei für sie Gewalt in Teenagerbeziehungen. Dieser Aspekt an der Arbeit trifft sich auch mit einigem, das ihrer Vorgängerin wichtig war. Neben der Psychologie hat Stahlke deshalb auch Fortbildungen gemacht, um die Opfer als psychosoziale Begleiterin bei Prozessen und Behörden unterstützen zu können.

kle

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