Erste evangelische Predigt am 20. Februar 1558 

St. Johanniskirche: Vor 460 Jahren erreichte die Reformation Verden

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In der Johanniskirche wurde die neue Lehre Martin Luthers zum ersten Mal in Verden von der Kanzel gepredigt. 

Verden - Von Jürgen Siemers. Mit den Feierlichkeiten im Jahre 2017 anlässlich des 500. Reformationsjubiläums ist nur der Beginn dieser gewaltigen Umwälzung durch die Lehre von Martin Luther aufgezeigt. Bis sich dieses Ereignis über die Stadt Wittenberg hinaus in fast alle Lande durchgesetzt hatte, dauerte es dann noch sehr viele Jahre. Das Jahr 1558 markiert mit der Wahl des Bischofs Georg den Wendepunkt, mit dem die Reformation die katholische Bischofsstadt Verden erreichte. Die erste Predigt wurde sogar schon früher gehalten: heute vor 460 Jahren.

Das Stift Verden galt im Reich nach 1566, als Kaiser Max die Privilegien des Stiftes bestätigte, als gut katholisch im Gegensatz zu Bremen. Bischof Christoph (1503-1558) hatte es als geschworener Feind Luthers verstanden, die evangelischen Einflüsse vom Stift fernzuhalten. Der Feuertod von Johann Bornemacher sei hier erwähnt.

In Bremen, dort war der Verdener Bischof seit 1511 Erzbischof, hielt die Reformation bereits 1525 Einzug, nur der Dom blieb bis 1552 katholisch. Evangelisch waren seit 1525 unter anderen die Städte Lüneburg, Celle und Walsrode. Das Stift war also eine katholische Insel im bereits evangelischen Norden.

Bischof Christoph starb am 22. Januar 1566. Bereits im Jahre 1556 hatte er seinen Bruder Georg als Koadjutor angenommen. Damit war quasi vorgegeben, dass Georg die Nachfolge antrat, im Bistum Verden als Administrator. Erwartungsgemäß wurde Georg vom jeweiligen Domkapitel, in Verden am 14. April 1558 gewählt.

Er nahm als einziger Verdener Bischof den Wohnsitz nur im Stiftshof in der Norderstadt. Bischof Georg bekannte sich zwar zum katholischen Glauben, er stand aber dem Protestanismus sehr nahe. Noch vor seiner offiziellen Wahl setzte er seinen Hofprediger Henricus Bursius als beständigen Vikar (perpetuus vicarius) an der St. Johanniskirche ein. Dieser predigte nun die evangelische Lehre in der Kirche der Norderstadt, dem Wohnsitz des Bischofs. Dagegen standen nun das katholische Domkapitel und auch die St. Andreaskirche im Süderende.

Die „neue“ Kanzel der Johanniskirche wurde 1598 gestiftet. Sie ersetzte das Lesepult, an dem am 20. Februar 1558 die historische Predigt gehalten wurde.

Die erste evangelische Predigt von Bursius, auch als Burschius oder Buschuus überliefert‚ erfolgte nur wenige Wochen nach dem Tode des streng katholischen Bischofs Christoph,

In seinem Buch „Eberhard von Holle, Bischof und Reformator“, Verden 1967, weist (+) Lic. Dr. Walter Schäfer nach, dass am 20. Februar 1558, dem Sonntag Estomihi, also heute vor 460 Jahren‚ zum ersten Male die neue Lehre von der Kanzel verkündet worden ist. Über die damalige Kanzel ist nichts bekannt, die jetzige ist erst 1598 gestiftet worden.

Es dauerte dann weitere zehn Jahre, bis die Reformation auch das Süderende erreichte.

Bischof Georg hatte Anfang der 60er-Jahre in seinen Stiften Bremen und Verden die Priesterehe, das Abendmahl in beiderlei Gestalt und den Glaubensartikel von der Rechtfertigung aus Gnade offiziell zugelassen. (Mager‚ Die drei ev. Bischöfe in Verden). Er selbst nahm in seiner Sterbestunde das Abendmahl in beiderlei Gestalt, mit Brot und Wein. Damit war endgültig der Weg frei für die Einführung der Reformation im hiesigen Gebiet.

Obwohl der katholische Stiftscharakter nach den Absprachen im Augsburger Religionsfrieden von 1555 hätte erhalten bleiben müssen, unterstützte Georg dennoch die evangelische Lehre. Besonders die Bevölkerung der Norderstadt war davon offenbar angetan.

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