In Deutschland fühlen sie sich sicher

Zwillinge Mahdi und Hadi Ahmadi: Im Iran nur zweiter Klasse

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Mahdi Ahmadi (l.), sein Zwillingsbruder Hadi und Freund Sami Jafri (Mitte) sehen ihre Zukunft in Deutschland.

Verden - Angst, Unsicherheit und Diskriminierung prägte jahrelang das Leben von Mahdi und Hadi Ahmadi (18). Die Zwillinge wurden im Iran geboren und sind dort aufgewachsen. Ihre Eltern sind aber Afghanen, und so wurden auch Mahdi und Hadi nicht als iranische Staatsbürger anerkannt.

Als die Familie für zwei Jahre nach Afghanistan zurückkehrte, wurde ihre Situation sogar noch unerträglicher. Wieder zurück im Iran, nutzte die Familie Ahmadi vor zwei Jahren die Chance, nach Deutschland zu fliehen. Jetzt kämpfen sie dafür, bleiben zu dürfen.

„Auch wenn wir im Iran geboren wurden, zählen wir dort nicht als Iraner“, erzählt Hadi. Afghanen würden als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt. Sogar der Schulbesuch wurde den Zwillingen verwehrt. Sie hätten nur bis zur sechsten Klasse die Schule besucht, so Hadi. Er und sein Bruder bakamen heimlich Privatunterricht. 

Die Rückkehr nach Afghanistan war für die Familie dann aber auch keine Lösung. „Wir dachten, dass es dort besser ist, aber es war noch viel unsichererer“, berichtet Hadi. Bis zur Flucht nach Deutschland tauchte die Familie im Iran unter und hielt sich mit Schwarzarbeit über Wasser. Die Flucht nach Deutschland sahen die Ahmadis als Chance auf ein besseres Leben.

Erste Station: Bad Fallingbostel

Die erste Station in Deutschland war Bad Fallingbostel. Drei Monate blieb die Familie dort. Weiter ging es dann in die Sammelunterkunft in die Berufsbildenden Schulen Verden und dann ins Containerdorf am Kreishaus. Seit einigen Monaten lebt die Familie endlich in einer eigenen Wohnung in der Lessingstraße.

Die Zwillinge besuchten zunächst die Sprachlernklasse des Domgymnasiums und wechselten dann in die reguläre achte Klasse. Momentan bereiten sich beide in der Kreisvolkshochschule auf den Hauptschulabschluss vor, noch vor den Sommerferien wollen sie ihn in der Tasche haben.

Mahdi und Hadi sind technisch interessiert und streben eine Ausbildung als Fahrzeuglackierer und Kfz-Mechatroniker an. In ihrer Freizeit rappen die Zwillinge gern. Die Texte schreiben sie selbst, die Musik schneiden sie aus dem Internet zusammen. Mit diesem Hobby begannen sie bereits als 14-Jährige.

In Mahdis und Hadis Texten geht es meistens um politische und soziale Themen. „Aber auch die Liebe spielt eine Rolle“, schmunzeln die Brüder. Im Iran ist das Rappen bei Strafe verboten, so konnten sie ihre Kunst nur zu Hause ausüben. In Deutschland müssen sie nun keine Angst mehr haben, beim Rappen erwischt zu werden. Zunächst haben sie auch hier nur auf persisch gerappt, mittlerweile schreiben sie aber auch deutsche Texte.

Dauerhaftes Bleiberecht unsicher

In Deutschland fühlen sie sich sehr wohl, sagen die Brüder. Hier sei es sicherer und auch sonst viel besser als im Iran oder in Afghanistan. Sorge bereitet ihnen nur, ob sie dauerhaft bleiben dürfen, zumal bereits einmal die Abschiebung drohte. Der Anwalt der Familie erreichte jedoch, dass die Abschiebung zunächst abgewendet wurde.

Mit der Angst vor einer Abschiebung muss auch Sami Jafri (19), leben. Der Freund des rappenden Zwillinge lebt in Norden, möchte aber gern nach Verden ziehen. Er kam vor zweieinhalb Jahren ganz allein zu Fuß aus Afghanistan. Fast einen Monat war er unterwegs gewesen, hatte auf der Flucht kaum zu essen und zu trinken. „Unterwegs habe ich viel Schweres gesehen“, sagt er. Umso größer war der Schock, als er abgeschoben werden sollte. Auch Sami geht mit Hilfe seines Anwalts gegen die Abschiebung vor.

Mahdi und Hadi haben in einigen Monaten einen Gerichtstermin, der über ihr Schicksal entscheidet. Beide sind zuversichtlich.

ahk

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