Iraker kommen über die Balkanroute an die BBS Verden

Asylbewerber berichten über ihre Reise

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Blick in ein Flüchtlings-Zelt. Sie sind in der Turnhalle der BBS Dauelsen aufgestellt. In diesem wohnen (v.l.): Hana Alnajlat, Eslam Kazak und Mahmoud Muhana.

Verden - „Bagdad war schrecklich“, sagten Ali Hussein Ali und Ammar Adil Salmen Alani. Beide sind aus dem Irak geflüchtet. Zurzeit sind sie in den Turnhallen an den BBS Verden untergebracht. Zusammen mit einer syrischen Familie berichteten sie von ihrer Flucht und ihren Wünschen.

In Winterjacken sitzen die beiden Iraker am Tisch. Neben ihnen haben Hana Alnajlat, ihr Sohn Mahmoud Muhana und Enkel Eslam Kazak Platz genommen. Ihre Heimat war Damaskus. Direkt am Flughafen der syrischen Hauptstadt hatte Mahmoud Muhana ein Haus in Eigenleistung gebaut. „Zehn Jahre habe ich dafür gebraucht“, sagte der gelernte Koch.

Ali Hussein Ali (rechts) und Ammar Adil Salmen Alani stammen aus dem Irak.

Kurz nachdem er fertig war, wurde das Gebiet rund um den Flughafen zum militärischen Sperrgebiet. „Mein Haus rissen sie einfach ab. Ich bin mit meiner Familie in den Norden des Landes geflüchtet“, erzählte Mahmoud Muhana. Dort war es auch nicht sicher. Soldaten hielten ihn für einen Deserteur. Also ging es weiter nach Jordanien. „Ich dachte da wäre meine Familie sicher“, sagte der 36-Jährige. Und weiter: „Die Aufnahmelager sind mit denen in Deutschland nicht zu vergleichen. Ich habe uns eine Wohnung gemietet.“ Arbeiten hätte er nur mit Erlaubnis gedurft. Diese kostete umgerechnet 800 Dollar. Das Geld hatte der Familienvater nicht. Also arbeitete er nachts. Wäre er erwischt worden, hätten die Behörden ihn eingesperrt.

„Meine Kinder sind sieben, vier und zwei Jahre sowie zwei Monate alt. Ich denke an ihre Zukunft. Sie müssen zur Schule gehen“, so der Vater über seine Beweggründe zur Flucht. Finanziert hat er sie mit dem Gold seiner Mutter. Gereicht hat es für Tickets für seine Mutter, einen Neffen, einer Verwandten und ihn selbst. Kontakt zur zurückgelassenen Familie hat Mahmoud Muhana über Skype.

Über die sogenannte Balkan-Route kamen Ali Hussein Ali und Ammar Adil Salmen Alani nach Verden. „Die Umstände ließen nur eine sofortige Flucht zu“, erzählte Ammar Adil Salmen Alani. Der Iraker arbeitete bei einer Hilfsorganisation, die sich um Flüchtlinge in Bagdad kümmerte. „Das Lager befindet sich in einem Bezirk, den man nur mit einem Ausweis betreten durfte“, sagte der 24-Jährige. Die bewaffneten Milizen (keine IS-Kämpfer) fanden sein Engagement nicht gut. Sie teilten ihm mit, dass er im Bezirk unerwünscht sei. Die Milizen hatten dies Ali schon häufiger mitgeteilt. Nur diesmal mit Nachdruck, dass er sich sicher war, sie meinten es ernst. Am 21. September tätigte er seine letzte Fuhre. Es war der Tag, an dem ein großes Fest mit den Bewohnern geplant war.

Einige Tage später begab sich der Iraker auf den Weg nach Deutschland. Er ließ seine Familie zurück. „Durch meine Arbeit sah ich meine Familie in Gefahr.“ Bevor Alani bei der Hilfsorganisation arbeitete, studierte er Naturwissenschaften. Bis zur Ankunft in Verden war er 15 Tage per Flugzeug, Boot, Bus und zu Fuß unterwegs.

Ähnlich lange dauert die Flucht von Ali Hussein Ali. Der studierte Jurist versuchte innerhalb des Iraks vor dem Krieg zu flüchten. Im Norden des Landes wohnte er in Kurdistan. Dies ist das Grenzgebiet, welches überwiegend von Kurden bevölkert wird. Als Araber gehörte Ali einer Minderheit an. Die vielen Anfeindungen machten ein Leben unmöglich. Bis zum vergangenen Jahr arbeitete er als Anwalt. Jetzt hat er alles zurückgelassen und versucht in Deutschland ein neues Leben anzufangen.

Die beiden Iraker und die Familie aus Syrien sind dankbar für die Unterkunft. „Die Kriege haben alles verändert“, sind sie sich einig. „Wir wollen wieder ein normales Leben führen“, so der Wunsch der Flüchtlinge. awt

BBS Verden werden zu Unterkünften für Flüchtlinge

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