Verwaltung soll Möglichkeiten aufzeigen

Verdener Rat hält an Stadtkante fest: Investor und Bauherr wären da

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Das fragliche Areal an der Aller. Für die so genannte Stadtkante muss die Stadt Verden „nur“ einen Investor finden.

Mit einem Schlag ist die Stadtkante wieder in aller Munde. Jetzt meldeten sich Verdener Ratsmitglieder und auch der im Urlaub weilende Bürgermeister Lutz Brockmann zu Wort. Die Meinungen über den bisherigen Verfahrensablauf gehen zum Teil aber weit auseinander.

Update vom 24.Oktober: 

Der Verdener Stadtrat war am Dienstagabend zu einer außerordentlichen, nichtöffentlichen Sitzung zum Thema Stadtkante zusammengekommen. Anlass für das Zusammentreffen sei die aktuelle Entwicklung im Zusammenhang mit der Vergabe des Grundstücks am Blumenwisch gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. 

Es war bekannt geworden, dass der Investor des im Wettbewerbsverfahren zweitplatzierten Bewerbers sein Interesse an der Umsetzung des Projekts überraschend zurückgezogen hatte. In der Sitzung am Dienstag bekräftigte der gesamte Rat daraufhin erneut, dass er das Projekt Stadtkante gemeinsam entwickeln und erfolgreich umsetzen wolle.  Das Areal am Blumenwisch besteche nicht nur durch seine prominente Lage direkt an der Aller, die künftige Gestaltung habe auch mit Blick auf die Stadtentwicklung eine zukunftsweisende Bedeutung. 

Ratsmitglieder sind sich einig

Die Ratsmitglieder seien sich einig, dass aus diesen Gründen eine gute Lösung wichtiger als ein schneller Baubeginn sei. Die Mitglieder des Rates seien übereingekommen, dass die Stadtverwaltung dem Rat alle Handlungsmöglichkeiten in Hinblick auf den Grundstücksverkauf sowie das weitere Vergabeverfahren aufzeigen solle. Hierfür sollten zunächst Gespräche mit allen interessierten Investoren zu den ausgewählten Wettbewerbsbeiträgen geführt werden. Im Anschluss wolle der Rat das weitere Vorgehen beschließen

Update vom 18. Oktober: 

Die Stadt Verden halte an dem Projekt Stadtkante fest, schreibt nun der Bürgermeister. Über die Form der Umsetzung müsse jedoch noch beraten werden. Ein zweiter möglicher Investor hätte eine Realisation im Sinne der Stadt abgelehnt, so Brockmann (damit ist offensichtlich die Bietergemeinschaft von Wohninvest und Firma Holzkamm gemeint; Anmerkung der Redaktion).

Nachdem sich im Frühjahr dieses Jahres mit der BPD Immobilienentwicklung der ursprüngliche Investor überraschend aus dem Bauprojekt zurückgezogen hatte, sei für die Stadt Verden schnell klar geworden, dass sie an ihren Zielen zur Entwicklung der Stadtkante festhalten wolle.

Das Modellfoto des zweitplatzierten Entwurfs von Holzkamm und Wohninvest.

Zur Freude aller Fraktionen habe der seinerzeit zweitplatzierte Bewerber, eine Bietergemeinschaft (siehe oben), weiterhin Interesse bekundet und im August sein städtebauliches Konzept für das Grundstück an der Blumenwisch erstmals dem Rat vorgestellt. Zuvor habe es bereits einen regen Austausch mit dem Investor und der Stadt über eine mögliche Realisierung unter Berücksichtigung der Anregungen der Jury aus dem damaligen Wettbewerbsverfahren gegeben, schreibt der Verwaltungschef weiter.

Zweitplatzierte Entwurf überzeuge durch Wegebeziehungen

Diese Jury habe seinerzeit aus Fachleuten des Städtebaus, der Architektur und der Immobilienwirtschaft sowie Vertretern der Ratsfraktionen bestanden. Nach Ansicht der Stadt, die den Empfehlungen der Jury gefolgt sei, habe der zweitplatzierte Entwurf besonders durch die geplanten Nutzungen sowie die Fortführung der Wegebeziehung und Sichtachsen sowie die Schaffung unterschiedlicher öffentlicher und halböffentlicher Räume überzeugt.

Gebäude soll sich in Verdener Stadtbild einfügen

Das architektonische Erscheinungsbild des Entwurfes sei von vielen Ratsmitgliedern jedoch kritisch bewertet worden. Ein wichtiges Kriterium im damaligen Wettbewerbsverfahren sei gewesen, dass sich das künftige Gebäude in seiner gesamten Gestaltung in das Verdener Stadtbild einfüge. Dies leiste der vorgelegte Entwurf mit Hinblick auf Fassaden- und Dachgestaltung aus Sicht der Fachjury und vieler Mitglieder des Stadtrates nicht.

So sollte die Verdener Stadtkante nach den Vorstellungen der BPD aussehen.

Da eine harmonische Gestaltung des Stadtbildes jedoch unerlässlich sei, habe die Stadt den Bewerber gebeten, seinen Entwurf entsprechend zu überarbeiten. Die Bietergemeinschaft habe dies mit Ausnahme kleinerer Korrekturen überraschenderweise und schnell abgelehnt, so der Bürgermeister. Die Stadtverwaltung bedauere die Haltung der Bietergemeinschaft sehr. Die Gespräche seien bis zu diesem Zeitpunkt sehr konstruktiv gelaufen.

Zeitgleich hätten noch weitere Investoren ihr Interesse an der Realisierung des Bauprojekts bekundet. In einer nichtöffentlichen Sitzung des Stadtrates am kommenden Dienstag solle nun das weitere Vorgehen zum Projekt Stadtkante beraten werden.

Entwurf enthält Wohnungen und Parkgarage

Soweit die Stadt Verden. Auf Nachfrage erklärte der Geschäftsführer der heimischen Firma Holzkamm, Claus Willenbrock, ihren mit dem möglichen Investor, der Wohninvest Holding GmbH, abgestimmten Entwurf. Die vorhandene Topografie sei mit den verschiedenen Gefällen aufgenommen worden, ebenso so genannte Allerhöfe im Innenraum, der von 61 Wohnungen verschiedener Größe umsäumt werden würde. Die alte Stadtmauer sollte integriert werden, die Parkgarage hätte zwei Ein- und Ausfahrten bekommen. Der Rewe-Markt und weiteres Gewerbe sollten im Erdgeschoss des Hotelneubaus integriert werden. Die Stadt Verden habe sich aber auch aus rechtlicher Sicht nie so zu erkennen gegeben, dass eine Planungssicherheit vorhanden gewesen wäre. Stattdessen habe es in brieflicher Form den Hinweis gegeben, möglichst den erstplazierten Entwurf eins zu eins zu übernehmen, was dann abgelehnt worden sei.

Erstmeldung vom 17. Oktober

Noch im April ließ der Bürgermeister verlauten: „Klare Kante an der Aller“. Nun aber scheint Lutz Brockmann die Kurve, vielmehr die Kante, nicht zu kriegen. Zwei Entwürfe liegen vor, doch es hagelt nur Absagen. Was nun? Der Rat tagt dazu am Dienstag nichtöffentlich.

Die Stadt Verden bekommt offenbar keine kalten Füße. Diesen Eindruck konnten Journalisten im April gewinnen, als Bürgermeister Lutz Brockmann nicht nur die Sprache, sondern auch den Optimismus in Sachen „Neue Stadtkante“ wiedergefunden hatte. 

Wie berichtet, hatte die Hamburger Investorin BPD Immobilienentwicklung GmbH der Stadt Verden mitgeteilt, dass sie die Projektentwicklung „Neue Stadtkante” in Verden mit sofortiger Wirkung beende. Maßgeblicher Anlass und Grund für die Entscheidung sei nach Angaben von BPD, dass „kein Betreiber und Endinvestor für das Hotel gefunden werden konnte, der die erforderlichen finanziellen Sicherheiten nachweisen kann”.

Diskussion in nichtöffentlicher Sitzung am 22. Oktober

In den Monaten darauf blies an der Stadtkante nur ein laues Lüftchen, Bis zu dem Moment, als jetzt bekannt wurde, dass das Thema in nichtöffentlicher Sitzung vom Stadtrat am kommenden Dienstag wieder aufgenommen werde. Das habe seinen Grund, wie Lutz Brockmanns Stellvertreter und Kämmerer Andreas Schreiber auf Anfrage erläuterte. „Wir befinden uns in einem laufenden Verfahren und angesichts von zwei Vertragspartnern in einem internen Abstimmungsablauf.“ Wie es nun weitergehen soll, werde der Rat am 22. Oktober entscheiden.

Zum Projekt Stadtkante: Im Februar 2018 wurden den Projektleitern Pläne vorgelegt.

Ob er das wirklich tut, scheint aufgrund neuer Entwicklungen zumindest fraglich. Denn: Von den zitierten beiden Vertragspartnern gibt es nach Informationen dieser Zeitung nur Absagen. Von der Hamburger BPD, die bei dem Wettbewerb der Stadt Verden zur Stadtkante den ersten Platz gemacht hatte, ist alles bekannt, von dem zweitplazierten Entwurf bislang nichts. Bislang... Recherchen unserer Zeitung haben nun ergeben, dass den zweiten Platz die Verdener Firma Holzkamm mit ihrem Geschäftsführer Claus Willenbrock, thematisch übrigens nicht weit weg vom ersten Rang, erreicht hatte.

Projekt ist mit 50 Millionen Euro veranschlagt

Willenbrock deutete an, dass die Stadt Verden für das 50-Millionen-Projekt einen Investor inklusive der Tätigkeit als Bauherr praktisch aus einer Hand bekommen hätte. Holzkamm hatte mit dem neuen Namensgeber des Bremer Weserstadions, der Wohninvest Holding, einen kompetenten Partner gefunden.

Die Wohninvest Holding GmbH ist ein Immobilienkonzern aus Fellbach bei Stuttgart. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung und Vermarktung von Bürokomplexen und Einkaufszentren spezialisiert. Der Umsatz liegt bei 380 Millionen Euro im Jahr. Nach den Worten Willenbrocks hätte sie auch das geplante Hotel selbst betrieben.

Breite Mehrheit steht hinter Umsetzungsidee

Schwierig sei es erst dann geworden, als bei den ersten Gesprächen mit der Stadt herausgekommen sei, dass Wohninvest quasi den Hamburger BPD-Entwurf für die Stadtkante hätte umsetzen sollen. So scheint es zumindest Bürgermeister Brockmann, der aus Urlaubsgründen am Donnerstag nicht zu erreichen war, und die SPD-Stadtratsfraktion gewollt zu haben. 

Dieses Ansinnen sei von Wohninvest, die ausschließlich den Holzkamm-Entwurf realisieren möchte, abgelehnt worden. Wichtig sei gewesen, so Willenbrock, dass eine breite Mehrheit aus Verwaltung und Politik hinter ihrer Umsetzungsidee stehe. Als der Wohninvest auch noch vorgeschlagen worden sei, den BPD-Entwurf eins zu eins umzusetzen, kam die unmissverständliche Antwort von der Geschäftsführung der Holding GmbH: „Nicht mit uns, Dann ziehen wir uns zurück.“

Was zu dem jetzt nicht einfachen Zustand geführt hat: Die Stadt Verden hat einen erstplazierten Entwurf, für den sie auch die Rechte der Umsetzung erworben hatte, steht aber komplett ohne Investor da. Dabei hätte, so Willenbrock, es anders ausgehen können, wenn die Bereitschaft zum Dialog da gewesen wäre. Lediglich die CDU-Stadtratsfraktion habe ihn und die Firma Holzkamm eingeladen und sei von dem vorgelegten Konzept sehr angetan gewesen.

„Wir sind sehr enttäuscht über die Absage“

Das bestätigte am Donnerstag bei einem Anruf CDU-Fraktionschef Jens Richter. Investor und Betreiber in einer Hand, das hätte was, so der Kommunalpolitiker. Wenn von der Verwaltung und dem Bürgermeister überzogene Forderungen an die Wohninvest herausgetragen worden seien, dürfe sich die Stadt nicht wundern. 

„Wir sind sehr enttäuscht über die Absage“, betonte Richter. Die Stadt habe eine Riesenchance vertan und Porzellan zerschlagen, so sein vernichtendes Urteil. „Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung“, sagte Richter mit Blick auf die nichtöffentliche Ratssitzung.

Kommentar zur Verdener Stadtkante

Mit dem Kopf durch die Wand

Von Volkmar Koy.

Die Verdener Welt gerät zum wiederholten Male aus den Angeln. Das muss man sich einmal vorstellen: Ein möglicherweise potenter Hamburger Investor macht mit Blick auf die Verdener Stadtkante schlapp, weil angeblich kein Betreiber für das geforderte Hotel gefunden werden konnte. Heute müsste das Wörtchen „angeblich“ dick unterstrichen werden. Das Gegenteil ist offenbar der Fall. 

Die einheimische (welch ein Vorteil!) Firma Holzkamm hatte der Stadt mit der Wohninvest Holding nicht nur einen Investor besorgt, sondern wollte gleichzeitig als Bauherr und Macher für das Hotel auftreten. Dazu wären die von der Stadt gewünschten Mietwohnungen, das Gewerbe und auch das städtebaulich sowie gestalterisch nachvollziehbare Konzept für das neue Allerquartier in der Altstadt gekommen. 

Stattdessen wird das auf einem Silbertablett angebotene Projekt zu Grabe getragen und unter der Stadtkante verbuddelt. Da liegt der Vergleich aus höheren fußballerischen Weihen nahe, wenn ein Verein wie Werder Bremen oder von mir aus auch der HSV den Trainer entlässt, den neuen aber gleichzeitig per Vertrag mit dem Konzept und der Mannschaft des alten weiterarbeiten lässt. Nicht nur Fußballer würden sagen: Das geht nicht. Doch bei der Stadt Verden ist offenbar alles anders. Mit dem Kopf durch die Wand.

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