Intensive Schöpfung

Bremer Musikfest mit Haydn-Oratorium im Verdener Dom zu Gast

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Dirigentin Laurence Equilbey.

Verden - Von Ilse Walther. Mit schöner Regelmäßigkeit ist Musikfest Bremen mit einem besonderen Konzert im Verdener Dom zu Gast. Jetzt waren erstmalig Gäste aus Frankreich mit der „Schöpfung“ von Joseph Haydn zu Gast, das Insula Orchestra und Solisten mit dem Accentus Chor unter der Gesamtleitung der Dirigentin Laurence Equilbey.

Ein Hörerlebnis von außerordentlicher Güte. Denn selten erlebt man das Werk in einer solchen durchgehenden Freude und Intensität, wie es an diesem Abend war.

Das von Marc Korovitch einstudierte Ensemble war von Anfang an mitgehend, freudig und tief bewegend. Musizieren, geleitet von der ungemein sensiblen und sehr präsenten Dirigentin, die stets bestimmt und dabei behutsam hoch konzentriert ihre Intentionen auf die Musikerinnen und Musiker zu übertragen wusste. Schon der Beginn mit dem aufrüttelnd vom Paukisten begonnenen und vom Orchester aufblühend fortgesetzten Vorspiel weckte alle Zuhörer regelrecht auf.

Das Ensemble musizierte auf historischen Instrumenten. Die Streichinstrumente sind mit Darmsaiten bespannt und haben dadurch diesen unverwechselbaren warmen Klang. Unter den nach Bau- und Spielweise originalgetreuen Blasinstrumenten beeindruckte besonders das voluminöse Kontrafagott, ebenso die Naturblechblasinstrumente. Das von Daniel Isoir gespielte Hammerklavier klang bei den Continuopassagen farbig, der Schlagwerker Jan Huylebroeck betreute ausdrucksstark und kraftvoll seinen Part.

Ein Hörerlebnis von außerordentlicher Güte: Das Insula Orchestra und Solisten führten mit dem Accentus Chor Haydns „Schöpfung“ im Rahmen des Bremer Musikfestes im Verdener Dom auf.

Der sehr ausgewogen besetzte Chor zeigte sich bestens geschult und sang makellos rein. Klar bis in die Höhen waren die Soprane, Altistinnen und Altisten, Tenöre und Bässe, klangvoll und stets spannungsreich, perfekt in den Koloraturen und bei allen Einsätzen homogen.

Perfekt waren auch die häufigen Fugensätze. Die belgisch-schweizerische Sopranistin Chiara Skerath strahlte von Beginn an voller Freude, man spürte und hörte bei ihr die Dankbarkeit, solch wunderbare Solopartien zu singen. Makellos rein und bruchlos sang sie ihre Partien von Gabriel und Eva bis in die Höhen, empfindsam wie auch heiter und gelassen. Auch die Schilderung der girrenden Tauben und der Gesang der Nachtigall gelangen einfühlend und in den Koloraturen glasklar und perlend.

Mit seiner leuchtend substanzreichen Stimme bot der in Tirol aufgewachsene Tenor Martin Mitterrutzner die Partie des Uriel, ein intensiv gestaltender Rezitator für die Erschaffung der Erde. Ebenso der österreichische Bariton Rafael Fingerlos, der durch seine wandlungsreiche, farbige Stimme als Raphael ein überzeugender Schilderer von Natur war. Joseph Haydn war bekanntlich ein exzellenter Schilderer von Natur, die er musikalisch bewegend in Töne fasste.

Rafael Fingerlos als Adam, gemeinsam mit der überzeugenden Chiara Skerath als Eva war das junge, unschuldige und verliebte erste Menschenpaar, zauberhaft auch in der feinen Ironie, die der Text heute ausstrahlt. Welche junge Frau würde heute noch sagen, dass sie sich dem Mann unterordnen würde. Mit viel Humor boten diese beiden Sänger das herrliche Liebesduett zum Ende des Oratoriums. Ob sie die Mahnung des Uriel wohl beherzigen würden? Bekanntlich nicht, denn aus dem Paradies wurden sie durch eigene Schuld vertrieben.

Das ganze Oratorium wurde durchgehend froh, bewegend, und gerade in den vielen Wechseln von Solisten und Chor so farbig, klangschön und mitgehend geboten, dass man einfach beglückt war. Nach dem hymnisch und prächtig gebrachten Schlusschor „Singt dem Herren alle Stimmen“, in den sich auch die Chor-Altistin Thai-Lien Truong solistisch einfügte, gab es herzlichen Beifall für die Solisten, Ensembles und die großartige Dirigentin Laurence Equilbey, die alles so intensiv und musikalisch überzeugend zusammen gehalten hatte. Welch ein großer, auch festlicher Abend in Verden.

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